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Kunststoffelektronik Biegsamer Bildschirm in der Stärke eines Pappkartons

12.03.2008 ·  Die Idee vom elektronischen Papier rückt mit flexiblen Displays ein Stück weiter an die Realität heran: Zwei Millionen Folien wird das Dresdner Werk von Plastic Logic im Jahr herstellen können. Wann diese erreicht werden, ist derzeit noch offen.

Von Georg Küffner
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Zwei Millionen extrem dünne und flexible (etwa DIN A4-große) Kunststofffolien wird das kurz vor der Fertigstellung stehende Dresdner Werk von Plastic Logic im Jahr herstellen können. Für diese Stückzahl ist der mit einem 4000 Quadratmeter großen Reinraum ausgestattete Produktionsbetrieb ausgelegt, der vor acht Jahren aus der Universität Cambridge als Hersteller von „Kunststoffelektronik“ hervorgegangen ist. Wann diese Stückzahl erreicht wird, ist derzeit noch völlig offen, denn bei solchen neuen Verfahren ist stets mit Kinderkrankheiten rechnen.

Und was Plastic Logic in Dresden aufs Band legt, ist völlig neu. Sobald die Produkte auf den Markt kommen, werden sie aller Voraussicht nach die schon lange im Raum stehende Idee der elektronischen Zeitung oder des elektronischen Buchs einen großen Schritt nach vorn bringen. Denn erstmals werden bei Plastic Logic im kommerziellen Maßstab die zum Ansteuern der Bildsignale benötigten Schaltelemente nicht mit Hilfe von „heißen“ fotolithographischen Verfahren und unter Verwendung von amorphem Silizium auf einen starren Träger (meist aus Glas) aufgetragen, sondern man druckt die Dünnschicht-Transistoren (TFT, thin film transistor) „kalt“ auf eine dünne Folie.

Neue Beschichtungs- und Druckverfahren

Dazu mussten neue Beschichtungs- und Druckverfahren entwickelt werden. Auch die verwendeten Kunststoffe gibt es nicht von der Stange. Bei Plastic Logic setzt man eine spezielle Folie aus dem für Getränkedosen eingesetzten sehr harten, aber flexiblen Kunststoff Polyethylenterephthalat (PET). Mit diesem Material kann man eine bewegliche Steuermatrix und damit einen um die Längsachse „knickbaren“ Bildschirm fertigen, der von der Haptik her nicht mehr weit von der Stärke eines Kartons entfernt ist.

So neu das gedruckte Rückgrat des Flexischirms ist, so alt ist die Technik des Bildaufbaus: Das Grundprinzip der elektronischen Tinte (E-Ink) wurde vor mehr als 30 Jahren von Nick Sheridon, Forscher am Xerox Parc, erdacht. Millionen mikroskopisch kleiner Kugeln enthalten positiv geladene weiße und negativ geladene schwarze Partikel, die in einer transparenten Flüssigkeit schwimmen. Ein elektrisches Feld holt entweder die schwarzen oder die weißen Partikel an die Oberfläche, so dass beim Betrachter der Eindruck eines weißen oder schwarzen Punktes entsteht. Auf diese Weise erzeugen die Minikapseln Schrift und Bilder. Die flexiblen Displays von Plastic Logic kommen derzeit auf eine Auflösung von 150 ppi (Punkte je Zoll) bei 16 Graustufen.

Papier mit einer Auflösung von 768 × 1024 Pixel

Die erste marktreife elektronische Tinte brachte das 1997 von den MIT-Forschern Barrett Cominskey, J.D. Albert und Joseph Jacobsen gegründete Unternehmen E-Ink heraus. Mit dieser Technik ist es dem zum Philips-Konzern gehörenden niederländischen Unternehmen iRex-Technologies gelungen, das Iliad zu entwickeln, ein 16 × 22 Zentimeter großes, tragbares elektronisches (starres) Display, auf dem das „Druckbild“ gestochen scharf dargestellt werden kann.

Das Lesen eines Textes ist auf dem Bildschirm für die Augen nicht viel anders als auf einer gedruckten Seite in einem herkömmlichen Papierbuch. Verantwortlich ist dafür die hohe Auflösung von 768 × 1024 Pixel. Optisch erinnert der Iliad, obwohl er in etwa die Größe eines durchschnittlichen Hardcovers hat, jedoch nicht an ein Buch. Dafür ist er trotz eines Gewichts von knapp 400 Gramm zu klobig. Mit einem vollen Akku kann das Gerät rund zwölf Stunden genutzt werden. Der Strombedarf ist also erfreulich gering, was der Technik zu verdanken ist, denn hier wird nur für den Aufbau eines neuen Bildes Energie benötigt.

Ebenfalls auf die Technik des Unternehmens E-Ink verlässt sich das von Amazon Ende vergangenen Jahres vorgestellte elektronische Buch namens Kindle. Sein Bildschirm misst sechs Zoll in der Diagonalen und liefert ohne Hintergrundbeleuchtung selbst bei Sonneneinstrahlung ein gut lesbares Schriftbild. Die Auflösung beträgt 800 × 600 Pixel. Die Texte lassen sich in sechs Schriftgrößen anzeigen, umgeblättert wird mit Tastendruck am unteren Endes des 290 Gramm schweren Geräts.

Quelle: F.A.Z., 11.03.2008, Nr. 60 / Seite T2
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