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Veröffentlicht: 24.11.2015, 16:00 Uhr

Surfen ohne Meer Reiten auf der Dauerwelle

Surfen ist beliebt, doch fehlen oft Strand und Wellen. Die aber lassen sich in einem künstlichen See erzeugen. Hier können sich auch Amateure versuchen.

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© AFP, Deutsche Welle Die perfekte Welle – auf Knopfdruck

Wer sich schon einmal die Frage gestellt hat, ob man auf einer Erfolgswelle nicht nur schwimmen, sondern auch reiten kann, findet die Antwort vielleicht in Wales. In Dolgarrog ist jetzt eine künstliche Welle in die Winterpause gegangen, die im August den Betrieb aufgenommen hatte und seitdem die Surfer anzieht. Es ist die Erste ihrer Art, weitere werden folgen, denn das noch junge Unternehmen Wavegarden aus San Sebastián berichtet von vielen Anfragen. Das Besondere daran: Die Welle wird von einem am Stahlseil gezogenen Unterwasserpflug erzeugt.

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Das komme der natürlichen Welle an der Küste am nächsten, erklärt Karin Frisch, die zusammen mit ihrem Ehemann Josema Odriozola – er hat’s erfunden – das Unternehmen führt. Der Markt sei groß, die Zahl der aktiven Surfer auf der ganzen Welt wird auf 20 bis 30 Millionen geschätzt. Aber nicht immer sind die Bedingungen ideal, der Strand ist oft weit, Wetter und Wellen müssen passen. An den guten Stellen und zu guten Zeiten drängen sich dann die Sportler – oder die Wellen und das Klima sind zwar ideal, aber Haie und Quallen vermiesen ihnen den Spaß.

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Bestehende Angebote für Surfer, die nicht auf den nächsten Urlaub am Meer warten wollen, bestünden entweder aus einer stehenden Welle oder aus einer hohen, die wie in einem Wellenbad erzeugt wird, gewaltig startet und dann rasch ausläuft. „Wir sind die Einzigen, die eine fortlaufende Welle erzeugen“, sagt Frisch. Diese bewegt sich mit etwa 6,5 Meter in der Sekunde voran und bietet dem Surfer in der Waliser Lagune Gelegenheit, 17 bis 20 Sekunden lang auf ihr zu reiten.

19 Millionen Euro für die künstliche Welle

Den Pflug, der das Wasser in Bewegung bringt, nennt der Hersteller Wavefoil. Sobald er das Ende seiner Strecke erreicht hat, kehrt er um und schlägt in Gegenrichtung seine Welle. Der Wavefoil ähnelt einer Flugzeugtragfläche, seine Form und die des Bodens, der einem Riff nachempfunden ist, waren Gegenstand einer zehn Jahre langen Tüftelei in der Versuchsanlage in Spanien. Die Anlage verbrauche wesentlich weniger Energie als andere Systeme, sagt Frisch.

37336614 © Herrsteller Vergrößern Abgehoben: Die künstlich erzeugte Welle ist in der Nähe des Stegs fast zwei Meter hoch, das Gitter schützt die Wassersportler vor der Antriebsmechanik.

Der in Wales verbaute Wavefoil arbeitet inmitten einer 320 Meter langen und etwas mehr als hundert Meter breiten künstlichen Lagune. Über ihm verläuft ein fünf Meter breiter Steg. Direkt daneben ist die Welle am höchsten – dort gibt es sogar Wassertunnel für die Könner. 190 Zentimeter werden in der aktuellen Ausführung erreicht. Durch entsprechende Ansteuerung und die Gestaltung des Bodens kann die Konformität unterbrochen werden. „Die Welle schließt“, erklärt Frisch, die Surfer können dann Sprungmanöver ausführen. Die mannshohe Welle nahe dem Steg ist der Bereich der Experten. Daneben surfen die Fortgeschrittenen, und in einer für Anfänger geeigneten Höhe läuft sie aus. Insgesamt 52 Wassersportler tummeln sich gleichzeitig, aber in mehreren Gruppen, in der Lagune.

Sie zahlen für die Stunde zwischen 25 (Anfänger) und 50Euro (Experten) und können in dieser Zeit 15 bis 17 Wellen mitnehmen – wenn sie nicht ins Wasser fallen. Die Nachfrage ist hoch, erklärt Frisch, die Anlage sei seit Eröffnung zu 95 Prozent ausgelastet. 19 Millionen Euro wurden investiert, davon etwa 5 Millionen in die Technik. Der Rest ist Infrastruktur mit Restaurant, Surfschule und Übernachtungsmöglichkeit.

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Von Lukas Weber

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