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Kernkraftwerke Automatisch sicher

Global wird an der Entwicklung sogenannter inhärent sicherer Kernkraftwerke gearbeitet. Ihre Konzepte versprechen, den Gau vermeiden zu können. Zwei gelten als besonders aussichtsreich: der Natriumgekühlte Schnelle Reaktor und der Überkritische Leichtwasserreaktor.

© F.A.Z. Vergrößern

Abschalten, abreißen und zurück zur grünen Wiese: Das ist nach aktuellen Umfragen momentan der Volkswille, wobei es nur eine Frage von Wochen zu sein scheint, bis die durch den angepeilten Ausstieg aus der Kernenergie wegbrechende Kraftwerksleistung durch Windräder, Biogasanlagen und Photovoltaik ersetzt ist. Das zumindest versuchen uns populistisch denkende Politiker weiszumachen. Dabei ist längst klar, dass eine ökologische (nachhaltige) Neuausrichtung unserer Energielandschaft Jahre dauern und Milliarden Euro kosten wird. Sehr wichtig dabei: Sich auf das Geschehen innerhalb der Landesgrenzen zu konzentrieren wäre fahrlässig, wenn nicht gar sträflich. Denn wem ist gedient, wenn Deutschland seine „Stromlücken“ durch Lieferungen aus dem Ausland deckt, mit Elektrizität, die in Kernkraftwerken erzeugt wird, die einen deutlich niedrigeren Sicherheitsstandard haben als die aufs Altenteil geschickten deutschen „Schrottreaktoren“.

Georg Küffner Folgen:  

Mit welchen Techniken man den Stromhunger der Welt wird decken können, verlangt nach einer globalen Antwort. Dabei werden die katastrophalen und selbst mit viel Phantasie kaum vorstellbaren Ereignisse rund um das Atomkraftwerk Fukushima 1 nicht wirkungslos bleiben. Doch wie die Reaktionen auf die japanische Apokalypse etwa aus Frankreich, Amerika oder China zeigen, wird diese Technik keineswegs beerdigt. Nicht nur diese Länder werden an der Atomenergie festhalten - und sie vielmehr ausbauen: In der Welt werden derzeit 62 neue Reaktoren errichtet, rund 150 sind in der Planung und 442 in Betrieb.

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Nur mit dem Bau neuer Atommeiler, so die Energiestrategen, könne man die von der Internationalen Energie-Agentur (IEA) für das Jahr 2035 prognostizierte um 75 Prozent höhere Stromnachfrage decken. Selbst bei der erwarteten Verdreifachung der erneuerbaren Energien werden nach der IEA-Prognose in 25 Jahren Kohle und Öl immer noch die mit Abstand wichtigsten Energieträger sein. Im Vergleich dazu wird der Zuwachs bei Atomstrom moderat ausfallen.

Fukushima Mahnwache - Potsdam © dpa Vergrößern Mit welchen Techniken man den Stromhunger der Welt wird decken können, verlangt nach einer globalen Antwort

Unwahrscheinlicher als bei den Fukushima-Blöcken

Es gibt kein Vertun: Auch in jedem der heute neu gebauten Kernkraftwerke kann es zur Kernschmelze kommen. Dass dieser Gau eintritt, ist jedoch deutlich unwahrscheinlicher als bei den 1971 in Betrieb gegangenen Fukushima-Blöcken, die nicht nur wegen ihres Alters von zahlreichen Fachleuten, wie man heute weiß, schon länger überaus kritisch beäugt wurden. Denn mit dem vergleichsweise klein bemessenen Containment (Sicherheitsbehälter) baut sich bei einem schweren Störfall rasch ein zerstörerisch wirkender Druck auf. Auch fehlte den Unfallreaktoren die an deutschen Anlagen vorhandene „gefilterte Druckentlastung“, die entweder über ein gezieltes Abbrennen oder über „Rekombinatoren“ den bei mangelnder Kühlung an den (zu) heißen Brennstäben entstehenden Wasserstoff zu Wasser werden lässt.

Auch waren die Havarie-Reaktoren weder gegen ein Erdbeben mit Magnituden von neun und größer noch gegen gewaltige Tsunami-Wellen geschützt. Nur so ist zu erklären, dass das externe Notstromsystem weggespült wurde. Auch soll die Flutwelle Öltanks weggerissen haben, die den Brennstoff für die innerhalb der Gebäude stehenden Notstromgeneratoren bunkerten. Die Dieselgeneratoren, die ordnungsgemäß angelaufen waren, haben Wasser „gezogen“, was sie binnen Sekunden zerstörte.

Damit hat sich, wie beim glimpflich ausgegangenen Störfall im schwedischen Kernkraftwerk Forsmark im Sommer 2006, wieder die Notstromversorgung als Achillesferse erwiesen. Seit diesem Zeitpunkt war klar, dass nicht, wie lange angenommen, ein Bruch der zum Reaktor führenden Notfall-Kühlmittelleitungen das für die Sicherheit eines Atomkraftwerks entscheidende Ereignis ist, sondern der Ausfall der Stromversorgung der für die Nachkühlung nötigen Pumpen. Nach Forsmark läuteten auch hierzulande kurz die Alarmglocken. Man hat diese Systeme noch einmal überprüft. Nicht jedoch in Fukushima.

Zehn Jahre später schon 1000-MW-Blöcke errichtet

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Veröffentlicht: 22.03.2011, 14:00 Uhr

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