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Unterwegs mit dem E-Bike Elektrisch durch den Alltag

 ·  Schon mal auf einem Elektrorad unterwegs gewesen? Immer noch erstaunlich viele müssen das verneinen - erst recht, wenn es um die 45 km/h schnelle Variante mit 500-Watt-Motor geht: Ein Erfahrungsbericht schildert die Praxis.

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© Hersteller Zu jung, zu schick und ungeschützt: Die Zielgruppe des Elektrorades ist eine andere, als das Foto suggeriert

Der GPS-gestützte Tacho will gerade auf 40 km/h klettern. Das ist nachmittags im Feierabendverkehr auf dieser Frankfurter Ausfallstraße ein ordentliches Kolonnentempo. Plötzlich unterschreitet von links kommend ein Wagen gefährlich den Mindestabstand zu dem Zweirad am rechten Rand, und der Autofahrer beugt sich über den Beifahrersitz, um aus dem offenen Fenster zu brüllen: „Mach, dass du auf den Radweg kommst, alter Depp!“ Das ist es, was einem das Homage hybrid rohloff/HS von Riese+Müller verleiden kann.

Szenen dieser und ähnlicher Art - Hupen, Gefuchtel, das auf den Radweg deutet, bis hin zu veritablen Verkehrsgefährdungen durch Abdrängen oder Ausbremsen - erlebt der Lenker eines schnellen Elektrorads öfter, und zwar meistens in der Stadt. Gerade dort aber hat er auf den mit dem blauen Schild für Radfahrer verpflichtend gemachten Verkehrsflächen nichts zu suchen mit seinem L1e, einem elektrischen Leichtkraftrad mit Versicherungskennzeichen. Einzige Ausnahme: wenn der Radweg oder -streifen mit einem Zusatzschild „Mofa frei“ ausdrücklich erlaubt ist. Diese Kennzeichnung kommt aber praktisch nur in den Außenbezirken der Stadt vor. Dort beginnen dann die zwischenörtlichen Radwege, die dem L1e in der Regel erlaubt sind.

Wer vernünftig ist, trägt Helm

Es ist auch richtig, dass der schnelle Elektroradler auf der Straße bleibt und nicht die Radwege benutzt. Viele von denen sind schon von Pedelecs mit einem 250-Watt-Motor, der bis 25 km/h mitarbeitet, überfordert. Und für die Radfahrer ohne Elektrounterstützung sind auf ihren Verkehrsflächen die Elektroradler ohnehin eine zunehmende - wenngleich noch nicht wirklich häufige - Plage. Das Dilemma ist, dass den wacker hupenden Verkehrserziehern hinter der Windschutzscheibe auch ein L1e, dessen Motor bis 45 km/h bis zu 500 Watt leistet, wie ein Fahrrad auf der Fahrbahn vorkommt. Schließlich tritt da jemand in die Pedale, weil sich ja sonst der Motor nicht einmischt. Dass dieses vermeintliche Fahrrad sich im städtischen Verkehr nur unwesentlich langsamer als der Autoverkehr bewegt, wird nicht realisiert - und zwar von allen Beteiligten nicht. Auch andere Radfahrer und Fußgänger unterschätzen das Tempo des noch dazu absolut leisen L1e.

Locker mehr als 35 km/h - und das ohne Helm und mit hohen Hacken wie auf den Werbefotos? Wer vernünftig ist, tut das nicht, sondern er fährt mit steifem Hut. Wobei er (oder sie) Folgendes erlebt: Wer einen Helm trägt, der nicht nach Tour de France aussieht, sondern in Richtung Polo oder Highway Patrol gestylt ist - wie zum Beispiel die nicht gerade billigen, aber strikt empfehlenswerten Modelle der E.motion-Serie von Casco -, wird als Lenker eines Motorfahrzeugs besser wahrgenommen und mehr respektiert.

Das Homage hybrid rohloff/HS ist ein aus dem Fahrrad Homage von Riese+Müller weiterentwickeltes Fahrzeug. Nicht nur, weil es ein ordentliches Typenschild am Rahmen, eine amtliche Zulassung und allerlei Zutaten hat, die für diese unerlässlich gemacht wurden. Die ganze Konstruktion und Verarbeitung des Rahmens mit dem vollgefederten Fahrwerk - vorn eine Gabel von Marzocchi mit 100 Millimeter Federweg, Luftfeder, Öldämpfer und Lockout, an der Hinterradschwinge das einstellbare Federelement X-fusion Glyde R-PV mit Stahlfeder und Öldämpfung - strahlt eine den erzielbaren Geschwindigkeiten mehr als bloß entsprechende Solidität aus. Das wird natürlich auch im Gewicht von reichlich 25 Kilogramm deutlich.

Blinker und Hupe wären gut

Aber Gewicht - wenn man sein rund 5200 Euro kostendes Elektrofahrzeug standesgemäß in der Garage parkt und nirgendwohin heben oder tragen muss - spielt eine wesentlich geringere Rolle als beim gewöhnlichen Fahrrad: Der zum pulverbeschichteten Aluminiumrahmen gehörende Gepäckträger (mit angeschraubten Taschenhaltern) verkraftet mühelos - auch einseitige - Zuladung, die man beim Fahren kaum wahrnimmt. Das Ladegerät ist klein genug, um es zwischen daheim und dem Büro jeden Tag mitzunehmen.

Sehr schnell merkt der Benutzer, dass zum Beispiel der Rückspiegel - ein ausgezeichnetes Modell von Busch und Müller, besser als an vielen Baumarkt-Rollern - nicht nur für den TÜV ein Muss ist: Bei 40 km/h auf der mehrspurigen Straße dreht man sich nicht mehr so gemütlich um wie beim sonntäglichen Fahrradausflug. Gelegentlich wird zweierlei vermisst: Eine Hupe, weil die Klingel nicht weit genug reicht, und Blinker als Fahrtrichtungsanzeiger wären gut.

Aber das alles interessiert niemanden. Was alle wissen wollen, ist: Wie weit kommt man mit dem Elektrorad? Die Frage soll hier nicht nur mit einer Kilometerzahl beantwortet werden, sondern etwas ausführlicher erörtert werden. Es kommt nämlich drauf an, und zwar auf eine ganze Reihe von Faktoren: Streckenprofil und -zustand, Fahrweise, Ampelhäufigkeit, Wetter und Zuladung, von solchen Basics wie Reifendruck und Zustand der Kette ganz zu schweigen.

Präzise Reichweiten-Anzeige

Mit dem unterstützenden Elektroantrieb verhält es sich ganz ähnlich wie mit dem Auto: Wenn ich meinen TDI mit Bleifuß über die Autobahn durch deutsche Mittelgebirge prügele, komme ich mit einer Tankfüllung auch keine 1000 Kilometer weit. Stelle ich am Bedienteil des Homage hybrid den Modus auf „Speed“ und das Unterstützungsniveau auf „3“, dann komme ich kaum 30 Kilometer weit, aber eben schön schnell. Andererseits sind mit einem vollen 288-Wattstunden-Akku (Ladezeit: auch im Schnell-Lademodus immer mehr als die versprochenen 2,5 Stunden) 65 hügelige Kilometer mit knapp 400 Höhenmeter immer möglich gewesen.

Egal, ob es nun vorwiegend über die Landstraße ging oder über holprige Landwirtschaftswege - die das Fahrwerk vorzüglich wegsteckt -, Voraussetzung war dabei stets, dass die Motorunterstützung dynamisch angepasst wurde. Das heißt: Es wurde nicht völlig auf die Motorunterstützung verzichtet, was die Reichweite - im Gegensatz zum Auto mit einem leeren Tank - ja nahezu beliebig erhöhen würde. Es ist zwar möglich, das Homage hybrid HS - auch nach Entfernen des Akkus, den man allerdings fürs Licht braucht - wie ein Fahrrad zu fahren. Doch macht das nicht wirklich Spaß. Gefahren wurde also immer mit Motorunterstützung, aber an Steigungen mit mehr und mit weniger auf ebenen Streckenabschnitten.

Dabei kalkuliert die Reichweiten-Anzeige den Energievorrat ständig neu. Sie ist vor allem auf den letzten Kilometern präzise. Wenn sie sagt, dass man noch für sechs Kilometer Saft im Akku habe, dann kann man sich darauf verlassen - wie auf das ganze Fahrzeug.

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Jahrgang 1949, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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