06.02.2007 · „Dial4Light“ bringt den Bürgern von Lemgo das Licht. Per SMS können sie in abgelegenen Straßen die Laternen aktivieren. Dieter Grote im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über sein Projekt und den sensiblen Umgang mit Energieressourcen.
„Dial4Light“ bringt den Bürgern von Lemgo das Licht. Per SMS können sie in abgelegenen Straßen die Laternen aktivieren. Dieter Grote im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über sein Projekt und den sensiblen Umgang mit Energieressourcen.
Herr Grote, seit neuem muss man in Lemgo für die Straßenbeleuchtung bezahlen. Die Stadtwerke behaupten, das sei Ihre Idee gewesen. Wie sind Sie denn darauf gekommen?
Meine Frau hat das alles ausgelöst. Die hat sich, wie jede Mutter, seit Jahren Sorgen um die Sicherheit unserer Kinder gemacht. Wir wohnen hier im Außenbereich. Wir haben einen tollen Fahrradweg und eine tolle Beleuchtung, aber die Laternen gehen um 22.30 Uhr aus. Meine Frau hat mir immer schon gesagt: „Tu doch was!“
Und was haben Sie getan?
Ich habe mir überlegt, dass man die Möglichkeit schaffen müsste, das Licht auf den Straßen individuell einzuschalten. Damit Kosten und Nutzen in einem guten Verhältnis zueinander stehen. Ich dachte die ganze Zeit über eine Geldkarte nach. Aber als ich dann zufällig in einer Ausstellung einen alten münzbetriebenen Stromzähler gesehen habe, hat’s bei mir geklickt. Da kam mir die Idee, das Licht per Handy einzuschalten.
Und wie funktioniert das?
Man schickt eine SMS mit der Bezeichnung des Straßenzuges und der Uhrzeit, und zehn Sekunden später geht das Licht an – gesteuert wird das über ein Empfangsmodul, das in die grauen Schaltschränke eingebaut wird. Auf der Teststrecke, die wir eingerichtet haben, ist es dann fünfzehn Minuten lang hell. Das sind 30 Laternen auf 2,5 Kilometer. Den Nutzer kostet das 20 Cent, plus die Kosten für die SMS.
Muss man demnächst überall in Lemgo für die Beleuchtung zahlen?
Nein, auf gar keinen Fall. Geplant ist eine Ergänzung des bestehenden Angebots, das in den Außenbereichen, auf Sportplätzen und Parkplätzen aus Kostengründen schon vor ungefähr zehn Jahren zurückgefahren wurde.
Also wird die Innenstadt von Lemgo auch in Zukunft nachts ganz normal beleuchtet sein?
Davon gehe ich aus. Das finde ich auch ganz wichtig, wir wollen die Gemeinden ja nicht dazu animieren, das Licht auszuschalten. Es gibt allerdings jetzt schon Städte, die liegen nachts komplett im Dunkeln. Ich persönlich finde das nicht gut. Aber auch da könnte unser System Abhilfe schaffen.
Was sagen die Bürger von Lemgo zu „Dial4Light“?
Die, die das verstanden haben, finden, dass es eine tolle Idee ist. Die anderen sagen: Wir haben schon Steuern bezahlt, und jetzt sollen wir auch noch fürs Licht bezahlen?
Kann jeder, der ein Handy hat, das Licht einschalten?
Ja, man muss sich nur vorher bei den Stadtwerken registrieren lassen. Wir werden demnächst gemeinsam mit den Stadtwerken eine Firma gründen. Unser Ziel ist es, dass man irgendwann in ganz Deutschland die ausgeschaltete Straßenbeleuchtung per SMS wieder einschalten kann.
Sie glauben, dass andere Städte und Gemeinden ihre Idee aufgreifen könnten?
Absolut. Wir haben schon konkrete Anfragen aus mehreren großen Städten in Süddeutschland, auch aus kleineren Gemeinden und sogar aus dem Ausland, Spanien, den Vereinigten Staaten . . . Es ist unglaublich!
War es leicht, die Stadtwerke von ihrer Idee zu überzeugen?
Ja, ich hatte innerhalb von fünf Sekunden das Okay. Die haben gesagt: Warum sind wir da nicht selbst drauf gekommen? Aber ich sag’ mal so: So eine Idee wie ich haben vielleicht viele, aber man muss auch einen Partner haben, mit dem man das umsetzen kann. Dieser Weitblick der Geschäftsführung, den kennt man sonst doch nur aus den Vereinigten Staaten!
Kann man mit einer solchen Idee reich werden?
In erster Linie wollen wir was Positives für die Bürger tun und sensibel mit den Energieressourcen umgehen. Natürlich müssen wir auch was für unsere Arbeit haben, aber das ist nicht der Grund.