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Mikro-Heizkraftwerke Strom und Wärme aus dem eigenen Keller

 ·  Mikro-Heizkraftwerke überzeugen durch eine optimale Brennstoffausbeute. Durchsetzen konnten sie sich bisher nicht. Denn sie sind noch zu teuer - und zu wenig erprobt.

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© Sanevo Vergrößern Mini-Kraftwerke, die Strom und Wärme erzeugen, angetrieben von Stirling- oder Ottomotoren

Strom und Wärme aus dem eigenen Keller: Das klingt verlockend. Nach der Atomkatastrophe in Japan und motiviert durch die vielbeschworene Energiewende, stößt diese Strategie auf immer größeres Interesse - kann man doch die Abhängigkeit von großen Stromverkäufern minimieren und ist bei der Gerätewahl frei, sich nur solche ins Haus zu holen, die höchste Brennstoffausbeute und beste Umweltstandards versprechen.

Das gemeinsame Erzeugen von Strom und Wärme ist keine neue Erfindung. Unter dem sperrigen Begriff der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) hat sich diese Tandem-Technik längst in Industrie und stadtnahen Heizkraftwerken etabliert - immer dort, wo man möglichst über das ganze Jahr (auch im Sommer) die bei der Stromerzeugung anfallende Wärme nutzen kann. Nur im kleinen Leistungsbereich sind KWK-Geräte noch eine Randerscheinung, obwohl Senertec seinen „Dachs“ einige tausend Mal und das Hamburger Unternehmen Lichtblick 600 „Zuhause-Kraftwerke“, die von einem VW-Gasmotor getrieben werden, verkauft haben.

Die Gründe: Dachs und Zuhause-Kraftwerk sind für den Einsatz im Massenmarkt der Ein- oder Zweifamilienhäuser zu leistungsstark, um sie wirtschaftlich betreiben zu können. Und, ganz entscheidend: Für das Normalhaus fehlen erprobte Klein-KWK-Geräte. Ein knappes Dutzend solcher Mini-Kombis wird zwar mittlerweile angeboten, aber die von einer konventionellen Heizung (Brennwertkessel) zuverlässig erbrachten 40 000 Betriebsstunden kann kaum einer der Apparate vorweisen.

Man betritt hier Neuland, was auch bedeutet, dass die Geräte noch ziemlich teuer sind. Zudem enthalten sie eine deutlich kompliziertere Technik als eine koffergroße Gastherme. Nur speziell geschulte Techniker können die Geräte in Betrieb nehmen und warten. Das Gros der Installateure lässt daher noch lieber die Finger von der „Zukunftstechnik“. Auch deswegen, weil ihnen mitunter die tradierte Technik genug Kopfzerbrechen bereitet.

Es braucht also Pioniere und Enthusiasten, die an die Zukunft der Mini-KWK-Technik glauben. Die müssen ihre Kunden beraten und in eine für den überkommenen Öl- und Gasheizer neue Welt behutsam einführen. Ein solches Unternehmen ist die in Offenbach ansässige „Sanevo Home Energy“, die sich als herstellerübergreifendes Beratungs- und Installationsunternehmen rund um alle KWK-Belange versteht. So führt Sanevo, wie Vertriebsleiter Christian Nentwig erklärt, die Produkte von gleich drei Herstellern, zum Teil sogar exklusiv in Deutschland.

Dann lockt der größte Vorteil

Dieser Gerätemix ist nach den Aussagen von Nentwig deshalb besonders sinnvoll, da für jedes Haus (und für den jeweils unterschiedlichen Wärme- und Strombedarf) das am besten geeignete Gerät gesucht werden muss. Grundsätzlich gilt: Je älter und damit je schlechter gedämmt eine Immobilie ist, desto sinnvoller ist der Einsatz einer stromproduzierenden Heizung. Denn die macht sich um so schneller bezahlt, je länger sie läuft und Strom erzeugt. Dabei speist man den Strom möglichst nicht wie bei der auf dem Dach des Hauses aufgeständerten Photovoltaik-Anlage ins Netz ein, um über die EEG-Vergütung üppig entlohnt zu werden. Ganz im Gegenteil. Man versucht, mit dem Eigenstrom möglichst viel des andernfalls vom lokalen Versorger gelieferten Stroms zu verdrängen. Denn dann lockt der größte Vorteil, denn der Betreiber eines Kleinst-Kraftwerks bekommt für den ins Netz geschickten Strom „nur“ rund zehn Cent, während die selbsterzeugte Kilowattstunde (kWh) einen Wert von etwa 30 Cent hat: vermiedene Strombezugskosten von rund 25 Cent plus einem KWK-Bonus von etwas über fünf Cent je kWh.

In den von Sanevo angebotenen Geräten steckt recht unterschiedliche Technik: So wird das im spanischen Tolosa gefertigte Mini-Kraftwerk WhisperGen von einem Vierzylinder-Stirlingmotor angetrieben, der dem angedockten Generator eine Leistung von 1 kW entlockt. Die korrespondierende Wärmeleistung liegt bei überschaubaren 7 bis 8 kW, so dass in einem nicht allzu üppig gedämmten Haus an kalten Tagen ein in das Gerät integrierter Zusatzbrenner anlaufen muss.

Soll das Leistungsvermögen dieses Stirling-Ofens genau zu einer Immobilie passen, muss man Glück haben. Mehr Variationsspielraum bietet das EcoiPower-Kraftwerk von Vaillant, das von einem Honda-Einzylinder-Viertakter angetrieben wird. Seine thermische Leistung von 2,5 kW (elektrisch 1 kW) reicht für ein Niedrigenergiehaus. Wer mehr Wärme braucht, der kombiniert den Honda-Generator mit einem Brennwertgerät und kann so die Wärmeleistung auf knapp 26 kW steigern.

Beim dritten von Sanevo propagierten Produkt (BlueGen) handelt es sich um eine Brennstoffzellenheizung. Hersteller ist das deutsch-australische Unternehmen Ceramic Fuel Cell (CFC), das seit fast 20 Jahren an der hier eingesetzten Festkeramik-Technik (SOFC) arbeitet. Doch „richtig“ heizen kann man mit dem Gerät nicht, dafür fällt viel zu wenig Wärme an. Damit ist der BlueGen ein typisches Beistellgerät, das auf einen Hauptwärmeerzeuger angewiesen ist. Nur die erzeugte Strommenge reicht aus, den Bedarf eines Vierpersonenhaushalts zu decken, was jedoch teuer erkauft wird, weil für Brennstoffzellengeräte heute noch Mondpreise verlangt werden.

Brennstoffzellen-Heizungen sind daher auf öffentlich geförderte Demonstrationsprojekte angewiesen. So sollen in den kommenden Wochen 25 BlueGen-Geräte im Aachener Raum zu einem ersten virtuellen Brennstoffzellen-Kraftwerk zusammengeschlossen werden. Nur langfristig kann sich diese Technik bezahlt machen, spricht doch für sie die gute Brennstoffausbeute und der umweltfreundliche Betrieb. Das gilt auch für die motorgetriebenen Mini-BHKW, liegt deren Sprithunger doch rund 20 Prozent unter dem für das getrennte Erzeugen von Wärme und Strom im Großkraftwerk. Aber: Ohne große Kohle- oder Gaskraftwerke läuft keine Kleinanlage, denn die verpönten Giganten müssen schließlich immer dann einspringen, wenn die kleinen an ihre Leistungsgrenzen stoßen.

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