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Hufeisen Acht Hufe und das Ende der Eisenzeit

 ·  Es gibt viele Möglichkeiten, ein Pferd zu beschlagen, aber jeder Hufschutz hat seine Nachteile. Ein niederbayrischer Schmied hat mit wissenschaftlicher Gründlichkeit versucht, das zu ändern. Das Ergebnis überrascht.

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© von Siebenthal, Jakob Vergrößern Es gibt viele Möglichkeiten, ein Pferd zu beschlagen

Manche Erfahrungen sind erschütternd. Das spürt zum Beispiel, wer mit der Spitzhacke schwungvoll in Erdreich zielt, aber auf Granit trifft. Die hochfrequenten Schwingungen ziehen über Stiel und Arm bis in die Haarwurzeln, der nächste Streich wird dann vorsichtiger ausgeführt. Gesund ist so etwas auf die Dauer nicht.

Warum sollte es den Pferden anders gehen? Seit sie zum Transport verwendet werden, sinnt der Mensch darüber nach, wie er die Hufe vor übermäßigem Abrieb schützen kann, denn militärisch waren Pferde mit platten Füßen nicht zu gebrauchen. Die Ursprünge des Hufeisens liegen im Dunkeln, vermutlich haben es die Kelten erfunden. Das Eisen wird in der Form dem Huf angepasst und von unten befestigt. Dazu verwendet man Nägel, die an der Spitze einseitig angeschrägt sind, damit sie durch die Hufwand nach außen dringen und dort vernietet werden können. Daran hat sich seit 2000 Jahren nichts geändert, und so sind auch die Nachteile geblieben, mit denen der Verschleißschutz erkauft wird. Kein Fachmann bestreitet ernstlich, dass die Erschütterungen auf hartem Boden Gelenke und Sehnen belasten; tatsächlich endet die Arbeitstauglichkeit vieler Pferde vorzeitig wegen Erkrankungen des Bewegungsapparats.

Das ist ein guter Grund, das Ende der Eisenzeit auszurufen und nach Alternativen zu suchen. Unsere Versuchsträger heißen Sómi und Gráni, es sind zwei Islandpferde im besten Alter. Seit 15 Jahren sind sie weg vom Eisen und tragen Hufschutz aus modernem Material. Auf der Suche nach dem optimalen Beschlag haben wir ihnen Produkte von rund einem Dutzend Anbietern aufgenagelt.

Auswahl gibt es genug. Weil die Probleme des Eisens bekannt sind, hat es frühzeitig Versuche gegeben, anderes Material zu verwenden, von Leder über Holz bis hin zu Profilplatten aus Autoreifen. Ein kleiner Durchbruch ist erst in den siebziger Jahren mit den ersten „Hufeisen“ aus Polyurethan (PU) gelungen, einem Thermoplast, das für diese Verwendung einige Vorzüge hat: Es ist mit 100 bis 150 Gramm in kleinen Größen sehr leicht, ein „Eisen“ wiegt etwa 300 Gramm. PU lässt sich in beliebige Formen gießen, mit Heißluft verschweißen, bohren und schneiden. Vor allem aber ähnelt es in seinen Eigenschaften dem Hufhorn und schont deshalb die Gelenke.

Das Interesse der Hufschmiede war freilich anfangs gering; sie waren es gewohnt, Eisen zu erhitzen und mit dem Hammer zu formen. Die jüngere Generation ist da aufgeschlossener. Die Hersteller machen sich aber auf dem noch kleinen Markt gegenseitig die Kunden abspenstig; mit den Jahren sind viele gekommen und wieder verschwunden. Ihre Produkte sind im Grundsatz ähnlich, unterscheiden sich aber in Details. Nach unseren Erfahrungen haben sie die meisten Vorzüge und Nachteile gemein.

So sind sie alle hinten durch einen Steg geschlossen. Das ist für die Stabilität notwendig und willkommen, denn der Steg wirkt wie der Absatz am Stiefel. Am Rand überstehender Kunststoff wird abgeschnitten oder geraspelt. Die Eisen hingegen sind hinten offen, da die Enden nach der Form des Hufes gebogen werden. Falls ein Steg gewünscht wird, muss er angeschweißt werden. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit liefen die Pferde problemlos mit dem Kunststoff, vor allem auf hartem Boden war ihnen das Material spürbar angenehm. Am Ende der Beschlagsperiode von etwa sechs Wochen (dann ist es Zeit für eine Pediküre) hatte sich bei allen Modellen der Huf im hinteren Teil kaum abgenutzt. Das ist ein großer Vorteil gegenüber Eisen, das den Winkel des Hufes zum Boden mit der Zeit spitzer werden lässt; die vom Schmied vorgesehene optimale Stellung geht dabei verloren. Grund ist die Konstruktion des Hufes: Vorn ist er starr, in diesem Bereich wird genagelt. Hinten bewegt sich der Huf beim Aufsetzen auseinander und dämpft so den Stoß. Die Enden rubbeln dabei über das Eisen und nutzen sich viel stärker ab als auf Kunststoff.

Ganz überzeugen konnte uns indessen keines der Modelle. PU ist als Granulat in verschiedenen Härtegraden erhältlich. Wird vom Hersteller eine relativ harte Mischung gewählt, ist es schwierig, die Hufe zu reinigen, außerdem ist die Haftung auf manchen Böden nicht gut. Wenn der Kunststoff weich ist, halten die Nägel schlecht, und das Teil verformt sich mit der Zeit unter dem Huf. Falls das Pferd dazu neigt, sich beim Laufen mit den Hinterhufen den Beschlag vorn abzutreten, ist die weiche Ausführung wiederum im Vorteil, sie gibt nach wie ein Badezimmerschlappen. Hartes PU hält fast so lange wie ein Eisenbeschlag.

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