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Pitztaler Gletscher Per Seilbahn zum höchstgelegenen Café Österreichs

 ·  Ein Café im Himmel. Eine Seilbahn, die einen in sechs Minuten dorthin bringt. Auf dem Pitztaler Gletscher hat man sich schwer was einfallen lassen.

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© Walter Wille Vergrößern 61 Kabinen schweben die Wildspitzbahn hinauf

Nach den 17 Stufen geht der Atem deutlich schwerer. Es sind 17 Stufen von der ersten zur zweiten Ebene des Cafés 3440. Der Gast wird sie in der Regel einmal hochsteigen, die Bedienung den ganzen Tag, immer wieder. Man sollte das beim Trinkgeld berücksichtigen.

Dass die Arbeitsbedingungen dort oben besondere sind, wird durchaus anerkannt. Das Personal bekommt einen Höhenzuschlag: 0,59 Euro. Je Stunde, leider nicht für jedes Treppensteigen. Hoffentlich finden sich genügend Bereitwillige.

Das Café 3440 ist nicht irgendein Café. Es handelt sich um das neue Markenzeichen des Pitztaler Gletscherskigebiets, vielleicht die künftige Attraktion des gesamten Tiroler Pitztals mit seinen rund 8000 Gästebetten. Es wird in diesen Tagen eröffnet, thront, wie der Name schon sagt, auf 3440 Metern, ist somit das höchstgelegene Café Österreichs und Wirkungsstätte des obersten Konditors der Alpenrepublik - gemessen an Höhenmetern. Außer Süßem wird er auch Herzhaftes anbieten sowie ein anständiges Weißbier.

Die Welt liegt dem Urlauber zu Füßen

Normalerweise müsste man Bergsteiger sein, um einen Ort mit solch überragender Aussicht zu erreichen. Hier fährt man einfach hin, sitzt im Warmen und lässt sich bedienen. Das Café ist integriert in die Bergstation der ebenfalls neuen Wildspitzbahn auf dem Gipfel des Hinteren Brunnenkogels. Das ist eine Lage, wie sie spektakulärer kaum sein könnte, umgeben von atemraubender Schönheit. Man blickt auf lauter Dreitausender, angeblich mehr als 50. Mittendrin die Wildspitze, mit 3774 Metern Tirols höchster Berg, was besser klingt als zweithöchster Berg Österreichs. Von manchen Punkten im Skigebiet aus betrachtet, sieht es aus, als sei die kühne Konstruktion hoch droben auf viel zu schmaler Fläche errichtet, als sei der Absturz unvermeidlich. Über Hunderte Meter tiefem Abgrund schwebt frei eine Terrasse. Ein Tässchen Melange, während sich jenseits der weitläufigen Glasfronten des Gebäudes ein Panorama aus Himmel, Fels, Gletscherspalten, Schnee und ewigem Eis ausbreitet.

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© Walter Wille Vergrößern Das ist der Gipfel: Viel Platz war nicht für den Bau der Wildspitzbahn auf dem Hinteren Brunnenkogel

Hier liegt dem Urlauber die Welt zu Füßen, doch wird er auch Zeuge, dass nichts für die Ewigkeit ist, schon gar nicht das Eis. Ein Stück weiter unten, wo früher ein mittlerweile weggeräumter Schlepplift Skifahrer zog, bildet der Gletscher jetzt eine tiefe Senke. Noch weiter talwärts wird mit Abdeckplanen um Gletscherzungen gekämpft, wird flockiges Weiß aus einer Schneefabrik, die auch bei niedrigen Plusgraden produzieren kann, per Förderband zu skiverkehrstechnisch wichtigen Pistenabschnitten transportiert, die keinesfalls braun sein dürfen. An der Bergstation der Wildspitzbahn befindet sich nun Österreichs höchste Wasserzapfstelle zur Beschneiung - Maschinenschnee in 3400 Meter Höhe.

Die alte Pitz-Panoramabahn von 1989, Vorgängerin der Wildspitzbahn, machte noch einen Knick, um mit ihren Stützen dem Gletscher auszuweichen. Inzwischen hat sich das Eis dort so weit zurückgezogen, dass die Trasse der Nachfolgerin schnurstracks verlaufen kann und dennoch die Fundamente sämtlicher Pfeiler auf Fels stehen.

Mit Sahne und Gratis-W-Lan

Die Pitz-Panoramabahn wurde demontiert - 360 Tonnen Eisenschrott sowie 16 Kabinen, die für je 350 Euro netto verkauft wurden, überwiegend an Liebhaber aus dem Pitztal. Jetzt trägt die ultramoderne Wildspitzbahn den Titel der höchsten Seilbahn Österreichs. Superlative helfen im Tourismusgeschäft, die Konkurrenz der Skigebiete untereinander ist heftig, allerorten werden alte Anlagen ersetzt durch leistungsfähigere, komfortablere. Der Gast wünscht „Schneesicherheit“, am besten „hundertprozentig“, er mag nicht mehr Schlange stehen, will geschützt nach oben schweben, sich dabei von der Sitzheizung das Gesäß verwöhnen lassen, beklagt aber im Gegenzug, dass die Skipässe so teuer geworden sind.

61 Acht-Personen-Kabinen hängen jetzt am Stahlseil, sie sind 30 Zentimeter breiter und einen halben Meter höher als üblich. Der Grund: Die Wintersportler sollen ihre Bretter mit hineinnehmen und nicht mehr in Köcher an der Außenseite stecken. Es heißt, das Ein- und Aussteigen gestalte sich damit bequemer und vor allem stressfrei. Als Novum gibt es Vertiefungen im Kabinenboden, in die gängige Skier während der Fahrt hineingesteckt werden können. Breite Tiefschneelatten und Snowboards passen nicht hinein, die müssen festgehalten werden. Mit etwa sechs Meter in der Sekunde (22 km/h) geht’s aufwärts. Gerade einmal sechs Minuten dauert die zwei Kilometer weite Reise mit der Einseil-Umlaufbahn zwischen der unteren Station auf 2840 und dem Ausstieg auf 3440 Meter.

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