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Fahrradzubehör Die Druckstelle

 ·  Gnadenlos sind sie, nach außen wie nach innen - Hosen für Radfahrer. Dabei können sie sogar richtig schick sein - und dennoch den Po schützen.

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© Hersteller Vergrößern Hosen-Hightech von den Trägern bis zu den Bündchen am Beinabschluss der Men’s Pro Bib Pants

Die Anschaffung war ein Moment von fast albtraumhafter Dramatik: Nein, und nochmals nein, nie, niemals werde sie ihren Po der Umwelt in einer Hose zeigen, die seine Form völlig entstelle und anderthalb Zentimeter auftrage, schrie die junge Frau. Der Verkäufer stand zitternd mit dem Rücken an dem Regal, in dem sich Radsporthosen stapelten, nicht nur in klassischem Schwarz, sondern auch in Mint, Pink, Creme und Weiß. Er hatte ziemlich mühelos ein Damenrennrad für knapp 2000 Euro verkauft, und angefangen vom Helm, über die Schuhe und das Trikot eine topmodische Komplettausrüstung für die Fahrerin zusammengestellt. Und nun drohte alles an dieser Hose zu scheitern. Die sollte und musste selbstverständlich anprobiert werden. Aber die - offenbar ihrem Freund zuliebe mit dem Rennrad einen ersten Versuch unternehmende - Person streckte nur den Kopf aus dem Vorhang der Umkleidekabine und keifte ihren Liebsten an. Der fragte völlig ruhig: „Kneift sie?“ - „Darum geht es nicht, sie ist völlig unmöglich!“ - „Doch, genau darum geht es. Wenn sie knapp sitzt, aber nicht kneift, nehmen wir sie.“

Klarsichtige, sogar und gerade solche, die seit Jahr und Tag in Radhosen unterwegs sind, werden geneigt sein, der jungen Dame recht zu geben: Unter dem Gesichtspunkt der Ästhetik sind Menschen in Radhosen bedenkliche Subjekte. Auf alle Fälle gilt das, wenn sie nicht auf dem Rad sitzen, sondern stehen oder gehen. Das liegt nicht nur an den Hosen selbst und ihrer - je nach Machart unübersehbaren - Polsterung, sondern auch an den Schuhen. Die haben unter der starren Sohle die „Cleats“ oder Schuhplatten, mit denen der Schuh auf dem Pedal fixiert wird. Die Schuhplatten kippen den Fuß so nach hinten, dass der Körper stehend und erst recht gehend eine kompensierende Haltung einnimmt. Man stakst mit rausgestrecktem Bürzel herum wie Donald Duck durch den Zeichentrickfilm und präsentiert der Mitwelt den gepolsterten und obendrein rundherum abgesteppten Hosenboden.

Ehrlich gesagt ist der Anblick des stehenden Radlers von vorn kaum weniger gewöhnungsbedürftig. In der hauteng meist drei Finger breit über dem Knie abschließenden schwarzen Hose kommt mann sich beim ersten Mal wie ein Ballett-Tänzer im kurzen Hemd und ohne Hasenpfote vor. Das wird leider mit den Jahren kaum besser, denn eine Radhose betont wegen ihres höher liegenden Bunds mitleidlos den geringsten Ansatz zum Bierbauch in geradezu obszöner Weise. Wie sich eine Radhose anfühlt, wenn man nicht Rad fährt, ermisst sich am ehesten daran, dass dieses Kleidungsstück gern für Glamourfotos verwendet wird: Das Model ist zwar bedeckt, aber eigentlich nackt, und genauso kommt man sich vor.

Dennoch: Die Hose des Radsportlers ist keine Reizwäsche, sondern Funktionskleidung, egal, ob sie bis zum Knie oder bis zum Knöchel reicht. Es gibt sie als Bundhose, mit angearbeiteten Trägern und auch als Einteiler fürs Zeitfahren. Der kann dann so aerodynamisch geschnitten sein, dass der Schweizer Anbieter Assos ausdrücklich darauf hinweist, dass der Anzug im Stehen unbequem wirken müsse, da er optimal nur sitze, wenn der Sportler in Vorlage geht. Früher einmal war die Hose aus Wolle, heute ist sie aus einem Kunstfaser-Materialmix, der den kühlenden Fahrtwind hindurchlässt und den Schweiß von der Haut wegtransportiert.

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