Home
http://www.faz.net/-gy9-76g31
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Umgang mit Trinkwasser Kaltwasser marsch

Badezimmerarmaturen wird das Sparen beigebracht. Dabei droht zumindest in Deutschland keine Wasserknappheit. Wichtiger für die Umwelt ist, das Wasser beim Gebrauch möglichst wenig zu verschmutzen.

© F1online Regenschauer: Dem Wasser wird Luft zudosiert, um auch bei geringeren Durchflussmengen das Schwallerlebnis auf hohem Komfortniveau zu halten

Müssen wir Wasser sparen? Diese Frage lässt sich so pauschal nicht beantwortet, unterscheiden sich doch die Bedingungen am Horn von Afrika vollkommen von der Situation in Deutschland. In dieser überaus emotional geführten Auseinandersetzung gibt es nur lokale Wahrheiten. Hierzulande zumindest scheint Wassersparen eine Bürgerpflicht. So wird im Kindergarten den Kleinen beigebracht, während des Zähneputzens das Wasser abzustellen. Damit lernen wir früh, dass Wasser, unser Lebensmittel Nummer 1, kostbar ist. Folgerichtig tun wir uns später schwer, dem „häuslichen Wasserwart“ die Stirn zu zeigen, wenn der akribisch darauf achtet, dass seine Mitbewohner „gestuft“ duschen: Man macht sich kurz nass, dreht dann das Wasser ab und erst zum Abseifen darf die Brause wieder geöffnet werden.

Georg Küffner Folgen:

Immerwährende Appelle und mit öffentlichen Mitteln bezuschussten (Wasser-)Sparschaltungen haben den durchschnittlichen Verbrauch in Deutschland rasant sinken lassen. Und zwar von 147 Liter (je Person und Tag) in den neunziger Jahren auf heute 121 Liter. Gleichzeitig sind die Kosten für die Verbraucher gestiegen. Das unter anderem deshalb, da die im Boden verlegten Kanalrohre unseres als „Schwemmkanalisation“ ausgelegten Abwassersystems nicht ausreichend gespült werden. Fäkalien bleiben liegen. Es bildet sich Schwefelsäure, die den Kanalrohren übel zusetzt, so dass den städtischen Wasser- und Abwasserbetrieben, speziell während der trockenen Sommermonate, nichts anders übrigbleibt, als Tausende Liter hochwertiges Trinkwasser den Hydranten zu entnehmen und damit die Kanäle freizuspülen.

Sechs Liter in der Minute sollten reichen

Wasser ist anders als Erdöl, Kohle oder Gas keine endliche Ressource. Der ewige Kreislauf aus Verdunsten, Kondensieren, dem Bilden von Wolken und dem anschließenden Abregnen sorgt dafür, dass kein Wasser verlorengeht. Alles von uns genutzte Wasser fließt früher oder später in die Kanalisation, dann in die Kläranlage und anschließend in den, wie es im Fachdeutsch heißt, Vorfluter (Bach oder Fluss), um letztlich im Meer zu landen. Damit ist nicht die Höhe des Verbrauchs die entscheidende Stellgröße für einen nachhaltigen Umgang mit der Ressource Wasser. Entscheidend ist, ob und wie stark wir das Wasser verschmutzen. Das gilt speziell auch für direkt in den Boden eingeleitetes Schmutzwasser. So überschreiten die Nitratkonzentrationen im Grundwasser in manchen Regionen Niedersachsens die Grenzwerte deutlich, da die Landwirte Gülle in großen Mengen ungeklärt auf die Felder kippen.

Abfluss in einer Duschwanne Kreislaufdenken: Benutztes Wasser sollte möglichst wenig verschmutzt werden. Das hilft der Umwelt mehr als Sparen © F1online Bilderstrecke 

Ungeachtet dieser Zusammenhänge haben EU-Bürokraten Ende 2012 in Anlehnung an die Strategie gegen stromhungrige Glühbirnen (auf der Basis der sogenannten Ökodesign-Richtlinie) erklärt, sich künftig außer über Fenster, Boiler und Stromzähler auch über „wasserbezogene Produkte“ hermachen zu wollen. Duschköpfe und Wasserhähne dürfen, wenn sich der Verordnungsgeber durchsetzen sollte, nur noch verkauft werden, wenn sie kleinste Wassermengen ausspucken. Jedem engagierten Hobbykoch schwant bei dieser Ankündigung Böses, muss er mit einer obligatorischen Spar-Armatur an seinem Spülbecken ewig warten, bis sich sein Spaghetti-Topf mit Wasser gefüllt hat.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Badeofen im Test Selbsthilfe für Warmduscher

Warmes Wasser ist ein Luxus und funktioniert problemlos, wenn man an die öffentliche Wasser- und Stromversorgung angeschlossen ist. Fehlt beides, muss man dennoch nicht aufs Warmduschen verzichten. Ein Selbstversuch. Mehr Von Georg Küffner

26.06.2015, 09:14 Uhr | Technik-Motor
Nikichino in der Ostukraine Acht Dorfbewohner trotzen der Verwüstung

Auch wenn seit dem 12. Februar das Abkommen von Minsk gilt: Die Kämpfe zwischen pro-russischen Separatisten und der Armee haben im Osten der Ukraine eine Spur der Verwüstung hinterlassen. In der Ortschaft Nikichino steht fast kein Stein mehr auf dem anderen, nur acht Einwohner sind geblieben. Wer geflohen ist, will zurückkehren und das Dorf wieder aufbauen. Doch bisher gibt es weder Wasser, noch Gas und Strom. Mehr

15.03.2015, 09:14 Uhr | Gesellschaft
Abkochgebot gelockert Eschborner Wasser noch nicht überall trinkbar

Auch eine Woche nach dem Auftreten von Coli-Bakterien im Trinkwasser von Eschborn müssen viele Haushalte weiter das Wasser abkochen. Immerhin wurde das Abkochgebot weiter gelockert. Mehr

30.06.2015, 20:19 Uhr | Rhein-Main
Gestohlene Wasserhähne Watergate beim BND?

Auf der Baustelle des neuen Gebäudes in Berlin kam es offenbar wegen Diebstahls zu erheblichen Wasserschäden. Mehr

05.03.2015, 16:56 Uhr | Gesellschaft
Suchmaschinen-Fasten Ohne Google

Kann man ohne Google leben? Die Suchmaschine ist so allgegenwärtig und wie unauffällig. Unsere Autorin hat eine googlefreie Woche hinter sich. Mehr Von Inge Kloepfer

06.07.2015, 11:00 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 15.02.2013, 16:00 Uhr

Europa schafft ab

Von Michael Spehr

Mit der Abschaffung der Netzneutralität in Europa wird es jetzt ernst. Diese Grundfrage wird jedoch in der Öffentlichkeit wie gehabt weder gestellt noch diskutiert. Mehr 14

Hinweis
Die Redaktion