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Veröffentlicht: 04.10.2016, 17:35 Uhr

Sicheres Schneiden Messer in Kinderhand

Manche Eltern graust es, wenn Kinder mit Messern hantieren. Muss es aber nicht, wie ein Blick auf besondere Kindermesser mit eingebautem Schutz zeigt.

von
© Pardey Klingen von Opinel: Der Klassiker oben, das Schmiermesser unten und dazwischen Le petit Chef, das Kinderkochmesser mit Schutz

In einer Gesellschaft, in der das Statussymbol Auto allmählich von den Statussymbolen Fahrrad und Luxusküche abgelöst wird, möchten immer mehr Kinder mittun. Während sich im Fond angeschnallt mit Benjamin Blümchen zu langweilen vergleichsweise risikoarm war, ist es das weder auf den eigenen zwei Rädern noch schnippelnd am Herd. Hier wird nun aber nicht wieder für den Fahrradhelm im Babyalter votiert, wohl aber für Küchengerät, mit dem Kinder helfend tüchtig sein können - was in gewissen Altersgruppen das Größte für die Kleinen ist.

Hans-Heinrich Pardey Folgen:

Bei dem Namen Opinel denken viele bloß an das überaus simple Klappmesser aus Savoyen mit dem Holzgriff, dem Feststellring und der ratzfatzscharfen und schnitthaltigen Karbonstahl-Klinge (im Bild oben). Auf der ist das traditionsreiche Markenzeichen eingeschlagen: „La main couronnée“, die Hand mit der Krone darüber. Tatsächlich ist Opinel schon längst viel breiter aufgestellt: Zum Sortiment gehören nicht nur Messer mit Inox-Klinge aus rostträgem Edelstahl und solche mit schmalen, spitzen, sehr französisch wirkenden und - nicht nur - für Angler, etwa beim Filetieren sehr praktisch schlank-biegsamen Klingen, sondern genauso Küchenmesser mit Holz- oder Kunststoffgriff bis hin zum fast löffelartig abgerundeten Metall eines Schmiermessers (im Bild unten). Das ist, was der Volksmund Marmeladen- oder noch treffender Nutella-Messer nennt.

Zielgruppe: risikobereite Eltern

Und wenn so eins bei Opinel einen Holzgriff hat, dann kann der nicht nur naturbelassen, sondern frühstücksfröhlich farbig sein. Es werden aber als Griffmaterial längst nicht mehr nur einfaches und edleres Holz und Kunststoffe von den Savoyarden verarbeitet. Da wären zu erwähnen hinreißende Opinels, zum Beispiel mit einem Heft - das ist der Griff - aus poliertem Horn.

Messer für Kinder gibt es viel mehr, als ängstliche Helikopter-Eltern meinen. Der Verfasser musste als Kind noch mit einem spitzen Erwachsenen-Ding lernen, wie man sich einen Stecken schnitzt. Und geradezu dramatisch, fürs ganze Leben prägend war das Erlebnis im Bekanntenkreis, wie es ist, wenn so etwas schiefgeht. Heute gibt es für Kinder für um die 15 Euro nicht nur „My first Victorinox“ mit entschärfter Klingenspitze, aber einer Säge, an der man sich ordentlich weh tun kann. Es gibt beispielsweise auch für knapp 40 Euro und mit dem Segen von niemand Geringerem als Tim Mälzer ein Kochmesser für Kinder, die in der Küche quengeln: „Die Pommes will ich schnippeln.“ Genau auf diese Zielgruppe, noch etwas genauer gesagt, auf ihre risikobereiten Eltern ist auch das „Le petit Chef“ von Opinel ausgerichtet.

42696553 Rundes Messer, scharfe Zähne: das „My first Victorinox“ für Kinder © PHOTOPRESS/Victorinox Bilderstrecke 

Klinge in Santoku-Form

Bei der Küchenarbeit sticht man sich bei Unfällen meist nicht, sondern man schneidet sich in der Regel in die Hand, die das Lebensmittel hält. Böse, böse so ein Schnitt in Fingerkuppen oder noch schlimmer quer über die nicht richtig weggebogenen Fingernägel der haltenden Hand. Genau deshalb kommt das „Tim Mälzer Junior“, ein Messer mit einer gezahnten Klinge in Santoku-Form, also einem zur Spitze hin nach unten zur Schneide abgerundeten Rücken, mit einem „Finger Protector“. So einen hat auch der kleine Küchenmeister von Opinel: Zeige- und Mittelfinger kommen in die zwei rückwärtigen Schlaufen des Kunststoff-Schutzes. Und der gibt der die Pommes oder die Petersilie haltenden Hand automatisch die Form jener Kralle, die den gelernten Koch vom gefährdeten Amateur beim Schneiden und Hacken unterscheidet.

Sicherheit auch bei begeistertem Hantieren

Auch Opinels Kinder-Kochmesser hat eine, allerdings markentypisch glatte und sehr wohl scharfe Klinge aus Inox-Stahl in Santoku-Form. Entscheidender, weil in der praktischen Erprobung mit der Enkelgeneration überzeugend ist der rote Ring zwischen Schneide und Heft. Drillt man das Kind darauf, dass durch diesen Ring der Zeigefinger der Messerhand zu stecken sei, ist ein Vorrutschen der kleinen Hand auf die Schneide auch bei begeistertem Hantieren besser als bei jedem anderen Griffschutz völlig ausgeschlossen.

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