30.12.2008 · Im Tiroler Wintersportort Brixen befördert der erste Solarlift der Welt Skifahrer nach oben. Auf rund 140 Quadratmetern verkleiden 108 Solarmodule die Fassade der Halle. Es ist aber keine Seilbahn, sondern nur ein kleiner Schlepplift.
Von Gerd Gregor FethEigentlich wollte er nur die Fassade seiner neuen Bergbahn mit etwas Sinnvollem schmücken, erzählt Johann Haselsberger, Vorstand der Bergbahn im Tiroler Brixen. Die Halle, in der nachts die 96 Kabinen garagiert werden, ist oberhalb des Parkplatzes und zeigt genau in Richtung Süden. Da lag es nahe, diese riesige Betonwand von rund 140 Quadratmeter mit 108 Solarmodulen zu verkleiden, um elektrischen Strom zu erzeugen und ihn ins Netz des regionalen Stromversorgers einzuspeisen. In Österreich sei das aber kein Geschäft, klagt Haselsberger, denn es gebe dort - anders als in Deutschland - keine nennenswerte Förderung für diese Art der Stromerzeugung. So könne er rund 12.000 Kilowattstunden (kW/h) im Jahr herstellen, die ihm vom Energieversorger zu 0,07 Euro kW/h vergolten werden (in Deutschland werden rund 0,50 Euro bezahlt). Das erscheint wenig rentabel, angesichts der Investition für die Solaranlage von rund 70.000 Euro.
Doch in Brixen wird etwas anders gerechnet. Mit dem Sonnenstrom werden tatsächlich der „Sonnenlift“ und ein kurzes Förderband für Skifahrer betrieben. Beide Anlagen begnügen sich mit Dreiviertel der erzeugten Solarenergie; der Rest wird dem E-Werk belassen. „Wir brauchten eine staatliche Förderung dieser Energiequelle“, reklamiert Haselsberger. Ob eine Unterstützung ihm helfen könnte, vielleicht einmal seine Bergbahn allein mit Solarstrom zu betreiben, erscheint mehr als zweifelhaft: Die Kabinenbahn hat eine Antriebsleistung von 1,1 Megawatt (MW). Und das jetzt auf einer Fläche von 140 Quadratmeter installierte Solarpanel bringt es auf eine Spitzenleistung von 14,47 Kilowatt bei vollem Sonnenschein. Um die Bergbahn zu bewegen, müsste die Solarfläche 786mal größer sein - 11 Hektar.
„Erster Solarlift der Welt“
Der Seilbahnunternehmer Haselsberger weiß natürlich, dass das unrealistisch ist, es geht ihm aber eigentlich nur um die Botschaft: „Erster Solarlift der Welt.“ Dass solch geschickte Öffentlichkeitsarbeit wirkt, zeigte sich bereits vor der Eröffnung. In zahlreichen österreichischen Zeitungen und Fernsehstationen ist genau vom Solarlift die Rede. Und gezeigt wird meistens die Talstation der Bergbahn. „Diese Resonanz haben wir so nicht erwartet“, berichtet Rudi Köck von der Bergbahn. Zwar wird in Deutschland am Arber, bei der Fellhornbahn in Oberstdorf und auch bei den Garmischer Bergbahnen längst auch Solartechnik zur Stromerzeugung eingesetzt, doch treibt sie nun mal keine Bahn an.
So dürfen die Österreicher mit einem gewissen Recht behaupten, in Brixen eine Weltneuheit geschaffen zu haben. Letzte Woche berichtete sogar die landesweite französische TF1 in ihren Abendnachrichten davon, vorher informierte bereits die italienische Rai Uno. Sie zeigten freilich weniger den „Babylift“ mit dem schlappen Schleppseil, der die Skifahrer nach der Abfahrt das letzte Stück zur Talstation zieht. Sie filmten die Bergbahn mit dem in der Sonne glitzernde Solarpanel.
In der Stunde bis zu 2200 Skifahrer
Die Achterkabinenbahn wird in dieser Saison eröffnet und verbindet die mit 278 Pistenkilometer größte „Ski-Welt“ Wilder Kaiser-Brixental und das Skigebiet Kitzbühel-Kirchberg. Sie kann in der Stunde bis zu 2200 Skifahrer in Kabinen gut 1000 Höhenmeter noch oben zur Choralpe fördern, von wo sich eine 5,2 Kilometer lange Abfahrt ins Tal zieht. Und natürlich ist auch diese teils neu angelegte Abfahrt mechanisch beschneibar. Beides - Seilbahn und die Schneeanlagen - kostet nicht wenig elektrische Energie.
Da ist es durchaus hilfreich, einen neuen Weg der Energieerzeugung aufzuzeigen. „Das könnte ein Anfang sein“, sagt der Geschäftsführer des örtlichen Tourismusverbands, Max Salcher. Vielleicht schielt er sogar auf den Öko-Touristen, der sich damit beruhigen könnte, dass die Solartechnik so weit gediehen ist, genügend Strom zu erzeugen, damit die Skifahrer wieder auf den Berg gebracht werden können? Manch einer könnte vielleicht schon davon träumen, dass ein tagsüber vielleicht über Bedarf erzeugter Sonnenstrom für die Pistenbeschneiung nachts gespeichert werden könnte. Aber niemand wird in den Alpen zum Betrieb einer einzigen Bergbahn 11 Hektar mit Photovoltaikanlagen zupflastern - aus finanziellen und aus Gründen des Landschaftsschutzes. Tatsache ist, dass die jetzt installierte Anlage gerade mal so viel elektrische Energie herstellt, wie vier Haushalte benötigen.
Oeko PR Massnahme
Horst Trummler (Vandale6906)
- 31.12.2008, 00:21 Uhr
Netter Werbegag zu Lasten der Steuerzahler
norbert doerre (ndoerre)
- 31.12.2008, 01:35 Uhr
bitte bedenken, liebe vorposter
Martin Puntzigau (rockschock)
- 31.12.2008, 10:40 Uhr
Immer noch nicht ganz richtig
Andreas Neyen (Grundrechenarten)
- 31.12.2008, 11:53 Uhr
Bin ich schon beschwipst?
O. Dietl (Papabama)
- 31.12.2008, 20:02 Uhr