Jedes Gramm wiegt. Diese kluge Erkenntnis folgend packen Wanderer nur das Notwendigste in ihre Rucksäcke. Trinkflaschen und Brotdosen sind heute Leichtgewichte. Und wer unterwegs auf heißen Tee oder Suppe nicht verzichten will, der kann sich aus einem Arsenal unterschiedlichster mit Gas, Flüssig- oder Festbrennstoff befeuerter Minikocher bedienen.
Ein solches Gerät sollte man dabei haben, wenn man partout nach der Schinkenstulle noch einen Espresso genießen will. Denn eine Heizquelle brauchen alle für das mobile Kaffeetrinken konzipierten Geräte. Wir raten daher davon ab, etwa die einer Kompakt-Luftpumpe ähnelnde Handpresso-Maschine Wild (www.handpresso.com) mit heißem Wasser aus der Thermoskanne zu betreiben.
Eine belastbare Crema entsteht nicht
Ein richtiger Espresso gelingt damit nicht, denn es muss zu viel vorgewärmt werden an dem etwa pfundschweren Gerät, das knapp 100 Euro kostet. Sowohl das kugelförmige, gläserne Wasserreservoir am Ende der Maschine als auch die bereitgestellte Tasse sollte man auf jeden Fall heiß durchspülen. Doch der Reihe nach: Durch mehrmaliges Pumpen wird der Betriebsdruck aufgebaut. 16 bar werden erreicht, mit denen dann das im zweiten Schritt eingefüllte Wasser durch einen zuvor eingelegten Kaffeepulverbeutel gedrückt wird. Dazu dreht man das Gerät um 180 Grad um seine Längsachse und drückt einen Schieber nieder.
Der Kaffee läuft dann in dünnem Strahl zügig heraus. Eine belastbare Crema entsteht nicht. Vielmehr bilden sich Schaumblasen, die bald in sich zusammenfallen. Erst wenn der Kaffeefluss vollkommen versiegt ist, sollte man den Kocher öffnen, andernfalls kann man sich erschrecken, wenn sich der Restdruck mit einem leisen „Plopp“ entspannt.
Der Schönling unter den Kaffeekochern
Den Anspruch, eine Crema zu entwickeln, hat der an ein glänzendes Brünnlein erinnernde und nur 250 Gramm schwere „Relags Espresso Maker Alu 1 Tasse“ (www.relags.de) erst gar nicht. Er will lediglich heißen Kaffee erzeugen wie sein großes Vorbild, die zehneckige Pezzetti-Alu-Kanne, die in keinem italienischen Haushalt fehlt. Das schafft der Winzling, arbeitet er doch nach dem gleichen bewährten Prinzip: Das nach dem Abschrauben des Oberteils unten in einen Tank eingefüllte Wasser bringt man zum Kochen. Der dabei entstehende Dampf erzeugt einen Überdruck und fördert so das Wasser durch eine weit nach unten ragende Filtertülle. Die ist mit Kaffeepulver gefüllt. Der Kaffee sprudelt. Der ist auf jeden Fall heiß.
Doch für wahre Espressopuristen ist er nur eine Notlösung, liegt die Wassertemperatur doch über der für eine schonende Extraktion wichtigen Marke von 90 Grad. Mit diesem Manko muss auch der Schönling unter den Kaffeekochern für unterwegs, die verchromte Espressomaschine RS07 von Alessi, leben, deren auf eine Herdplatte angewiesener Vorläufer bereits 1979 von Richard Sapper entworfen wurde. Wie bei Pezzetti wird auch bei Alessi mit einem dampfinduzierten Überdruck gearbeitet. Fortschrittlich ist beim mobilen Modell die „unterschnallbare“ Elektroheizung. Über ein integriertes Kabel kann sie mit der Hotelzimmersteckdose oder dem Adapter des Campingplatzes verbunden werden. Ein Thermostat übernimmt das Abschalten, sobald der Kaffee fertig ist, so dass die Maschine nicht überhitzt werden kann.
Einen Ausweg zum vollen Genuss gibt es
Gewicht und Preis empfehlen den Einsatz in gepflegtem Umfeld. Dafür spricht auch die Aufmachung. So wird die Alessikanne in einem schwarzen Segeltuch-Tragetäschen geliefert, in dem sich auch zwei Mokkatassen, Untertassen, Löffel und eine kleine Dose Kaffeemehl befinden. Mit diesem „Espresso in der Tasche“ muss man jedoch nicht unbedingt nach Italien fahren, wo für billiges Geld fast in jeder Bar ein ansprechendes Produkt serviert wird.
Dieses Selbsthilfepaket kommt besser in Kaffee-Notstandsgebieten zum Einsatz. Hier lässt sich leichter der Nachteil wegdrücken, mit den mobilen Geräten im besten Fall einen schmackhaften, heißen Kaffee, aber eben keinen Crema-geschmückten Espresso herstellen zu können. Doch einen Ausweg zum vollen Genuss gibt es: Man kocht sich einen Cappuccino, den erforderlichen Milchschaum stellt ein Leichtgewicht aus Aluminium her: der Tuttocrema von Bialetti, mit dem man auch Eischnee und Schlagsahne zubereiten kann.
