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Solarenergie High-Tech in puristischer Form

Energieverbrauch adieu: Das Solarhaus der Technischen Universität Darmstadt produziert mehr Energie, als es benötigt und wurde nun in Washington dafür ausgezeichnet. Das Erfolgsrezept: Lamellen und Solarkollektoren.

© AP Vergrößern Lamellen halten die Hitze draußen, Solarzellen ernten Strom

Das Haus erfüllt höchste Ansprüche: Anders als die bereits realisierten Passivhäuser (sie begnügen sich mit einem Heizwärmebedarf von 15 Kilowattstunden je Quadratmeter und Jahr) ist das von Studenten der Technischen Universität Darmstadt konzipierte 75-Quadratmeter-Solarhaus in der Lage, mehr Energie einzufahren, als zur Klimatisierung, zur Warmwasserzeugung, zum Kochen und zum Kühlen benötigt wird. Es produziert einen Energieüberschuss. Je effektiver diese Aufgabe gelöst wurde und je überzeugender ästhetische Gesichtspunkte bei Form und Materialwahl dabei berücksichtigt wurden, desto größer waren die Chancen, bei dem vom amerikanischen Energieministerium ausgeschriebenen Wettbewerb „Solar Decathlon“ gut abzuschneiden.

Georg Küffner Folgen:  

Das ist dem Darmstädter Team aus Architekten, Bauingenieuren und Elektrotechnikern gelungen. Bei dem am vergangenen Freitag in Washington in unmittelbarer Nähe zum Weißen Haus zu Ende gegangenen Wettkampf hat es in der Kategorie „funktional und ästhetisch best gelungenes Haus“ unter 20 Mitbewerbern den ersten Platz belegt. Diese Auszeichnung kam nicht ganz unerwartet, hat man doch kein unbewohnbares Forschungshaus aufgebaut, sondern ein attraktives Hightech-Heim, das aufgrund einer modularen Konzeption aus Elementen besteht, die in Serie gebaut und an beliebigen Standorten zusammengesetzt werden könnte. Das Siegerhaus ist innen von einer kaum zu übertreffenden Schlichtheit.

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Möbel werden im Fußboden verstaut

Es ist für zwei Personen ausgelegt und relativ klein, aber dank eines doppelten Bodens können bestimmte Möbel komplett unter dem Fußboden verstaut werden, etwa das Bett, das tagsüber abgedeckt werden kann. Der in der Mitte als „Kern“ und damit statisch wichtig angeordnete Küchen- und Badezimmerblock ist ebenfalls bedingt flexibel. Beide Räume können durch Klapptüren oder einen Klapptisch vergrößert werden. Das an ein japanisches Teehaus erinnernde Solarhaus verfolgt nicht wie das Gros der Mitbewerbermodelle vorrangig das Ziel, über Photovoltaik und Solarkollektoren möglichst viel Energie zu erzeugen, sondern den Energiebedarf des Hauses von vornherein so gering wie möglich zu halten. Gute Dienste leisten dazu die mit Photovoltaikelementen versehenen (beweglichen) Lamellenelemente der Außenhülle, die nicht nur der Stromversorgung dienen, sondern auch als Sonnenschutz und in kühlen Nächten eine natürliche Lüftung ermöglichen.

Solar Haus der TU Darmstadt 2 © AP Vergrößern Großer Andrang bei der Hausbesichtigung

Um die über 24 Stunden geforderte gleichbleibend hohe Raumtemperatur von 22 Grad zu erreichen, wurde das Solarhaus gründlich gedämmt. Man verwendete dazu zwei auf Abstand montierte Vakuumpanele, die sich durch besonders hohe Dämmwirkung auszeichnen. Sie sind drei Zentimeter dick, bringen es aber auf den Isolationswert (jeweils) von 30 Zentimeter konventionellem Dämmmaterial. Für ein ausgeglichenes Raumklima wichtig sind die auf Innenwände und Decke aufgebrachten Gipsplatten, in die kleinste Paraffinkügelchen eingearbeitet sind. Sie haben eine sehr große Wärmespeicherfähigkeit, da sie als Phase Change Material (PCM) die beim Übergang vom flüssigen in den festen Zustand frei werdende Latentwärme nutzen können: Tagsüber lädt sich das Material auf und gibt die Wärme in den kühleren Abendstunden wieder ab.

Fensterflächen in Richtung Süden

Für das Heizen ist in erster Linie die Sonne zuständig. Dazu muss das Haus mit den großen Fensterflächen nach Süden ausgerichtet werden. Reicht die so „natürlich“ zu deckende Heizwärme nicht, springt eine Luft-Luft-Wärmepumpe an. Betrieben wird sie mit Photovoltaikstrom. Die deckt auch die bei der Warmwassererzeugung auftretenden Lastspitzen ab. Ein Wärmetauscher sorgt dafür, dass der Energieinhalt verbrauchter Luft an die einströmende Frischluft übertragen wird.

Damit die komplexe Haustechnik im Solarhaus für die Bewohner überschaubar bleibt, hat man sämtliche Steuerungen zu einem System zusammengeschaltet. Der Blick auf einen einzigen Monitor reicht daher, um sich über den aktuellen Zustand des 540.000 Euro teuren Hauses zu informieren. Die TU-Mannschaft hofft, bei größeren Stückzahlen die Kosten auf 250.000 Euro drücken zu können.

Quelle: F.A.Z., 23.10.2007, Nr. 246 / Seite T6

 
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Veröffentlicht: 25.10.2007, 14:21 Uhr

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Von Michael Spehr

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