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Veröffentlicht: 06.02.2013, 10:27 Uhr

Förderplattformen Ohne Eismanagement kein Öl

In der Arktis schreitet die Exploration von Öl- und Gaslagerstätten weiter voran, mit neuen Risiken und Herausforderungen. Wie wird sich die Förderung von Kohlenwasserstoffen von anderen unterscheiden? Ein Überblick.

von Henning Sietz
© © Gary Braasch/Corbis Einsamer Vorbote der Arktis: Eine Plattform geht in Stellung, um mit Explorationsbohrungen neue Öl-und Gaslagerstätten zu erkunden

Seit etwa zehn Jahren arbeiten Ölmultis an neuen Techniken, die zunächst dazu dienten, die hohen Kosten der Offshore-Förderung von Öl und Gas zu senken. Es geht dabei vor allem um automatische Systeme, die nicht mehr auf Förderplattformen stehen müssen, sondern auf dem Meeresboden eingesetzt werden können. Die Entwicklung und Erprobung dieser ausgeklügelten Systeme ist in vollem Gang, ein Höhepunkt scheint noch lange nicht erreicht. Nun zeigt sich, dass sich die Anlagen sogar für die Arktis mit ihren extremen Anforderungen an Mensch, Maschine und Material eignen. Aber nun der Reihe nach.

Beschallen

Am Anfang steht der Schall - auch in der Arktis. Während früher bei der Suche nach Öl und Gas auf Verdacht gebohrt werden musste, der Fachmann spricht hier von „wildcats“, beschallen heute Spezialschiffe den Seeboden mit Luftkanonen. Das Echo wird mit Unterwassermikrophonen aufgezeichnet, die an einem breiten Fächer langer Leinen mitgeschleppt werden. Seismische Schalluntersuchungen sind kostspielig und aufwendig, die Schiffe ziehen ihre Schleifen monatelang ohne Unterbrechung. Aus den Rohdaten lassen sich mit speziellen Rechenprogrammen dreidimensionale Modelle des Seebodens gewinnen, die Einblick bis in viele 100 Meter Tiefe gestatten. Schichten, die mit gewisser Wahrscheinlichkeit Kohlenwasserstoffe enthalten, lassen sich recht gut erkennen, mehr noch: Man kann festlegen, wie potentielle Lagerstätten am besten anzubohren sind.

Explorieren

Nach jahrzehntelangen Auseinandersetzungen haben sich Norwegen und Russland 2010 auf eine gemeinsame Grenze der beiden Wirtschaftszonen in der Barentssee geeinigt. Danach setzte in diesem Seegebiet, vor allem im norwegischen Teil, eine geradezu hektische seismische Aufnahme des Meeresbodens ein. Allerdings sagt selbst das beste 3D-Modell nichts anderes, als dass eine Schicht mit bestimmter Wahrscheinlichkeit Kohlenwasserstoffe enthält. Wer Gewissheit haben will, muss bohren, mit einer Explorationslizenz. Bei deren Vergabe verpflichtet sich ein Unternehmen, in einer bestimmten Frist Explorationsbohrungen abzuteufen. Bleibt eine Bohrung „trocken“, kann das Unternehmen etwa 50 Millionen Dollar abschreiben. Ist sie aber „nass“, wird das Bohrloch zunächst wieder verschlossen. Mit einer Kampagne von mehreren Bohrungen in Folge erhalten Fachleute Aufschluss über die Mächtigkeit einer Lagerstätte. Dafür werden in der Arktis meist Plattformen vom Typ Halbtaucher (Semisubmersibles) eingesetzt, die auch bei höherem Wellengang ruhig in der See liegen.

Wer glaubte, Explorieren ginge einfach vonstatten, wurde durch das Beispiel von Shell in Alaska eines Besseren belehrt. Der Ölmulti wollte im vergangenen Jahr in der Tschuktschen-See und der Beaufort-See vor der Nordküste Alaskas eine Serie von Explorationsbohrungen niederbringen. Mehr als fünf Jahre lang hatte sich Shell darauf vorbereitet, mit Kosten von fast fünf Milliarden Dollar. Auf seiner Website www.shell.us (Stichwort „Alaska“) stellte der Konzern minutiös dar, wie umfangreich und wohldurchdacht die Risikoanalysen und technischen Vorbereitungen waren, zu jedem der Seegebiete gab es Dokumente mit Hunderten Seiten über Alarmpläne und Sicherheitsvorkehrungen. Eigentlich konnte nichts schiefgehen. Doch dann setzte eine Serie von Missgeschicken ein.

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