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Tech-Talk Identifikation der Dinge

04.09.2006 ·  Der RFID-Chip hat sich in unsere Welt geschlichen, ohne daß wir etwas bemerkt haben. Leise und zielgerichtet haben die winzigen Transponder Verpackungen aller Art infiziert. Selbst in der Mülltonne liegend senden sie noch wichtige Informationen. Der neue Tech-Talk.

Von Raymond Wiseman
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RFID ist für die Tonne. Darin sind sich Gegner und Befürworter der kontaktlosen Datenträger einig. Die einen würden gerne alle Transponder in den Müll befördern, die anderen den Abfallbehälter per Radiofrequenz identifizieren. Tonnendeckel mit Transponderchips und der Ramsch der Welt: Gewogen und nie zu leicht befunden. Das Verursacherprinzip zählt. Volle Tonne, volle Leistung, volle Kosten. So simpel ist Gerechtigkeit in der Wegwerfgesellschaft. Und das Sicherheitsschloß am Müllbehälter schützt uns davor, für fremden Schrott zu blechen. Wer zahlt, schafft ab.

Müllanalyse statt Volkszählung

Wer zahlt, schafft an. RFID-Verpackungen lassen sich durch Kassen scannen und erkennen. Ließe sich so nicht auch kontrollieren, ob die Mülltrennung funktioniert und wer was in welchem Stadtteil verbraucht (selbstverständlich anonymisiert und rein statistisch)? Zeige deinen Müll, und ich sage, wo du wohnst. Da kommen Professor Unrat Ideen der Weiterverwertung: Aus dem wöchentlichen Gerümpel ließen sich Größe des Haushalts, Alter der Familienmitglieder, ja auch Herkunft, Religion, Einkommen und Lebensstandard hochrechnen. Müllanalyse könnte uns die neuerliche Volkszählung ersparen.

Hilfe für Blinde

Wer jedoch über eigenen Schrott hinausdenkt, kann mit RFID auch Lebensqualität steigern. Davon konnten wir uns beim Imagine Cup überzeugen, Microsofts jährlichen Technikwettbewerb mit mehr als 65.000 studentischen Teilnehmern aus 100 Ländern. Das brasilianische Team machte den zweiten Platz mit einem virtuellen Auge für blinde Mitmenschen. Per RFID und Spracherkennung erfährt der Blinde, dem zwei Vibrationsarmbänder mit GPS die Richtung weisen, wonach er greift und wo er steht. Produkte und Preise im Supermarkt, Etagen und Zimmernummern in Behörden, Straßennamen und Fahrpläne im Verkehr - alles gewinnt Stimme. So wären Transponder angesagt. Solange aber für den Prototyp die Infrastruktur fehlt, wird schon die nächste Tonne zur Stolperfalle.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 03.09.2006, Nr. 35 / Seite V12
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