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Medienplayer Charme und Eleganz gegen Ausstattung und Technik

08.10.2008 ·  Wie schlägt sich der neue iPod Nano im Vergleich mit speziell auf die Windows-Welt zugeschnittenen mobilen Medienplayern? Wir haben an zwei weiteren Beispielen eruiert, was sich die Konkurrenz ausgedacht hat, um Apple Paroli zu bieten.

Von Wolfgang Tunze
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Schon Wochen vor dem Enthüllungstermin der saisonüblichen Modellpflege schossen die Spekulationen ins Kraut: Wie werden sie wohl aussehen, die neuen iPod-Varianten? Werden die MP3-Stars von Apple bloß ein bisschen mehr Speicher zum gleichen Preis mitbringen? Oder hält der Hersteller echte Überraschungen parat? Wir haben uns zunächst mit dem neuen Medienzwerg Nano beschäftigt - und an zwei weiteren Beispielen eruiert, was sich die Konkurrenz ausgedacht hat, um Apple Paroli zu bieten.

Der jüngste Nano ist deutlich eleganter als sein Vorgänger: Apple hat sich von der annähernd quadratischen Form verabschiedet und aus dem Mini-Player wieder einen länglichen, in Aluminium gewandeten Klangriegel gemacht - mit 6,2 Millimeter dünner als je zuvor, mit dem rundlichen Querschnitt einer flachen Ellipse und mit einer üppigen Auswahl von neun Farben. Das zierliche Leichtmodell - mit einem Einsatzgewicht von nur 37 Gramm unterbietet es die gesamte Konkurrenz bei weitem - ist somit das ideale Utensil für die Hemdtasche: Es verschwindet dort schwerelos, ohne aufzutragen.

Schütteln quittiert der Nano mit Zufalls-Wiedergabe

Zum Bedienkonzept, einer Stärke der iPod-Sippe, hat sich Apple weitere Schmankerl ausgedacht: Dreht man den Knirps auf die Seite, so drehen sich Bilder oder Videos ebenfalls um 90 Grad. Hoch- und Querformatfotos füllen so stets den gesamten, fünf Zentimeter großen Bildschirm. Bestreitet Musik das Unterhaltungsprogramm, löst der Gehäuse-Schwenk die von größeren Modellen her bekannte „Cover-Flow“-Funktion aus: Mit dem Daumen auf dem Klickrad kann man dann durch die virtuellen Plattenhüllen blättern und so die gewünschten Titel mit sinnlicher Unterstützung suchen. Schütteln schließlich quittiert der Nano mit Zufalls-Wiedergabe.

Neu ist auch „Genius“: Diese Funktion kann zum gewählten Musikstück passende, ähnliche Titel aufspüren und auf diese Weise automatisch kongeniale Wiedergabelisten erstellen. Ein paar bewährte Eigenschaften hat sich der Nano freilich auch erhalten, etwa die Fähigkeit, Videos annähernd in Fernsehauflösung von 640 mal 480 Bildpunkten zu speichern und zur Wiedergabe im eigenen Sichtfenster auf das Display-Raster 320 mal 240 Pixel herunterzurechnen, wieselflink durch Fotosammlungen zu navigieren und mit Spielen, Wecker und kleinen Büro-Utensilien für zusätzlichen Nutzen zu sorgen. Den neuen Nano gibt es mit 8 oder 16 Gigabyte Speicherplatz für 149 oder 199 Euro.

Mit Creative ins W-Lan-Funknetz

Konkurrent Creative hat sich angesichts solcher Vorgaben mächtig angestrengt. Der neue, schwarz gewandete Medienplayer X-Fi tritt mit 16 Gigabyte bereits zum Kampfpreis von 170 Euro an, eine 32-Gigabyte-Variante ist für 250 Euro zu haben. Der X-Fi ist ein Ausstattungsriese: Sein 6,4 Millimeter großer Bildschirm zeigt Bilder und Filme opulenter, ein Leseschacht nimmt SD-Karten als zusätzliche Speichererweiterung entgegen, ein UKW-Empfänger bringt Radioprogramme zu Gehör, ein eingebauter Lautsprecher springt mit piepsiger Stimme ein, wenn der Kopfhörer gerade nicht angestöpselt ist. Das Creative-Modell kann sogar Kontakt mit einem W-Lan-Funknetz aufnehmen, um Bild und Ton direkt vom PC abzurufen und entweder direkt wiederzugeben oder zunächst in den Speicher zu laden.

Selbst elektronischer Nachrichtenaustausch über die Internet-Messenger von Yahoo oder MSN ist möglich. Weil der Player dazu Tipparbeiten verlangt, delegiert er die gesamte Bedienung an ein Feld aus neun runden Winzig-Tasten. Die Navigation geht damit nicht so flüssig von der Hand wie vom Klickrad des iPod oder von ähnlichen Konzepten her gewohnt. Auch mit seinem immerhin 13 Millimeter dicken Gehäuse macht der Creative keine so ganz perfekte Figur. Pluspunkte sammelt das vielseitige Gerät dagegen mit seinem wirklich hilfreichen, X-Fi genannten Klangverbesserer, der dem Modell auch zu seinem Namen verhilft: Er poliert Klänge auf, die unter der Kompression gelitten haben, und in der Funktionsvariante „Expand“ rückt er das Klangbild nach vorn - als käme es aus Lautsprechern oder gar von einer Bühne.

Gelungene Menüführung mit dem Sansa Fuze

Den dritten Player im Bunde, den Sansa Fuze des Speicher-Spezialisten Sandisk, gibt es mit Kapazitäten von 2, 4 oder 8 Gigabyte zu günstigen Preisen zwischen 60 und 100 Euro. Zusätzlichen Speicherplatz verleibt sich das zierliche Modell in Form von Micro-SD-Karten ein. Dieser Mobilunterhalter ist in den Farben Schwarz, Rot, Blau, Pink und Silber zu haben. Auch der Sansa Fuze hat neben der Abspiel-Elektronik für Musik, Fotos und Videos noch ein Radio an Bord, das sogar Mitschnitte erlaubt, und ein eingebautes Mikrofon macht ihn zum Diktiergerät. Seine Bedienelemente gleichen dem Klickrad des iPod fast aufs Haar; auch die gelungene Menüführung zeigt ideelle Anleihen beim iPod.

Die Rechenleistung des Sandisk-Players bleibt allerdings hinter der des Vorbilds deutlich zurück: Videos bringt das Gerät nur mit 224 mal 176 Bildpunkten und mit 20 Einzelbildern je Sekunde auf seinen 5-Zentimeter-Schirm, durch Fotos navigiert es längst nicht so flott. Ein Ausstattungsdetail haben alle drei Medienstationen gemeinsam: Sie verstehen sich auf die Wiedergabe des proprietäten Hörbuch-Tonformats Audible.

Wenn schon Nano, dann in Extra-Hörer investieren

In einem wichtigen Punkt unterscheiden sich die Player von Creative und Sandisc vom iPod Nano: Sie sind konsequent auf Windows-Rechner zugeschnitten. Die Medienordner des Sandisk-Modells kann man zwar mit Drang-and-Drop zur Not auch am Mac befüllen, aber die unterstützten Dateiformate und die Bild- und Video-Konvertierungssoftware sprechen klar für den Windows-Einsatz. Dem iPod dagegen ist die Religion des Rechners egal: Er ist für die nahtlose Einbindung an die iTunes-Software konstruiert, und die läuft auf beiden Plattformen.

Was bleibt, ist die Frage nach dem Klang. Der iPod Nano und der Sandisk-Player bringen von Haus aus gewöhnliche Mobil-Ohrstöpsel mit, der Creative punktet mit einem In-Ear-Hörer, den man in den Gehörgang steckt, um so - theoretisch jedenfalls - bessere Basswiedergabe und Abschirmung gegen Störgeräusche zu erzielen. Überraschend saftige Bässe schafft auch der Apple-Hörer, allerdings: Die Creative-Schallwandler spielen mit wesentlich mehr Frische, Detailfreude und Klarheit auf. Mit solchen Talenten lassen sie die Serienhörer des iPod deutlich hinter sich, die allzu mittenbetonten Hörer des Sandisk distanzieren sie sogar um Längen. Wer also dem bestechenden Charme des neuen Nano erliegt, der sollte nicht geizen und gleich noch in einen standesgemäßen Extra-Hörer investieren.

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