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Veröffentlicht: 15.10.2012, 08:00 Uhr

Messgeräte im Wandel Der Meter ist nicht das Maß aller Dinge

Mit dem Laserstrahl geht es weiter, denn er ist genauer und bequemer. Doch der Gliedermaßstab hat trotzdem keineswegs ausgedient. Er hat ja auch schon das Bandmaß überlebt.

von Raymond Wiseman
© Wiseman Der Gliedermaßstab, vulgo der Zollstock ist als Werkzeug wie auch als Werbeträger gleichermaßen beliebt

Ob in der Garage, im Kellerregal oder in der Küchenschublade, er fehlt in kaum einem Haushalt: der Gliedermaßstab. So lautet der offizielle Name des Zollstocks oder des „Meters“, wie er schlicht regional heißt. Und jeder braucht ihn, ob nun daheim, in der Werkstatt oder auf der Baustelle. Rasch ist er ausgeklappt und angelegt, rasch ist Maß genommen. Abgelesen wird hierzulande in Zentimetern und möglichst auf der richtigen Seite, da Gliedermaßstäbe rückseits meist gegenläufig numeriert sind. Da kann dem fahrigen Heimwerker schon mal ein Fehler unterlaufen. Also Vorsicht beim Messen, denn abgesägt ist abgesägt.

Ein abgeschnittenes Holzstück bezeichnet das mittelhochdeutsche „Zol“, auf das der Name Zollstock zurückgehen könnte. Doch auch die Einheit Zoll - wesentlich älter als metrische Einheiten - kommt in Betracht. Denn ebenso körperlich wie Spanne, Elle, Klafter und Fuß stellt der Zoll in seinem Ursprung ein altes organisches Maß dar: die Daumenbreite. Entstanden ist der Name Zoll wahrscheinlich durch Lautverschiebung aus dem lateinischen „pollex“, dem Daumenglied (digitus pollex), das schon der Römer als Längenmaß nahm. Anfang des 12. Jahrhunderts wurde der Zoll von Eduard II. von England als Inch dann auf die Länge dreier hintereinanderliegender Gerstenkörner festgelegt, heute misst er 25,4 Millimeter.

Ein Original und dreißig genaue Kopien

Das metrische System entstand erst durch die Normierung der Längeneinheit, Resultat des Wunsches, das Maß zu vereinheitlichen und Messungen vergleichbar zu machen. Der Urmeter gewann in Paris 1795 vorläufig in Messing und dann 1799 in Platin Gestalt. Obwohl er der Vorgabe nicht gerecht wird, dem zehnmillionsten Teil des Abstands zwischen Pol und Äquator zu entsprechen, wurde er 1875 als Maßeinheit von 17 Staaten anerkannt. Ein Original und dreißig genaue Kopien wurden 1889 als Eichvorlagen in einer Legierung aus Platin (90 Prozent) und Iridium (10 Prozent) gefertigt. Genauer wurde die Metervorgabe, als sie 1960 durch atomare Wellenlänge und 1983 schließlich durch die Lichtstrecke in einer vorgegebenen Zeit definiert wurde. Tatsächlich richten sich diese Definitionen aber stets nach der Länge, die der Urmeter vorgibt, und versuchen nicht, die Messfehler seiner Entstehung zu korrigieren.

Wie präzise ein Metermaß der Vorgabe entspricht, lässt sich an der Genauigkeitsklasse ablesen, die laut EG-Richtlinie zu Beginn der Messskala im Oval aufgedruckt ist. Holzgliedermaßstäbe warten meist mit der EG-Genauigkeitsklasse III auf, die bei zwei Metern Messlänge eine maximale Toleranz von plus/minus 1,4 Millimeter einräumt. Sollte das Längenmaß mit der EG-Genauigkeitskennzeichnung II gekennzeichnet sein, üblich bei Maßbändern oder Metallgliedermaßstäben, so halbiert sich die erlaubte Abweichung bei zwei Metern auf plus/minus 0,7 Millimeter.

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Was die Messskala betrifft, so ist ihr Hintergrund meist in Weiß, Gelb, Zweifarbig oder Natur gehalten und in Zentimetern mit Millimeterstrichen geteilt, bisweilen zusätzlich mit Angaben für Winkelmessung, mit Fliesenraster oder Trockenbaurauten. Oft sind es genau diese kleinen Ergänzungen, die bei der Arbeit zusätzliche Schritte sparen und den Zollstock, den es selbstverständlich auch mit Inch-Skalierung gibt, hierzulande - mehr als im angloamerikanischen Terrain - zum geschätzten Messinstrument machen.

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