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Unterwegs mit dem E-Bike Elektrisch durch den Alltag

Schon mal auf einem Elektrorad unterwegs gewesen? Immer noch erstaunlich viele müssen das verneinen - erst recht, wenn es um die 45 km/h schnelle Variante mit 500-Watt-Motor geht: Ein Erfahrungsbericht schildert die Praxis.

© Hersteller Vergrößern Zu jung, zu schick und ungeschützt: Die Zielgruppe des Elektrorades ist eine andere, als das Foto suggeriert

Der GPS-gestützte Tacho will gerade auf 40 km/h klettern. Das ist nachmittags im Feierabendverkehr auf dieser Frankfurter Ausfallstraße ein ordentliches Kolonnentempo. Plötzlich unterschreitet von links kommend ein Wagen gefährlich den Mindestabstand zu dem Zweirad am rechten Rand, und der Autofahrer beugt sich über den Beifahrersitz, um aus dem offenen Fenster zu brüllen: „Mach, dass du auf den Radweg kommst, alter Depp!“ Das ist es, was einem das Homage hybrid rohloff/HS von Riese+Müller verleiden kann.

Hans-Heinrich Pardey Folgen:  

Szenen dieser und ähnlicher Art - Hupen, Gefuchtel, das auf den Radweg deutet, bis hin zu veritablen Verkehrsgefährdungen durch Abdrängen oder Ausbremsen - erlebt der Lenker eines schnellen Elektrorads öfter, und zwar meistens in der Stadt. Gerade dort aber hat er auf den mit dem blauen Schild für Radfahrer verpflichtend gemachten Verkehrsflächen nichts zu suchen mit seinem L1e, einem elektrischen Leichtkraftrad mit Versicherungskennzeichen. Einzige Ausnahme: wenn der Radweg oder -streifen mit einem Zusatzschild „Mofa frei“ ausdrücklich erlaubt ist. Diese Kennzeichnung kommt aber praktisch nur in den Außenbezirken der Stadt vor. Dort beginnen dann die zwischenörtlichen Radwege, die dem L1e in der Regel erlaubt sind.

Wer vernünftig ist, trägt Helm

Es ist auch richtig, dass der schnelle Elektroradler auf der Straße bleibt und nicht die Radwege benutzt. Viele von denen sind schon von Pedelecs mit einem 250-Watt-Motor, der bis 25 km/h mitarbeitet, überfordert. Und für die Radfahrer ohne Elektrounterstützung sind auf ihren Verkehrsflächen die Elektroradler ohnehin eine zunehmende - wenngleich noch nicht wirklich häufige - Plage. Das Dilemma ist, dass den wacker hupenden Verkehrserziehern hinter der Windschutzscheibe auch ein L1e, dessen Motor bis 45 km/h bis zu 500 Watt leistet, wie ein Fahrrad auf der Fahrbahn vorkommt. Schließlich tritt da jemand in die Pedale, weil sich ja sonst der Motor nicht einmischt. Dass dieses vermeintliche Fahrrad sich im städtischen Verkehr nur unwesentlich langsamer als der Autoverkehr bewegt, wird nicht realisiert - und zwar von allen Beteiligten nicht. Auch andere Radfahrer und Fußgänger unterschätzen das Tempo des noch dazu absolut leisen L1e.

21563957 Gute Wahl: Der Speedhub harmoniert mit dem Bosch-Motor © Pardey Bilderstrecke 

Locker mehr als 35 km/h - und das ohne Helm und mit hohen Hacken wie auf den Werbefotos? Wer vernünftig ist, tut das nicht, sondern er fährt mit steifem Hut. Wobei er (oder sie) Folgendes erlebt: Wer einen Helm trägt, der nicht nach Tour de France aussieht, sondern in Richtung Polo oder Highway Patrol gestylt ist - wie zum Beispiel die nicht gerade billigen, aber strikt empfehlenswerten Modelle der E.motion-Serie von Casco -, wird als Lenker eines Motorfahrzeugs besser wahrgenommen und mehr respektiert.

Das Homage hybrid rohloff/HS ist ein aus dem Fahrrad Homage von Riese+Müller weiterentwickeltes Fahrzeug. Nicht nur, weil es ein ordentliches Typenschild am Rahmen, eine amtliche Zulassung und allerlei Zutaten hat, die für diese unerlässlich gemacht wurden. Die ganze Konstruktion und Verarbeitung des Rahmens mit dem vollgefederten Fahrwerk - vorn eine Gabel von Marzocchi mit 100 Millimeter Federweg, Luftfeder, Öldämpfer und Lockout, an der Hinterradschwinge das einstellbare Federelement X-fusion Glyde R-PV mit Stahlfeder und Öldämpfung - strahlt eine den erzielbaren Geschwindigkeiten mehr als bloß entsprechende Solidität aus. Das wird natürlich auch im Gewicht von reichlich 25 Kilogramm deutlich.

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