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Faltboote Vom Dachboden zurück aufs Wasser

Ein Schweizer am Niederrhein haucht alten Faltbooten neues Leben ein. Markus Heise in Willich arbeitet Gerüste auf und bezieht sie neu - alles in Handarbeit.

© Heise Vergrößern Aus Alt mach Neu: 20 bis 30 Stunden dauert die Herstellung einer neuen Faltboothaut.

Dachbodenfund, dieses typische ebay-Wort, verheißt meist nichts Gutes. Ein so angebotener Fotoapparat ist vermutlich nur noch verharzter Schrott, und ein Fahrrad mit Angabe dieser Provenienz wird vom Rost gerade noch zusammengehalten. Bei einem alten Faltboot hingegen lohnt es häufig, sich die Sache genauer anzusehen, gerade wenn die Bootsteile tatsächlich - und das manchmal mehrere Jahrzehnte lang - auf einem Dachboden gelegen haben. Sauber zerlegt und unbelastet, trocken, dunkel und gut belüftet, das ist nicht die schlimmste anzunehmende Lagerung für einen antiquarischen „Hadernkahn“.

Während heute auch Aluminium und Kunststoffe zu Faltbooten verbaut werden, haben ältere Exemplare so gut wie immer ein Gerüst aus Holz unter ihrer Haut. Deren Oberdeck besteht aus imprägniertem Baumwollstoff und der Rumpf aus einem wasserfest gummierten Gewebe, der sogenannten Silberhaut. Heute verwendet man ein Gemisch aus Natur- und Kunstkautschuk oder TPU, Thermoplastisches Polyurethan.

Gerüst überlebt den Erstbesitzer

Gerüst und Haut altern sehr unterschiedlich schnell. Die Haut verschimmelt, verrottet, versprödet bis zum buchstäblichen Zerbröseln entlang von Knickkanten. Das wasserfest lackierte Gerüst kann sich - vor allem bei feuchter und falsch belastender Lagerung - verbiegen. Aber in der Regel überlebt das Gerüst den Erstbesitzer. Und wird nackt vererbt, weil die erste Haut hin ist. Dass ein Gerüst mehrfach bezogen wird, das war schon beim Vorbild des Faltboots, dem Kajak und der Baidarka der Völker rund um den Polarkreis, so: Die Fellbespannung der Gerüste aus Holz und Knochen musste immer mal wieder erneuert werden.

So gehört das Anfertigen neuer Häute zu den Dienstleistungen der wenigen verbliebenen Faltboothersteller. Poucher Boote in Muldestausee etwa bietet an, auch Gerüste anderer Hersteller einzuschicken, um sie durch eine neue Haut wieder zu fahrtüchtigen Booten zu machen. Einer, der sich ganz darauf spezialisiert hat, ist der 55 Jahre alte Zürcher Markus Heise. In Willich betreibt er, der als Besitzer einer umfangreichen Privatsammlung rund ums Faltboot schon ganze Ausstellungen beschicken konnte, einen Bootsbaubetrieb (www.heise-faltboote.de). 20 Jahre lang hatte Heise Werkzeugmaschinen gewartet, in den achtziger Jahren paddelte er fünf Jahre in Kanada, und nach 1990 begann er zu sammeln: mit dem Schwerpunkt Klepper, aber ohne sich auf diese noch existierende Marke oder Boote zu beschränken. Heise sammelte alles: Gerüste mit und ohne verwitterte Haut genauso wie Zubehör, Literatur, Landkarten und die faltbaren Streckkarten von Alfred Heurich, dem Erfinder des modernen Faltboots. In Heises Bibliothek gibt es natürlich auch die schier zahllos erschienenen Anleitungen für den Selbstbau von Faltbooten. Schließlich war paddelndes Wanderfahren mal so etwas wie eine Trendsportart. Im goldenen Zeitalter des Faltboots, das sich von der Zeit zwischen den Weltkriegen bis in die 1960er Jahre erstreckte, gab es zahlreiche Hersteller, die sich gegenseitig in technischer Raffinesse und handwerklicher Qualität zu überbieten suchten. Neben alten, schön getischlerten Spanten und Bordwänden nehmen sich moderne Bootsgerüste geradezu plump und seelenlos aus.

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