17.07.2005 · Auf der Ispo glänzt das Neue im verborgenen. Zwar gibt es in diesem Jahr keinen wirklich neuen Sporttrend. Dennoch haben die Sportartikelhersteller Materialen aus der Nanotechnologie entdeckt.
Von Gerd Gregor FethWeil nicht einmal der Sport es schafft, jedes Jahr einen neuen Trend zu kreieren, war das wirklich Neue auf der Münchener Fachmesse für Sportartikel (Ispo) nicht leicht zu finden. Die Hersteller, die bisher stets mit Materialien wie "Titanium" oder "Carbon" warben, entdecken nun die Welt des Kleinen. "Nano" ist ihr neues Schlagwort.
Weil sich das Wort allein nicht schützen läßt, zeigt der Tennisausrüster Wilson beispielsweise "nCode"-Rackets für Damen, deren blasse Farbtöne wohl mehr begeistern dürften als die Aussicht auf die "neuesten Errungenschaften aus der Nanotechnologie", die im Bereich eines milliardstel Meters "grundlegende technische Verbesserungen in puncto Power und Performance" versprechen. Sportbekleider Jack Wolfskin will nicht nachstehen und behandelt sein neues Gewebe mit Nano-Tex, damit das wasserdichte Zweilagenlaminat Texapore 04 nicht nur die "höchste Wasserdampfdurchlässigkeit der Firmengeschichte" aufweist, sondern jetzt auch einen "effektiven und dauerhaften Schutz gegen Feuchtigkeit und Verschmutzung" hat.
Mit Nano gegen Wasser
Was bei Jacken gut funktioniert, dachte man bei Salomon, könnte auch für Schuhe taugen. Also verwenden die französischen Sportschuster "Softshell"-Material jetzt für zwei leichtere Wanderschuhmodelle, die dadurch besonders leicht und atmungsaktiv werden und wasserabstoßend bleiben. Wasserdicht allerdings seien sie nicht, wird eingeräumt, das bleibe der Fußbekleidung mit der Membraneinlage (wie Gore-Tex) vorbehalten. Eine Softshell umschließt auch empfindliche und anormale Füße, ohne daß es unangenehm drückt, denn das Material läßt sich gut polstern und nahtlos verschweißen.
„iShirt“ für Handy & Co.
Der Bergsportausstatter Schöffel aus Schwabmünchen wird nächstes Jahr eine Jacke auf den Markt bringen, deren miteinander fest verschweißtes Dreilagenlaminat Gore-Tex XCR 3L das Gewicht auf gut ein Pfund begrenzt; sie ist damit fast so leicht wie eine aus dem Paclite-Material, aber wesentlich abriebfester und mit einem angenehmen Griff ausgestattet. Dieser Wetterschutz ist auf leicht gebaut, wie die Sportschneider sagen, und hat dementsprechend auch keine Handytasche. So etwas integriert Urban Tool neuerdings in sein "iShirt", wo entweder ein Taschentelefon, ein MP-3-Player oder ein iPod laut Ankündigung "sicher und funktionell" untergebracht werden kann; eine zusätzliche Schlaufe an der Schulter dient als Kabelkanal für die Ohrhörer.
Optimales Klima mit Nano-Unterwäsche
Der Sportler oder die Sportlerin weiß natürlich längst, daß die beste Jacke nichts nützt, wenn die Unterwäsche aus Baumwolle ist und deswegen zum bewährten "Zwiebelprinzip" nicht taugt. Aber nicht alle tragen gerne Funktionswäsche, denn durch ihre durchaus erwünschte Fähigkeit, Feuchtigkeit von der Haut zu nehmen und nach außen zu leiten, kann sie die Physiologie der Haut beeinträchtigen. "Die Haut darf nicht trocken sein", erklärt Professor Bodo Lambertz, Entwickler bei X-Technology Swiss im Schweizer Freienbach. Daß beim Sport manchmal Schweiß fließt, sei nichts Ungewöhnliches, denn dadurch könne der Körper seine Temperatur regulieren. "Wir fühlen ihn auch nicht", sagt er, "nur die mechanischen Reize", wenn die Unterwäsche an uns unangenehm kleben bleibt. Damit das nicht passiert und die Haut ihrer Funktion trotzdem nachkommen kann, hat Lambertz seine Unterwäsche X-Under Gear und die X-Socks entwickelt. Das ziemlich kompliziert konstruierte Unterzeug "kühlt, wärmt und trocknet, wo es soll"; das Gestrick mit Feuchtigkeitskavernen, Luftkammern und Klimakanälen soll unter jeder Belastung stets für eine angenehme Körpertemperatur von 37 Grad Celsius sorgen. Und weil natürlich nichts mehr ohne Nano geht, isoliert ein "NanoCore" - das ist die von Luft umschlossene Mikrofaser - den Körper wie die Doppelverglasung der Fensterscheiben. Schweißgeruch bekämpft "SkinNodor", indem es unnötiges Bakterienwachstum vermindert.
Mit dem Calometer gegen überflüssige Pfunde
Diese Bekleidung eignet sich natürlich für besonders schweißtreibende Sportarten wie das vor ein paar Jahren erstmals auf der Ispo präsentierte Nordic Walking (Wandern mit Skistöcken). Inzwischen frönen Millionen dieser Ausdauersportart, und vor allem die Skistockhersteller freuen sich über die Sommeranwendung ihrer Geräte. Leki kann seinen Speed Pacer Vario um zehn Zentimeter in der Länge verstellen und die Schlaufe vom Stock mit einem Handgriff lösen. Exel integriert auf dem rechten Griff einen sogenannten Calometer, der den Kalorienverbrauch anzeigen soll. Der integrierte Rechner zählt dazu den Druck des Stockeinsatzes und benötigt die jeweilige Schrittlänge. "Der Calometer ist nur effektiv, wenn die richtige Schrittechnik angewandt wird", sagt man bei Exel. Er löst auch einen Alarm aus, wenn der für einen persönlich eingestellte Index unter- oder überschritten wird. Aber das System solle, so dämpft Exel-Geschäftsführer Harald Bierbaumer die Erwartungen, sowieso "nicht hundertprozentig funktionieren". Es wird trotzdem vom Frühjahr 2006 an samt Stöcken zu 200 Euro angeboten werden.