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Uhren Automarken im Zeichen der Zeit

02.04.2009 ·  Wenn sich Autos und Uhren verbinden: Design, Präzision und Prestige könnten einander zum Wohle des Fahrers und Trägers ergänzen. Doch nicht immer entsteht daraus ein schönes, schnelles Leben.

Von Gerd Gregor Feth
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Audi feiert 100. Geburtstag und tut das mit einer Armbanduhr. Kein billiger Werbeartikel, ein wahrer Luxuschronometer namens „Tachoscope“. Die Münchner Uhrmacherei Chronoswiss steuert ein Manufakturwerk bei, Audi-Designerin Pia von Braun kümmert sich um das Gehäuse aus Platin oder Weißgold und das silberne Email-Zifferblatt; die Typographie orientiert sich am Tourenzähler im Grand-Prix-Rennwagen Typ C und D von der Auto-Union - den „Silberpfeilen“ aus den dreißiger Jahren. Das Gesicht der Uhr ist signiert mit dem Chronoswiss-Emblem, Audi versteckt sich hinter vier Ringen. Zum Preis der Variante in Platin von 24 900 Euro gäbe es fast schon einen schmucken Audi auf vier Rädern: das A3-Cabrio 1.6.

Billige Quarzuhren mit Namen und Zeichen von Automarken gibt es schon lange, doch waren sie für verhältnismäßig kleines Geld oder gar als Werbegeschenk zu bekommen. Doch immer mehr feinmechanische Wunderwerke tragen Traumauto-Marken. Diese etwas ungewöhnlichen Ehen, die Marketingexperten gerne als „Co-Branding“ bezeichnen, sollen mehr sein als nettes Beiwerk: teure Autos zu teuren Uhren.

Breitling verbaut Uhrwerke des Großserienherstellers Eta

Meistens beschränkt man sich auf den Schriftzug, kleine, exklusive Automobilmarken wie Bentley nutzen eine breiter aufgestellte Uhrenmarke wie Breitling, um bekannter zu werden. Vor allem wenn, wie Anfang 2000 mit Bentleys Continental-Serie, eine neue Käuferschicht gewonnen werden sollte. Bentley steht für ultimativen automobilen Luxus und Individualität, Breitling aber ist immer noch keine Uhren-Manufaktur. Trotzdem käme kaum jemand auf die Idee, dass ein Continental GT kein wirklicher Bentley sei, nur weil er hauptsächlich aus Teilen von Volkswagen zusammengesetzt wird. Breitling verbaut Uhrwerke des Großserienherstellers Eta. So gesehen, harmonieren Uhr und Auto ganz gut: Breitling steht mittlerweile zusammen mit Bentley für mehr Uhrenprestige.

Ein derartiger Erfolg spricht sich herum in der kleinen Branche der feinen Chronometer. So glänzt die Traditionsmanufaktur Jaeger-LeCoultre mit phantasievoller Werbelyrik, um mit der englischen Sportikone Aston Martin „eine Brücke (zu) schlagen zwischen hoher Uhrmacherkunst und der edlen Mechanik von Luxuswagen“. Als Einzige hat die Uhr zum Auto sogar eine technische Verbindung: Die Amvox2 DBS trägt einen Transponder, mit dem der Aston Martin DBS („key less“) zu öffnen und zu starten ist.

Für den 1001-PS-Wagen eine kleine, eigenwillig aussehende Uhr

Bugatti hatte bereits 2002 die Verbindung zum Schweizer Uhrmacher Michel Parmigiani aus Fleurier gefunden. Der entwickelte für den einzigartigen 1001-PS-Wagen eine kleine, eigenwillig aussehende Uhr mit einem eigens quergestellten Uhrwerk. Man kann die Uhr ablesen, ohne die Hand vom Lenkrad zu nehmen. Es fanden immerhin rund 150 Exemplare der 193 300 Euro teuren Zeitmesser den Weg an die Handgelenke.

Manchmal soll das attraktive Etikett einer Automarke einem Uhrentyp zusätzlich helfen: Die Uhrenmanufaktur Audemars Piguet aus Le Brassus lädt ihr quer-oval gestaltetes Modell Millenary mit Maserati auf und erhofft sich so Zugang zu Liebhabern der Marke.

Selten werden hochkomplizierte Uhren mit Autonamen veredelt. Maybach ist eine Ausnahme. Weil ein Tourbillon - ein winziger Stahlkäfig dreht die Unruh einmal in der Minute um die eigene Achse - zu den höchsten uhrmacherischen Komplikationen zählt, offeriert Daimler als Hersteller der Prestigelimousine Maybach eine entsprechende Armbanduhr zum Preis von 112 000 Euro. Jede einzelne fertigt Wilhelm Rieber, ein besessen-genialer Uhrmacher von der Schwäbischen Alb, selbst von Hand. Er verkaufte bislang nicht einmal zwölf davon, so dass Riebers feinmechanische Wunderwerke noch seltener am Arm zu finden sind als Maybach-Karossen auf den Straßen.

Traumallianz Panerai und Ferrari

Wenigen gelungenen Kooperationen steht eine Reihe Misserfolge gegenüber. So ist der Traumallianz Panerai und Ferrari genauso wenig Glück beschieden wie der Mesalliance zwischen Mercedes-Benz und dem vor allem im Ausland unbekannten Uhrenhersteller Mühle & Sohn aus Glashütte. Nach einer Pleite und einem Neuanfang sagt der Seniorchef Hans-Jürgen Mühle: „Wir würden es bestimmt nicht mehr machen.“

Solche Erfahrungen schrecken offenbar nicht ab. Lamborghini hat kürzlich bekanntgegeben, dass man Blancpain - einer feinen Marke aus der Swatch Group - das Titelsponsoring im Markenpokal „Super Trofeo“ übertragen hat. Nun ist es um Blancpain in der letzten Zeit etwas ruhig geworden, so dass sie jetzt vom aggressiven Sportwagen wachgeküsst werden will. Darauf hofft wohl auch die Marke Oris für ihre eher preisgünstigen Luxusuhren, die als Autopartner Ruf Automobile aus dem bayerischen Pfaffenhausen erwählt hat. Und Hublot, der uhrmacherische Senkrechtstarter, hat sich vor Jahren breitschlagen lassen, dieses Jahr zum 100. Geburtstag des englischen Morgan-Roadsters eine Sonderserie aufzulegen. Es soll die einzige bleiben, sagt man bei Hublot.

Schließlich machte Porsche Design damals IWC erst wirklich bekannt

TAG-Heuer verziert einige seiner Chronographen mit dem Schriftzug Mercedes-Benz-SLR-McLaren, denen Uhrenhändler zumindest in Mitteleuropa kaum nachhaltigen Erfolg attestieren. Ebenso hat IWC Schaffhausen seine längere Markenverbindung zu AMG auslaufen lassen. Gerne erinnert man sich bei IWC daran, dass von 1977 bis 1997 eine kongeniale Zusammenarbeit mit Porsche Design bestand. Schließlich machte Porsche Design damals IWC erst wirklich bekannt. Darauf hofft jetzt die noch reichlich unbekannte Rolex-Schwestermarke Tudor mit einer kürzlich geschlossenen Liaison zu Porsche Motorsport.

Mitte der siebziger Jahre, als die Authentizität bei feinen Uhren von ihren Liebhabern noch nicht so kritisch beäugt wurde, hatte es ein damals schon nicht ganz unbekannter Gestalter namens Ferdinand Alexander Porsche mit seiner allerersten schwarzen Armbanduhr noch leicht, eine - freilich unausgesprochene - Verbindung zum Zuffenhausener Sportwagen herzustellen. Er hatte einst den Porsche Typ 911 geschaffen, der häufig in Schwarz herumgeführt wurde.

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