11.07.2009 · Es gibt Geräte, die hatten wir uns schon lange gewünscht. Zu dieser Kategorie gehört der Pulse Smartpen. Er macht Schluss mit Erinnerungslücken bei handschriftlichen Notizen. Mit dem Stift kann man auch Sprache aufnehmen.
Von Raymond WisemanDer Smartpen ist eine Idee des amerikanischen Unternehmens Livescribe, das im Netz unter www.livescribe.com zu finden ist. Auf den ersten Blick handelt es sich um einen etwas überdimensionierten Kugelschreiber. Doch er kann viel mehr: Während wir mit ihm Notizen machen, nimmt er auf, was geredet wird, synchronisiert das geschriebene mit dem gesprochenen Wort und speichert alles ab. Auf diesen Mitschnitt von Schrift und Ton kann dann direkt wieder zugegriffen werden: Wenn eine Notiz auf dem Papier angetippt wird, spielt der Smartpen ab, was an dieser Stelle gesprochen wurde. So genügt es, sich während Vorträgen und Gesprächen einfach Stichwörter zu notieren, um im Nachhinein sich noch einmal den Wortlaut der vermerkten Passage zu Ohren zu bringen.
Die Kombination der Schrift auf echtem Papier mit digital gespeichertem Ton lässt sich über die USB-Dockingstation des Smartpen auf den PC übertragen. Hier wird es im Livescribe Desktop abgelegt, so dass wir auch später immer wieder anhand unserer Notizen nachhören können, was gesprochen wurde. Die Qualität ist hierbei überzeugend. Ob direkt vom Papier – was uns unabhängig vom Computer macht – oder später am heimischen PC: Die Wiedergabe relevanter Aussagen einfach mit einem Tipp oder einem Mausklick auf die entsprechende Notiz abzurufen, befreit von der wörtlichen Mitschrift und dem sequentiellen Abhören gesprochener Texte. Ohne Spulen lässt sich über die schriftliche Aufzeichnung in der Aufnahme vor- und zurückspringen. Und statt vieler Worte kann manche Aussage einfach durch eine rasche Graphik skizziert werden, die beispielsweise die mündliche Auslegung begleitete.
Hochwertig graublaues Aluminiumgehäuse
Der Smartpen wartet mit kompakter Technik im hochwertig graublauen Aluminiumgehäuse auf, dessen Größe (155 Millimeter lang, durchschnittlich 15 Millimeter dick) etwa einem Boardmarker entspricht. Zwei Monomikrofone mit Rauschunterdrückung und ein Minilautsprecher sorgen für die Tonaufnahme und -wiedergabe. Über die 2,5-Millimeter-Klinkenbuchse am hinteren Ende des Pulse kann stattdessen auch das mitgelieferte Headset verbunden werden, das Aufnahme und Wiedergabe im Stereo-Raumklang ermöglicht. Gerade bei Diskussionen in größerer Runde lassen sich so die Redebeiträge besser orten und verstehen.
Die Aufzeichnung der Schrift erfolgt über eine Infrarotkamera (mehr als 70 Bilder je Sekunde), die sich hinter der – leider nicht versenkbaren – Schreibmine befindet. Voraussetzung für den Handschrift-Scan ist ein spezielles Papier, das durch den aufgedruckten Mikropunktcode graustichig wirkt. Diese Technik, entwickelt von der schwedischen Firma Anoto, kommt auch bei Digitalstiften anderer Hersteller zum Einsatz.
Allerdings ist deren Papier nicht kompatibel zum Microdot-Papier, das Livescribe in verschiedenen Formaten als gebundenes Notizbuch oder als Spiralblock vertreibt und in Deutschland beim Internethändler Unimall zu erhalten ist. Billiger kommen Besitzer eines Postscript-kompatiblen Druckers ans Spezialpapier: Über die Livescribe-Desktop-Software druckten wir uns Schreibblätter im DIN-A4-Format kostengünstig selbst aus, mit dem Mac geht das leider nicht.
Es genügt ein Tipp mit der Stiftspitze
Aufnehmen und Abspielen, Wiedergabeposition und Geschwindigkeit, Lautstärke und Lesezeichen – für all dies genügt ein Tipp mit der Stiftspitze auf die gedruckten Bedienelemente, so dass der Stift selbst lediglich einen Einschaltkopf hat. Eine monochrome OLED-Anzeige zeigt Informationen wie Batteriekapazität, Datum, Aufnahmeverlauf und Konfiguration an. Auch diese – beispielsweise die Umschaltung für Rechts- und Linkshänder – erfolgt ausschließlich über die Symbole, die sich im inneren Umschlag des mitgelieferten Starterhefts gedruckt finden.
Die Konzentration auf den englischsprachigen Markt zeigt sich im Übrigen in allen Details. Die Benutzerführung des Stiftes ist ebenso wie die Desktop-Software, die nicht nur für Windows XP und Vista, sondern auch für Mac OS X zum Download bereitsteht, in Englisch. Da die Software allerdings klar gegliedert und nicht überfrachtet ist, lässt sie sich recht einfach bedienen. Die Suchfunktion, mit der sich die handschriftlichen Notizbücher nach Wörtern durchforsten lassen, funktioniert auch mit deutschen Stichwörtern. Innerhalb virtueller Notizbücher sind die Dokumente nach ihrem Entstehungszeitpunkt geordnet. Sie lassen sich ausdrucken, als PDF-Datei exportieren oder als Bilddatei speichern. Trotz der Audiofunktion ist der Pulse aber kein Diktiergerät. Hierfür fehlt ihm vor allem die professionelle Einhandsteuerung über einen Schiebeschalter, die wir beim Diktat schätzen.
Ein-Gigabyte-Version mit rund 100 Stunden Aufnahmekapazität
Die Audiomitschriften des Pulse lassen sich über den Livescribe Desktop auch online zum Nachlesen, Abhören und Kommentieren bereitstellen. Hierfür stehen dem Smartpen-Besitzer 250 Megabyte Speicher auf dem Livescribe zur Verfügung, um Dokumente – entweder nur in Schriftform oder in Kombination mit dem aufgezeichneten Ton – für benannte Anwender oder ohne Nutzerbeschränkung veröffentlichen.
Der Stift wird in Deutschland bei Unimall angeboten. Die Ein-Gigabyte-Version mit rund 100 Stunden Aufnahmekapazität kostet 160 Euro. Für 30 Euro mehr gibt es die doppelte Aufnahmedauer.