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Fahrrad-Computer Dem Navi steht der Wald im Weg

02.10.2011 ·  Ein Radfahrer irrlichtert über eine Straße, die zweifelsfrei Kraftfahrzeugen vorbehalten und autobahnartig ausgebaut ist. Wie kann so etwas passieren? Der Gute vertraut womöglich blind einem GPS-gestützt navigierenden Fahrrad-Computer.

Von Hans-Heinrich Pardey
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Der Versuch war - zugegeben - nicht ganz fair. Aber er entsprach dem, was jemand, der sich in seinem Auto längst an ein GPS-gestütztes Navigationsgerät gewöhnt hat, auch von einem Navi am Fahrradlenker erwartet. Das ausdrücklich für den Wanderer und den Radfahrer gedachte Falk Ibex 40 (“Dein Wegbereiter“) wurde ausgepackt und sein Akku über die Mini-USB-Buchse geladen. Zur Feierabendzeit wurde dem Gerät die Zielanschrift verfüttert sowie einige Kriterien der Routenfindung: Es sollte Straßen bevorzugen und keine Radwege, die Streckenführung durfte ruhig sportlich sein. Und schon ertönte diese von Neutralität und Zuwendung gleichermaßen triefende Therapeutinnen-Stimme: „Die Route ist berechnet.“

Erster kleiner Schock beim Blick auf das im dunklen Parkdeck hell leuchtende, im Sonnenschein aber wesentlich schlechter ablesbare Display (Format 5,4 × 7,3 Zentimeter): 3 Stunden 21 Minuten soll die Fahrtzeit betragen. Wenn Sehnsucht nach den Erzeugnissen des heimischen Herds, das richtige Rad und eine gute Tagesform zusammenkommen, lässt sich die öfter mit 30,8 Kilometer genau vermessene Strecke trotz Ampelstopps in knapp einer Stunde bewältigen.

Nützliches Wissen für Radfahrer

Aber da ist eine Strecke gemeint, die zu entwickeln Monate gebraucht hat, verbunden mit etlichem Kartenstudium im Messtischblatt-Maßstab 1:25 000 und mit vielen praktischen Fahrversuchen. Zu entscheiden waren dabei Fragen folgender Art: Lohnt es, eine 350 Meter kürzere Streckenvariante zu wählen, wenn sie als erheblich schlechtere Wegstrecke mit einem Straßenrad langsamer gefahren werden sollte? Oder: Ist einen Tag nach einem Wolkenbruch die Strecke über tiefer liegende Forstwege, die bei Trockenheit ordentlich stauben, schon wieder möglich? Sollte man auf der etwas mehr Höhenmeter abverlangenden asphaltierten Strecke bleiben?

Darin besteht die mangelnde Fairness gegenüber einem tumben kleinen Rechner, der nichts als seine paar Satelliten und ihre Daten kennt: Wie soll ein simples Kästchen am Lenker denn überhaupt etwas wissen vom - gelegentlich grauenvollen - Zustand hessischer Forst- und Wirtschaftswege? Und die aktuelle Verkehrslage kann es genauso wenig kennen wie den Pulsschlag der Pendlerströme, die zu bestimmten Zeiten ruhige Kreisstraßen dem zur Qual machen, der mit dem Fahrrad zur Arbeit oder nach Hause unterwegs ist.

Fehlinformationen machen wütend

Solches Wissen aber und noch ein paar Tricks mehr, das ist es, was im Alltag dem Radfahrer (und dem Wanderer ganz genauso) den Weg bahnt. Ein ortskundiger Autofahrer kennt im Zweifel bessere Schleichwege als das Navi. Auf zwei schmalen Reifen und per pedes kann jeder Strecken wählen und Dinge tun, die mit dem Auto völlig unmöglich sind. Man durchquert locker ein Haus, wo dieses einen gegen Autos mit Pollern verteidigten Durchgang hat. Man nimmt Treppen, einen Trampelpfad eine Böschung hinab, Fußwege entlang von Eisenbahnbrücken, und man schlüpft durch die Schikane am Ende einer Sackgasse ohne Wendemöglichkeit.

Mit einem Fahrrad wendet man nicht, man dreht sich ähnlich wie ein Fußgänger einfach herum. Doch wenn man wenden muss, hat man schon ein bisschen verloren. Denn zu Fuß und im Fahrradsattel ist die Umweg-Empfindlichkeit hoch: Fehlinformationen der Art „Folgen Sie dem Straßenverlauf für 150 Meter“ machen bloß wütend, wenn man diese Anweisung auf einer T-Kreuzung erhält, an der kein Straßenname und kein auf abknickende Vorfahrt hinweisendes Verkehrsschild so etwas wie diesen Straßenverlauf andeuten.

Auf direktem Weg zu Schnellstraße

Gleich in mehreren Punkten blamierte sich das „vielfach ausgezeichnete“ Navigationsgerät von Falk. Es ist ein Witz, der aus der Autowelt stammt, auf einem 2,50 Meter breiten, in beiden Richtungen befahrbaren Radweg angewiesen zu werden: „In 300 Meter bitte wenden.“ Worauf mitten auf freier Strecke unbedingt folgt: „Bitte wenden, jetzt bitte wenden.“ Wesentlich weniger witzig ist es, wenn einen die sanfte Stimme ungerührt auf eine Kraftfahrstraße abbiegen lässt, obwohl die Bundesstraße schon im Kartenbild als autobahnartig zu erkennen ist. Ein Navi für Fußgänger und Radfahrer sollte seinen Benutzer doch schleunigst von der Schnellstraße scheuchen. Stattdessen erhält man da Hinweise der Art „Dem Straßenverlauf 800 Meter folgen“ - weil da tatsächlich die nächste Anschlussstelle ist.

Erst wenn man sich längere Zeit wesentlich schneller bewegt, als sich das Falk-System offenbar einen Radfahrer vorstellen kann, kommt der Hinweis, das Outdoor-Navi sei nicht fürs Auto geeignet, man möge doch bitte langsamer als 50 km/h fahren. Mitte November bringt Falk das Ibex Cross für rund 450 Euro in den Handel. Das soll für die Navigation im Auto unter anderem mit Fahrspurassistent und TMC-Verkehrsinformationen wie auch als Outdoor-Gerät für Radler, Wanderer und die Freunde des Geocachings geeignet sein.

Die kleinen Supercomputer

GPS-Technik lässt sich am Fahrradlenker auf sehr unterschiedlichem Niveau nachrüsten. Es beginnt beim kleinen, 34 Gramm leichten Polar-G5-GPS-Sensor, der mit einer den Puls fühlenden Sportuhr kommuniziert, die Strecke aufzeichnet, Geschwindigkeit und Distanz misst, um eine Fahrt nachträglich am Computer nachvollziehbar zu machen. Aus den gespeicherten Daten macht separate Software ein Kartenbild und rechnet alles Trainingsrelevante durch.

Aufwendigere Geräte wie das zierliche Garmin Edge 800 (um 350 Euro), das nur wenig größere Xplova G3 (unter 250 Euro), das Xplova G5 (um 480 Euro) oder das noch größere Satmap Active 10 (um 400 Euro, alles Internetpreise) verbinden die Funktionen eines Fahrradcomputers mit der Navigation. Ohne Sensor und Speichenmagnet werden Geschwindigkeit und Strecke registriert und zu numerischen Angaben um- oder aber in ein Kartenbild hineingerechnet. Man hat einen Kompass und ein Thermometer am Lenker, man erfährt seine Durchschnittsgeschwindigkeit, das maximale Tempo, die erklommenen Höhenmeter und je nach Gerät auch - vermutlich motivierend gemeint - den Kalorienverbrauch. Im Navigationsmodus bekommt man gezeigt, wo man sich bewegt und gegebenenfalls ob man genau auf Kurs der voreingestellten Route ist. Die kann man sich mit nicht immer wirklich praktisch erscheinender Software selbst am PC erarbeiten und ins Gerät laden oder aber vom Gerät vor Fahrtantritt berechnen lassen.

Günstig ist nicht immer schlecht

Generell gilt für alle Geräte: So schön, wie das Kartenbild in der Werbung oder auf der Verpackung gezeigt wird, ist es nie. Auch voll aufgeblendet sind alle Displays nur im Schatten zu entziffern und während der Fahrt häufig gar nicht: weil das Fahrrad zu sehr rüttelt oder weil der Kartenausschnitt gerade mal wieder so verrutscht ist, dass sich Wichtiges nicht lesen lässt. Falk Ibex, Garmin Edge 800 und Xplova G5 rühmen sich ihrer berührungsempfindlichen Bildschirme. Ebendarum sind sie schlechter zu bedienen, weil sich die häufig auch noch kleinen Schaltflächen auf den Displays am Fahrradlenker viel schwieriger treffen lassen als die mustergültig großen Tasten des Satmap Active 10 oder die zwar kleineren, aber ausreichend weit auseinander plazierten des Xplova G3.

Von allen fünf Geräten hat in der Praxis ausgerechnet das preisgünstigste, mit dem kleinsten Display ausgestattete am besten gefallen. Das Xplova G3 hat eine simple, aber mit einem Handgriff zu bedienende Lenkerbefestigung. Es ist nicht das Schnellste, wenn es sich darum handelt, die Satelliten zu finden. Der Empfänger verliert auch bei geringster Abschattung schnell mal den Kontakt. Und gelegentlich wähnt sich das G3, ohne dass genauer klar wäre, warum eigentlich, neben der Strecke. Aber das passiert auch den anderen Geräten. Insgesamt aber ist die Bedienungslogik in all ihrer Schlichtheit konsistenter als die Fülle von Funktionen und vorinstalliertem Material in den anderen Geräten. Mit den mehreren hunderttausend Sonderzielen einschließlich Naturdenkmälern, mit den Tourenvorschlägen und dem Adressenmaterial, was etwa das Falk Ibex alles mitbringt, versucht das G3 erst gar nicht zu konkurrieren.

Das mit ANT+-Sensoren erweiterbare G3 nutzt das Kartenmaterial von OpenStreetMap. Das ist beim Planen wie unterwegs und bei der Nachbereitung keine schlechte Wahl. Die topographische Karte des Satmap im Maßstab 1:25 000, die man zu Hause gern zur Hand nimmt, lässt einen beim Radeln mit Tempo 30 eher erschrecken.

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Jahrgang 1949, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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