17.02.2009 · Ob Kühlschrank, Waschmaschine oder Geschirrspüler - überall begegnen dem Verbraucher beim Kauf von Haushaltsgeräten Energieetiketten, die einer Skala von A bis G folgen. Dieses System will die EU nun abschaffen und durch ein neues ersetzen.
Von Hendrik Kafsack, BrüsselDie europäischen Verbraucher müssen sich auf neue Etiketten für den Energieverbrauch von Haushaltsgeräten einstellen. Wie aus einem internen Arbeitspapier der Europäischen Kommission hervorgeht, will die Behörde das bekannte Energieetikett mit der Skala von A bis G faktisch abschaffen. Die EU-Behörde reagiert damit darauf, dass immer mehr Geräte so wenig Strom verbrauchen, dass sie das höchste Etikett A erhalten. Statt nur mit A sollen effiziente Geräte deshalb künftig durch eine Kombination von A und einer Zahl gekennzeichnet werden. Je höher die Zahl ist, desto effizienter wäre dann das Gerät.
Ein Kühlschrank mit dem Etikett A2 würde somit weniger Strom verbrauchen als einer mit dem Etikett A1, ein Trockner mit A3 wiederum wäre effizienter als einer mit A2 und eine Spülmaschine mit dem Etikett A4 effizienter als eine mit A3. Die Klassen B bis G gäbe es zwar weiter. Weil es schon heute wegen des technischen Fortschritts in Europa kaum noch Haushaltsgeräte gibt, die schlechter als C gekennzeichnet sind, dürfte es aber mittelfristig nur noch verschiedene A-Klassen geben.
Künftig auch für Fernseher, Kühlhäuser oder Wärmefenster
Das Energieetikett gibt es derzeit für Wäschetrockner, Lampen, Geschirrspüler, Backöfen, Kühlschränke, Waschmaschinen und Klimaanlagen. Künftig sollen aber auch Fernseher, Kühlhäuser oder Wärmefenster unter die entsprechende Regelung fallen. Der Ansatz ist einfach: Die effizientesten Geräte erhalten das Etikett A, diejenigen mit dem höchsten Stromverbrauch ein G.
Die Verbraucher sollen so beim Kauf am Aufkleber erkennen können, wie effizient ein Gerät ist. Da jedoch die Haushaltsgeräte zuletzt immer effizienter geworden sind - und eine Anpassung der Skala an den technischen Fortschritt in den Regeln nicht vorgesehen ist - gibt es in einigen Sparten heute keine lieferbaren Geräte mehr, die schlechter als „Energie-Klasse B“ sind. Im Jahr 2004 trugen 75 Prozent aller Spülmaschinen in Deutschland das Kennzeichen A. Bei Kühlschränken betrug der Anteil von Geräten mit einem Etikett, das schlechter als A war, im Jahr 2008 weniger 10 Prozent. Seit 2003 gibt es deshalb für Kühl- und Gefriergeräte schon die Zusätze „A+“ und „A++“. Auf diesem Ansatz baut der Kommissionsvorschlag nun auf.
Mitgliedsstaaten müssen den Vorschlang noch annehmen
Heftige Kritik an der geplanten neuen Skala üben Verbraucher- und Umweltschützer. Die klare Einteilung von A bis G werde so durch ein verwirrendes, nach oben offenes System ersetzt, sagt Edouard Toulouse vom EU-Umweltverband Ecos. Der Verbraucher könne die verschiedenen Geräte damit viel schwerer miteinander vergleichen. Zudem werde ihm suggeriert, dass jedes Produkt mit dem Etikett A besonders effizient sei. Dabei gebe es schon heute zwischen den Geräten mit den Kennzeichen A und A++ deutliche Unterschiede. So spare ein Gerät mit A++ im Vergleich mit einem A-Gerät jährlich rund 27 Euro Stromkosten.
Toulouse spricht sich deshalb dafür aus, die die Geräte in regelmäßigen Abständen neu einzustufen. Sie müssten dann nach einigen Jahren striktere Kriterien erfüllen, um ihr Etikett zu behalten. „Nur die besten 10 bis 15 Prozent eines Haushaltsgeräts dürfen ein A tragen“, sagt Christian Noll vom BUND, dem Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland. Die Europäische Kommission hält dem entgegen, dass es für die Unternehmen mit unnötigen Kosten verbunden ist, wenn ein Gerät bei einer Verschärfung der Kriterien von einer Klasse in eine andere B falle und damit ein neues Etikett erhalten müsse.
Die Mitgliedsstaaten müssen den Vorschlag der Kommission noch annehmen. Das soll noch im März geschehen. Bisher ist jedoch unklar, ob es die nötige Mehrheit dafür gibt.