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Messgeräte im Wandel Der Meter ist nicht das Maß aller Dinge

 ·  Mit dem Laserstrahl geht es weiter, denn er ist genauer und bequemer. Doch der Gliedermaßstab hat trotzdem keineswegs ausgedient. Er hat ja auch schon das Bandmaß überlebt.

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© Wiseman Der Gliedermaßstab, vulgo der Zollstock ist als Werkzeug wie auch als Werbeträger gleichermaßen beliebt

Ob in der Garage, im Kellerregal oder in der Küchenschublade, er fehlt in kaum einem Haushalt: der Gliedermaßstab. So lautet der offizielle Name des Zollstocks oder des „Meters“, wie er schlicht regional heißt. Und jeder braucht ihn, ob nun daheim, in der Werkstatt oder auf der Baustelle. Rasch ist er ausgeklappt und angelegt, rasch ist Maß genommen. Abgelesen wird hierzulande in Zentimetern und möglichst auf der richtigen Seite, da Gliedermaßstäbe rückseits meist gegenläufig numeriert sind. Da kann dem fahrigen Heimwerker schon mal ein Fehler unterlaufen. Also Vorsicht beim Messen, denn abgesägt ist abgesägt.

Ein abgeschnittenes Holzstück bezeichnet das mittelhochdeutsche „Zol“, auf das der Name Zollstock zurückgehen könnte. Doch auch die Einheit Zoll - wesentlich älter als metrische Einheiten - kommt in Betracht. Denn ebenso körperlich wie Spanne, Elle, Klafter und Fuß stellt der Zoll in seinem Ursprung ein altes organisches Maß dar: die Daumenbreite. Entstanden ist der Name Zoll wahrscheinlich durch Lautverschiebung aus dem lateinischen „pollex“, dem Daumenglied (digitus pollex), das schon der Römer als Längenmaß nahm. Anfang des 12. Jahrhunderts wurde der Zoll von Eduard II. von England als Inch dann auf die Länge dreier hintereinanderliegender Gerstenkörner festgelegt, heute misst er 25,4 Millimeter.

Ein Original und dreißig genaue Kopien

Das metrische System entstand erst durch die Normierung der Längeneinheit, Resultat des Wunsches, das Maß zu vereinheitlichen und Messungen vergleichbar zu machen. Der Urmeter gewann in Paris 1795 vorläufig in Messing und dann 1799 in Platin Gestalt. Obwohl er der Vorgabe nicht gerecht wird, dem zehnmillionsten Teil des Abstands zwischen Pol und Äquator zu entsprechen, wurde er 1875 als Maßeinheit von 17 Staaten anerkannt. Ein Original und dreißig genaue Kopien wurden 1889 als Eichvorlagen in einer Legierung aus Platin (90 Prozent) und Iridium (10 Prozent) gefertigt. Genauer wurde die Metervorgabe, als sie 1960 durch atomare Wellenlänge und 1983 schließlich durch die Lichtstrecke in einer vorgegebenen Zeit definiert wurde. Tatsächlich richten sich diese Definitionen aber stets nach der Länge, die der Urmeter vorgibt, und versuchen nicht, die Messfehler seiner Entstehung zu korrigieren.

Wie präzise ein Metermaß der Vorgabe entspricht, lässt sich an der Genauigkeitsklasse ablesen, die laut EG-Richtlinie zu Beginn der Messskala im Oval aufgedruckt ist. Holzgliedermaßstäbe warten meist mit der EG-Genauigkeitsklasse III auf, die bei zwei Metern Messlänge eine maximale Toleranz von plus/minus 1,4 Millimeter einräumt. Sollte das Längenmaß mit der EG-Genauigkeitskennzeichnung II gekennzeichnet sein, üblich bei Maßbändern oder Metallgliedermaßstäben, so halbiert sich die erlaubte Abweichung bei zwei Metern auf plus/minus 0,7 Millimeter.

Was die Messskala betrifft, so ist ihr Hintergrund meist in Weiß, Gelb, Zweifarbig oder Natur gehalten und in Zentimetern mit Millimeterstrichen geteilt, bisweilen zusätzlich mit Angaben für Winkelmessung, mit Fliesenraster oder Trockenbaurauten. Oft sind es genau diese kleinen Ergänzungen, die bei der Arbeit zusätzliche Schritte sparen und den Zollstock, den es selbstverständlich auch mit Inch-Skalierung gibt, hierzulande - mehr als im angloamerikanischen Terrain - zum geschätzten Messinstrument machen.

Den Gliedermaßstab gibt es traditionell in Buche oder Birke wetterfest lackiert, aber auch flexibler mit höherer Durchbiegung und nicht ganz so standfest in den Gelenken mit feuchtigkeitsresistenten Kunststoffgliedern. Deutlich teurer ist die geätzte Metallausführung, für die Schlosser eine höhere Affinität haben, deren schlankere Haptik aber auf dem Bau beispielsweise weniger beliebt ist. Entscheidend für die Qualität der Stäbe ist vor allem die „Durchnietung“, mit der die Stäbe verbunden sind. Das Scharnier soll sich leichtgängig bewegen, in der Endposition aber fest genug arretieren, so dass der Stab auch gänzlich ausgeklappt in Form bleibt. Hierzu gehört, dass die Glieder nicht zu früh einknicken oder sich zu stark biegen, damit sich auch mit einer Hand beispielsweise die lichte Weite zwischen zwei Balkons ermitteln lässt.

Nützliches und begehrtes Werbemittel

Teurere Stäbe setzen für dauerhafte Spannkraft auf Federstahlscharniere, die mit Krallen und Begrenzungsnocken beim Ein- und Ausfalten Halt geben, wie beispielsweise bei der Serie 600 von Stabila (www.stabila.de). Das pfälzische Unternehmen produziert seit 1889 Gelenkmaßstäbe mit genieteten, arretierenden Federgelenken, die sich Stabilas Gründerfamilie Ullrich 1886 patentieren ließ. Geklappte Zollstöcke gab es allerdings schon im Altertum, und auch in der Encyclopédie von d’Alembert und Diderot finden sich bereits 1771 Abbildungen faltbarer Messstäbe.

Heute sorgen in die Glieder eingelassene Stahlblech- oder Kunststoffgelenke dafür, dass die Stäbchen möglichst dicht nebeneinanderliegen. Der glatte Schulterschluss bietet die Möglichkeit, den kompakten Block flächig zu bedrucken. So bieten die Meterstäbe ein nützliches und durchaus begehrtes Werbemittel, das gleichzeitig die Wertigkeit des Auftraggebers und die Gattung der Gliedermaßstäbe repräsentiert.

In Konkurrenz zum Gliedermaßstab steht das Maßband, dessen höhere Flexibilität vorteilhaft ist, wenn es um die kurvenreiche Vermessung wie den Körperumfang geht. Spezielle Umfangbandmaße, wie sie beispielsweise Meterex (www.meterex.de) als Soft- und auch als Stahlband im Programm hat, weisen zusätzlich zur Millimeterteilung rückseitig eine Diameter-Skala auf, an der sich direkt der Durchmesser runder Objekte ablesen lässt.

In Kapselgehäusen verpackt und in der Länge rasch variierbar, bewähren sich Maßbänder durch die Vielfalt ihrer Bauformen. So zeigt beispielsweise das BMI X4 der Bayerischen Maßindustrie (www.bmi.de) in seinem Sichtfenster direkt das korrekte Innenmaß beispielsweise einer vermessenen Schublade. Ein ausklappbarer Zirkeldorn am Gehäuse erweitert das Drei-Meter-Band um die Möglichkeit, Kreise mit einem Durchmesser von bis zu sechs Metern zu zeichnen.

Meist aus Federstahl gefertigt, schnellen Maßbänder selbstätig ins Gehäuse zurück. Qualitätsbandmaße haben daher meist eine Einzugsbremse. Ganz anders funktioniert das BMImeter: Sein skaliertes Edelstahlband steht unter Federspannung und rollt beim lösenden Druck auf den Feststeller automatisch aus. Das nach unten gewölbte Band eignet sich auch als Lineal, und da es ohne Kapselgehäuse auskommt, sammelt sich in ihm auch kein Schmutz.

Unerwünschte Schallreflexionen

Beinahe als Gegenentwurf zu dieser spartanischen Leichtigkeit erscheinen die Maßband-Boliden des amerikanischen Traditionsherstellers Stanley (www.stanleyworks.de). Typen wie FatMax - der Name ist bei einer Bandbreite von 32 Millimetern berechtigt - lassen sich auf über drei Meter ausziehen, ohne zu knicken. Und wer noch weiter hinauswill, greift zum Stanley Max mit Magnethaken, den er am metallischen Gegenüber anhaften kann.

Wer es noch länger mag, der greift zum Rahmenbandmaß, das es mit über hundert Metern gibt. Allerdings lassen sich solche Distanzen heutzutage leichter mit Laserdistanzmessgeräten ermitteln. deren Bedienung ist einfach: Den Laserlichtpunkt auf den Gegenstand richten, bis zu dem die Entfernung vom Gerät aus gemessen werden soll, dann die Messtaste betätigen und das Ergebnis im Display ablesen. Preiswerte Geräte um 100 Euro finden Heimwerker auch bei Markenherstellern wie Bosch (www.bosch. de), beispielsweise den PLR 25. Hierbei wird durch eine Laufzeitmessung des ausgesendeten und reflektierten Lichtimpulses die avisierte Distanz ermittelt. Diese Art der Entfernungsmessung mit Laserlicht ist in jedem Fall Messgeräten vorzuziehen, die Distanzen per Ultraschall ermitteln, da hier Streuung und unerwünschte Schallreflexionen das Ergebnis verfälschen.

Abgedichtet gegen Wasser und Staub

Professionelle Laserdistanzmesser ermitteln Reichweiten von 200 Meter und weiter mit einer durchschnittlichen Messungenauigkeit von plus/minus einem Millimeter. Wie weit die Messung maximal reicht, ist bei Bosch an der Nummer in der Typenbezeichnung abzulesen. Zu den Besonderheiten, die sich nicht auf den ersten Blick zeigen, zählt bei Boschs GLM 80, dass sich die Displayanzeige automatisch dreht, somit in beinahe jeder Position gut ablesbar ist. Der integrierte 360-Grad-Neigungssensor lässt sich nicht nur zur präzisen Ausrichtung des Geräts nutzen, sondern macht ihn in Kombination mit der Messschiene R 60 zur digitalen Wasserwaage.

Die Geräte der Disto-Serie von Leica Geosystems (www.disto.com) arbeiten mit dem Phasenmessprinzip. Die Differenz der Phasenlage des reflektierten Lichtimpulses zum internen Referenzsignal bietet dann die Basis der Berechnung. Das Disto X310 ist ein besonders robustes Gerät, das Stürze aus zwei Meter Höhe überstehen kann und gegen Wasser und Staub abgedichtet ist, sich somit für den Baustelleneinsatz eignet.

Besonders zielgenau über weite Distanzen sind die Distos D5 und D8: Sie lassen sich auf Kamerawiedergabe mit Vierfachzoom umschalten, was die genaue Positionierung des Lasers auch bei Tageslicht erlaubt. Die Entfernungsmesser von Leica Geosystems lassen sich in zöllige Einheiten - Fuß, Inch oder sogar Yard - umschalten. Denn das Maß der Dinge ist nicht immer der Meter.

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