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Perpetuum mobile Und es dreht sich doch

 ·  Jahrhundertelang wurde experimentiert mit Quecksilber, Wasserkammern, Saughebern, Gewichten, Kugeln, Stangen und Magneten. Konstrukteure eines Perpetuum mobile waren Helden der Neuzeit. Doch bis heute ist keinem ein Modell geglückt.

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„Ha!“, ruft Elmar Schmied mit dem vollen Elan seiner bajuwarischen Natur ins Telefon. „Was glauben Sie denn!“ Selbstverständlich komme das vor und nicht zu knapp, darauf könne man sich verlassen. Ohne Unterbrechung segelten Entwürfe ins Haus. Entwürfe für Perpetua mobilia der ersten, zweiten und dritten Art, die sich jeweils danach unterscheiden, gegen welchen thermodynamischen Hauptsatz sie in ihrem Konstruktionsplan verstoßen. Natürlich sage der Einsender nicht dazu, dass er da ein Perpetuum mobile habe. Er umschreibe es, vermeide den Ausdruck, sage, es handle sich um ein „Energiegewinnungsmodul“ oder einen „Schwerkraftnutzer“. Aber mit ein bisschen Erfahrung wisse man dann: „Ha! Da ist wieder eins!“

Elmar Schmied vom Deutschen Patentamt in München sagt, es gebe keine freilaufenden Räder. Energie könne nicht aus dem Nichts geschöpft werden. Und gegen Reibungsverluste sei kein Kraut gewachsen. Die Idee von der Dauerlauf-Maschine ist inzwischen allerdings selbst zum Perpetuum mobile geworden. Obwohl Geräte, die den unendlichen Lauf der Dinge versprechen und mit ihm die Lösung der Energieprobleme dieser Welt, schon seit Ewigkeiten nicht mehr patentiert werden, trudeln regelmäßig Anträge ins Haus, die ausgebildete Ingenieure mit einer Eselsgeduld beurteilen und auf Grundlage des zeitgenössischen physikalischen Grundwissens mit dem Verweis „Patentierung abgelehnt“ an ihre Urheber zurücksenden.

Als Leonardo da Vinci nahezu 400 Jahre vor der Entdeckung der Energiegesetze durch den Arzt Julius Robert von Meyer das Perpetuum mobile zur Chimäre erklärte, riet er seinen Kollegen: „Oh, Ihr Erforscher der beständigen Bewegung, wie viele eitle Hirngespinste habt Ihr geschaffen bei dieser Suche. Gesellt Euch also lieber zu den Goldmachern.“ Leonardo, der als junger Mann selbst zahlreiche Entwürfe zur Herstellung „selbstbewegender Räder“ angefertigt, jedoch nie realisiert hatte, erkannte das Problem der Reibungsverluste, da auf eine Mühle herabfallendes Wasser niemals ohne Verluste auf dieselbe Höhe zurücktransportiert werden könne. Damit wäre das Thema Perpetuum mobile eigentlich mit der Renaissance erledigt gewesen. In Wahrheit aber geschah etwas anderes. Die meistgebaute funktionsunfähige Maschine der Welt wurde über Jahrhunderte hinweg zur fixen Idee der Menschheit. Zurzeit ist eine kleine Auswahl im Rahmen der Ausstellung „Energie = Arbeit“ der Stiftung Brandenburger Tor in Berlin zu sehen.

Leonardo wandte sich ab

Nachdem sich Leonardo resigniert vom Prestigeprojekt Perpetuum mobile abgewandt hatte und stattdessen an erfolgversprechenderen Geräten etwa zur Überwindung des Ozeans arbeitete oder mit der Mona Lisa eines der größten Rätsel der Kunstgeschichte schuf, kam die Produktion ewig bewegter Räder in Europa erst richtig in Gang. So, wie die damaligen Potentaten Alchimisten mit der Herstellung von künstlichem Gold beauftragten, wurden Erfinder zur Konstruktion sogenannter „Räder mit kontinuierlicher Drehung“ beschäftigt. In den Wunderkammern des 17. und 18. Jahrhunderts müssen sich endlos viele solcher Maschinen befunden haben - bis man sie eines Tages, als sich die Kunde von ihrer Chimärenhaftigkeit endgültig herumgesprochen hatte, schamvoll daraus verbannte. Im Fall des Landgrafen Karl von Hessen-Kassel saß ein weltlicher Herrscher allerdings bereits viel früher einem peinlichen Schwindel auf. Johann Ernst Elias Bessler aus Merseburg hatte unter dem klangvollen Namen Orffyreus im Alten Reich von sich und seiner Erfindung reden gemacht. Auf Burg Weißenstein (dem späteren Schloss Wilhelmshöhe) kam es unter Beaufsichtigung des kaiserlichen Architekten Joseph Samuel Fischer von Erlach 1717 zu einer Demonstration des legendären Rades, dessen Mechanismus allerdings von Wachstüchern verhüllt wurde und somit den Blicken der Betrachter entzogen war.

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