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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 21.08.2011, 16:00 Uhr

KM1 Modellbau Heavy Metal für Kenner

Groß, schwer, wertvoll und teuer: Eisenbahnmodelle der Spur 1 sind wenig bekannte Produkte aus der Luxusgüterindustrie. Nun schickt sich ein Mittelständler an, Märklins Rolle als Vollsortimenter der großen Spur zu übernehmen.

von Friedhelm Weidelich
© Friedhelm Weidelich Wertanlage: Drei Gramm dieses Dampflokmodells kosten einen Euro, die Erinnerungen sind unbezahlbar

Nicht jeder Modelleisenbahner leidet unter dem Image, ein Peter Pan, ein Spielkind zu sein. Doch es ist riskant, sich öffentlich zu diesem Hobby zu bekennen. Gilt es doch als etwas kindisch. Eine gern verbreitete Fehleinschätzung, gepaart mit Berichten vom 50-Jährigen, der noch bei Mutti wohnt und die Wohnung für die H0-Modellbahn zweckentfremdet hat.

Wer in die Welt der 2,7-mal so großen Spur 1 eintaucht, trifft auf Bankvorstände, Ärzte, Unternehmer, pensionierte Spitzenbeamte und Vorstände. Nur fünf bis sechs Prozent des Modellbahnmarkts, der immer noch als „Spielzeug“ subsumiert wird, macht die von Märklin erfundene „Königsspur“ aus. Was im Maßstab 1:32 auf 45 mm Spurweite rollt oder in Vitrinen und Regalen gehortet wird, ist vom Spielzeug so weit entfernt wie ein SLK vom Wiking-Auto und so handwerklich kunstvoll und selten wie eine Glashütte-Uhr.

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Die Spur 1 wurde von Märklin Ende des 19. Jahrhunderts definiert und geriet nach dem Zweiten Weltkrieg fast in Vergessenheit. Als 1968 LGB mit derselben Spurweite, aber größeren Schmalspurmodellen, auf den Markt kam, wagte Märklin die Wiederbelebung. Der spätere Versuch, sich mit einfachen Blechmodellen neben LGB zu positionieren, schlug fehl, das hohe Potential der 2009 erworbenen Edelmarke Hübner weiß Märklin bis heute nicht zu nutzen. Technisch hinken die älteren Märklin-Modelle den Produkten der hochspezialisierten Mitbewerber hinterher.

Bahn 1 © Friedhelm Weidelich Vergrößern Magie der Maschine: Malerische Schwaden aus Dampf

Die Lok sondert realitätsnahe Dampfwolken ab

Nun schickt sich ein kleiner Mittelständler aus dem bayerisch-schwäbischen Lauingen an, Märklins Rolle als Vollsortimenter der großen Spur zu übernehmen. Mit hochwertigen Eisenbahnmodellen aus Messing und Stahl zu Preisen, die nicht weit über den Märklin-Modellen liegen, eroberte KM1 Modellbau in wenigen Jahren die Herzen und Geldbörsen der anspruchsvollen Spur-Einser. Noch 2009 stellte das 2003 gegründete Unternehmen in einem zugigen Vorraum der Spielwarenmesse-Halle 7 in Nürnberg aus. Zwei Jahre später war der Eckstand mit der Bundesbahn-Dampflokomotive, die mit dem Auspuffschlag rhythmisch künstlichen Dampf aus Schornstein und Zylindern ausstößt, eine ständig umlagerte Attraktion.

Seit Jahren von diesen vorbildnahen Modellen fasziniert, haben wir eines gekauft. Schon das Auspacken dieser Lok der Baureihe 50 steigert die Vorfreude. Das sieben Kilogramm schwere Fahrzeug wird von mehreren Verpackungsschichten befreit, mit den mitgelieferten weißen Handschuhen angefasst und dann, zur Seite gelegt, von den beiden stabilen Brettern abgeschraubt. Wenn die Hürden genommen sind, einen 16-Pol-Stecker auf engstem Raum in die Buchse unter dem Führerhaus zu pressen und den Tender anzukuppeln, ist der nostalgische Sprung in die eigene Jugendzeit nicht mehr fern. Denn die Lok sondert nicht nur realitätsnahe Dampfwolken ab. Wenn sie sich zischend in Bewegung setzt und nach einem Impuls von der Digitalzentrale mit kräftigem Auspuffschlag beschleunigt, sagt auch die Erinnerung ja.

Produktionszahlen oft Geschäftsgeheimnis

Den Ton hat KM1-Chef Andreas Krug, ein gelernter Musiker, selbst aufgenommen und in seinem Tonstudio für den Ulmer Decoder-Hersteller ESU aufbereitet. Der Decoder unter der aufgeklebten Kohle im Kabinentender steuert 15 Funktionen und Geräusche, vom Licht bis zum Kurvenquietschen. Die Kabine sollte von 1958 an den Güterzugführer beherbergen, für den die Bundesbahn keinen Packwagen mehr mitschleppen wollte. Das Personal mied jedoch die staubige, klamme Kabine zwischen Kohle und Wasservorrat und fuhr lieber auf der Lok mit. Die Zugführer wurden bald eingespart, die Kabinentender blieben bis zur Ausmusterung der letzten Dampfloks Mitte der 1970er Jahre.

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