12.11.2011 · Kaminöfen können beim Verbrennen entstehende Wärme nur schwer halten. Das schafft nur Masse, etwa in Form von Schamottsteinen. Eine Alternative sind wasserführende Öfen.
Von Georg KüffnerDie Tage werden kürzer, die Bäume verlieren ihre Blätter, und in den engen Laufgängen der Lebensmittelläden stolpert man bereits über weiß gepuderte Christstollen. Das ist die Zeit, zu der auch die Baumärkte ihren Kunden wieder Holz- und Kohleöfen (Feststofföfen) offerieren. Damit ist abzusehen, dass bald wieder müffelnde Schwel- und Rauchgase durch die Vorortsiedlungen wabern und es den Nachbarn der Holzheizer schwer machen, die Fenster zum Lüften zu öffnen.
Das stört die Feststoffheizer nicht. Sie gehen davon aus, durch das Verbrennen des nachwachsenden Rohstoffs Holz einen nicht unwichtigen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten: Beim Heizen mit Holz wird nämlich nur die Menge an Kohlendioxid frei, die von den Bäumen während ihres Wachstums gespeichert worden ist. Sie übersehen jedoch, dass die aus den Schloten ihrer Öfen in die Umgebung geblasenen Feinstaubmengen aufgrund des höheren Mineralstoffgehalts des Holzes im Vergleich zu Öl und Gas höher liegen. 70 Prozent des gesamten Feinststaubaufkommens aus Kleinfeuerungsanlagen entweicht aus Holz- und Kohleöfen.
Doch wer einen modernen Ofen kauft und trockenes, unbehandeltes Holz verbrennt, der kann die Umweltbelastung in Grenzen halten - und zudem Spaß an der gesteuerten „Zündelei“ im Wohnzimmer haben. Das gilt besonders dann, wenn er einige weitere Gesichtspunkte berücksichtigt, die alle im Griff zu behalten nicht immer einfach ist: So darf man etwa in ein sogenanntes Niedrigenergiehaus nur Öfen einbauen, die „raumluftunabhängig“ betrieben werden können. Ihnen muss die Verbrennungsluft von außen durch einen speziellen Kanal zugeführt werden, wobei der nicht einfach durch ein Loch in der Außenwand gesteckt werden sollte. Denn dann würde man sich mit der zugefächelten Kaltluft die Energiebilanz kräftig verhageln. Deutlich besser schneiden daher doppelwandig ausgeführte Luftkanäle und Edelstahlkamine ab, durch deren äußeren Ringraum die Frischluft in den Raum geleitet und dabei über die innen strömenden Rauchgase erwärmt wird.
Kaminöfen müssen außerdem für den jeweiligen Aufstellungsort richtig dimensioniert sein. Denn zu große Öfen könnte man nur gedrosselt betreiben. Und mit zu kleinen erreicht man nie die gewünschten Raumtemperaturen, und zwar auch dann nicht, wenn man ständig Holz nachlegt. Der Ofen wird zwar ordentlich heiß, die erzeugte Wärme verschwindet jedoch zum Großteil durch das Rauchrohr und den Schornstein in die Umgebung - und beschleunigt die Klimaerwärmung.
Um das zu verhindern, darf die Abgastemperatur nur unwesentlich höher sein, als es für eine ausreichende Thermik und damit den gesicherten Abtransport der Rauchgase durch den Schornstein erforderlich ist. Da dieser Wert wesentlich von der Länge und dem Querschnitt des Kamins abhängig ist, sind pauschale Angaben nur schwer möglich. Jede Feuerstelle muss individuell bewertet werden, so dass Schornsteinfeger und Kaminofenhersteller gern auf Nummer Sicher gehen und lieber höhere als möglicherweise zu niedrige Abgastemperaturen fordern. Sehr häufig verschwindet daher mehr Energie durch den Rauchabzug, als es für einen ordnungsgemäßen Betrieb erforderlich ist.
Wer diese Lektionen verinnerlicht hat, der kann sich einem weiteren, nicht immer einfach zu durchdringenden Thema widmen: dem Speichern der durch das Verbrennen des Holzes erzeugten Wärme. Denn wer sich für kleines Geld einen Stahlofen gekauft hat, der merkt rasch, dass mit dem Erlöschen des Feuers auch der Traum von ewiger Wärme abrupt zur Neige geht. Um das zu verhindern und nicht gleich mit der Anschaffung eines klassischen Kachelofens (Grundofen) das Budget massiv zu belasten, bleiben zwei Alternativen, die immer häufiger Liebhaber finden.
Das sind zum einen sogenannte wasserführende Kaminöfen. Dazu verfügen diese Exemplare über Wasserwärmetauscher, mit deren Hilfe die Wärme an das Wasser übertragen wird. Das wird in einem im Keller stehenden Pufferspeicher gesammelt, von wo die Wärme nach Bedarf abgerufen und auch in die Räume geschickt werden kann, in denen der Holzofen nicht steht. Wie man rasch merkt, reduziert sich der nicht eben geringe Installationsaufwand, wenn der Ofen in das existierende Zentralheizungssystem integriert wird. Doch damit ist klar, dass wasserführende Öfen nichts für eine weitab stehende Almhütte sind, die weder über einen Wasseranschluss noch über eine zuverlässige 230- Volt-Stromversorgung verfügen. Und auch das muss man wissen: Wasser-Speicheröfen schicken den Großteil der erzeugten Wärme in das Speicherwasser und nicht in den Aufstellraum. So liegt etwa die „wasserseitige“ Leistung des acht kW starken Giro water+ des Tübinger Herstellers Wodtke (www.wodtke.com) bei 70 Prozent.
Das ist bei der zweiten Art von Speicher-Kaminöfen anders. Zwar schaffen auch diese nicht, was ein gemauerter Speckstein-Grundofen vermag. Doch dank einiger interessanter Neuerungen gewinnen sie zunehmend Liebhaber. So lassen sich einige Öfen dieses Typs durch Betätigen eines Schiebers von schneller Konvektionswärme sehr unkompliziert auf lang anhaltende Speicherwärme umschalten. Dazu wird etwa beim Modell Rondotherm von Cera aus Düren (www.cera.de) ein „Luftkranz“ oben auf dem zylinderförmigen Ofen aus- beziehungsweise eingefahren. Dank dieses Regelmechanismus gibt der Ofen unmittelbar nach dem Anheizen Wärme ab. Schließt man die Konvektionsklappe, liefert der Ofen angenehme Strahlungswärme, was er nur kann, da man ihm einiges an Speichermasse eingebaut hat. Genau 210 Kilogramm Schamotte stecken im oberen Teil des Rondotherm. Und wie der Cera-Chef Hans-Joachim von Tasch sagt, nicht einfallslos entlang der Ofenwand. Vielmer seien bis zu 55 Zentimeter hohe Formsteine verbaut, die den Rauchgasstrom bremsen und die Abgastemperatur absenken helfen.
Wer züngelnde Flammen sehen will, der entscheidet sich gerne für einen Ethanolkamin. Sie werden in Deutschland von rund einem halben Dutzend Herstellern angeboten und müssen nicht wie Holz- oder Gasöfen an den Kamin angeschlossen werden.
Vor allem die aus Fernost eingeführten „lediglich“ Kohlendioxid und Wasserdampf abgebenden „dekorativen Feuerstellen“, wie sie offiziell heißen, gelten als nicht immer sicher, wobei das Gros der von Ethanolkaminen verursachten Brände nicht durch fehlerhafte Technik, sondern durch falsche Bedienung ausgelöst wird.
Daher wird vor der ersten Inbetriebnahme das gründliche Studium der Gebrauchsanleitung dringend empfohlen, noch besser sollte man sich im Fachgeschäft den richtigen Umgang mit den kleinen Feuerspeiern genau zeigen lassen.
Welche Sicherheitsstandards ein Ethanolkamin zu erfüllen hat und wie leistungsstark sie sein dürfen, ist mittlerweile geklärt. So dürfen Dekorationskamine je Stunde maximal einen halben Liter Alkohol verbrennen, was einer Leistungsbegrenzung auf rund drei Kilowatt entspricht. Und sie dürfen nicht zum Heizen genutzt werden. Darauf müssen die Anbieter deutlich hinweisen. Denn der hohe Sauerstoffbedarf der Geräte erfordere regelmäßiges Lüften, so dass schon deshalb eine Erhöhung der Raumtemperatur kaum möglich sei.
Festgelegt ist auch, dass die Geräte so konstruiert sein müssen, dass „angrenzende Bauteile“ nicht heißer als 85 Grad werden. Zudem werden Auffangwannen für zu viel eingefüllten Brennstoff verlangt. Und man muss – eine ganz wichtige Forderung– die Kamine anzünden können, ohne dass dabei eine Stichflamme entsteht. Das setzt voraus, dass die Geräte immer nur kalt gestartet werden. Das Nachfüllen bei laufendem Betrieb ist ebenso untersagt wie das Betanken eines noch warmen Kamins.