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Entlüftungsventile Wenn die Heizung gluckert und klopft

09.02.2009 ·  Sie nennen sich selbsttätige Entlüftungsventile. Ihre Aufgabe: Luft aus dem Heizwasserkreislauf zu verbannen. Damit sie zuverlässig funktionieren, müssen ihre Quellscheiben-Dichtungen regelmäßig getauscht werden - was die wenigsten tun.

Von Georg Küffner
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Luft hat im Heizwasserkreislauf nichts verloren. Nicht nur, weil die mit dem Heizwasser durch die Rohrleitungen gepumpten Luftblasen störende Geräusche verursachen. Ungeliebt ist Luft in der Heizung auch, weil die Radiatoren so nicht komplett mit Wasser gefüllt sind, teilweise kalt bleiben und die Wohnstuben nicht richtig warm werden. Zudem wirkt der Sauerstoffanteil der „Fehlluft“ zerstörerisch. Die Innenwände von Heizkörpern und Rohrleitungen korrodieren - wenn auch nur ein wenig. Aber über die Jahre lässt Luft im Heizkreislauf die Anlage deutlich schneller altern, als es bei einem hermetisch geschlossenen und damit luftfreien Heizsystem der Fall wäre.

Luft in der Heizung ist (wie überhöhte Körpertemperatur beim Menschen) ein Indiz dafür, dass etwas nicht stimmt. Und dabei gilt: Je mehr Luft in das System gedrungen ist, desto größer ist der Defekt, wobei die Ursachen sehr unterschiedlich sein können. So wird bei Altanlagen, die noch nicht mit einer der heute vorgeschriebenen „automatischen Nachfüllanlagen“ ausgerüstet sind und die wie eh und je mit einem Schlauch befüllt werden, oft der Fehler gemacht, dass der Schlauch nicht vollständig mit Wasser gefüllt wird, bevor man die Verbindung zur Heizung herstellt. Tut man das nicht, wird mit dem Nachfüllwasser unweigerlich Luft in das System gepumpt.

Mikroblasen verschlechtern die Wärmeabgabe

Eine weitere Ursache kann ein zu kleiner Ausgleichsbehälter sein, den jede Heizung hat und der dafür sorgt, dass das Volumen des Heizwassers, das sich wegen schwankender Wassertemperaturen ändert, aufgenommen wird. Ist er zu schwachbrüstig ausgelegt, baut sich beim Abkühlen des Heizwassers, etwa während der Nachtabsenkung, ein Unterdruck auf, der so groß werden kann, dass die Heizung durch schlecht sitzende Muffen und Verschraubungen Luft zieht. Zum „Einschnüffeln“ von Luft kann es auch kommen, wenn man sich einer zu leistungsstarken Umwälzpumpe bedient. Immer dann, wenn die Pumpe startet, baut sich hinter ihr im Heizwasserstrang ein Unterdruck auf, der im ungünstigsten Fall ausreicht, Luft ins System zu ziehen.

Im Heizwasserkreislauf treten jedoch nicht nur „Großblasen“ auf. Solange sich Luft in dem System befindet, bilden sich im Wasser unweigerlich sogenannte Mikroblasen. Die sind mikroskopisch klein, und ihre Konzentration hängt ganz von der Temperatur des Heizwassers ab. Diesen Zusammenhang hat bereits der englische Naturwissenschaftler W. Henry (1774 bis 1836) erkannt, als er ermittelte, dass in einem Kubikmeter zehn Grad kalten Wassers rund 25 Liter Luft gelöst sein können, während 50 Grad warmes Wasser nur etwa zehn Liter Luft aufnehmen kann. Auch diese Mikroblasen sind unerwünscht, wirken sie sich doch negativ auf die Strömung im Wasserkreislauf aus. Zudem wird die Wärmeabgabe verschlechtert, und es besteht die Gefahr, dass die Lager der Umwälzpumpe nicht mehr ausreichend vom Wasser geschmiert werden.

Zirkulationspumpen, die auch Fehlluft abtrennen

Die Luft muss raus aus dem Heizungswasser: Große Blasen bekämpft man mit sogenannten (automatischen) Schnellentlüftern, die in der Regel unmittelbar hinter dem Kessel im Vorlaufstrang sitzen und die stets dann kurz öffnen, wenn im zylindrischen Bauch des wenige Zentimeter hohen Entlüfters ein Schwimmer von der sich hier sammelnden Luft niedergedrückt wird. An der gleichen Stelle sitzen auch die Mikro-Luftblasen-Abscheider. Sie erzielen hier die größte Ausbeute, denn heißes Wasser hat das geringste Gaslösungsvermögen, so dass ein Maximum an Luft abgeschieden werden kann. Dazu sind die Mikroabscheider mit einer Art Stahlwolle gefüllt, oder es sitzen in ihrem Innern mehrere Rippenrohre dicht beieinander, so dass sich große Oberflächen und damit gute Anlagermöglichkeiten für die Luftbläschen ergeben. Und auch das gibt es: Zirkulationspumpen, die nicht nur Wasser fördern, sondern auch die Fehlluft abtrennen. Sie nutzen dazu die Fliehkräfte, die in ihrem Inneren beim Beschleunigen des Wasser- Luft-Gemischs auftreten.

Deutliche trivialer läuft das Entlüften der Heizkörper ab. Immer dann, wenn das Geglucker überhandnimmt und die Radiatoren nicht mehr warm werden, kann man das oben am Heizkörper gegenüber dem Thermostatventil sitzende Entlüftungsventil öffnen, vorausgesetzt, man hat den dazu notwendigen „Außen“-Vierkantschlüssel zur Hand. Doch Vorsicht: Zuvor sollte man die Umlaufpumpe gestoppt und einige Minuten gewartet haben, so dass sich möglichst alle Luft in den Radiatoren sammelt und sich nicht mehr in den Steigleitungen befindet. Öffnet man jetzt den Hahn, strömt erst zischend Luft aus, die sich immer mehr mit dem dreckig-schwarzen Heizungswasser anreichert. Sollen Wände oder Teppichboden nicht in Mitleidenschaft gezogen werden, empfiehlt es sich, einen Lappen oder ein Auffanggerät bereitzuhalten.

Selbsttätige Entlüftungsventile erfüllen nicht immer ihre Aufgabe

Dieses Handentlüften der Heizkörper, so die Idee, wird überflüssig, wenn man sich die immer beliebter werdenden „selbsttätigen Entlüftungsventile“ an die Radiatoren schraubt. Seit sie nicht nur in Baumärkten, sondern auch bei Lebensmitteldiscountern in den Regalen liegen, ist ihre massenhafte Verbreitung kaum noch zu stoppen - wobei sie nicht überall auf Begeisterung stoßen. So mancher Installationsbetrieb fürchtet gar den Auftrag, zwei oder drei dieser wenige Euro teuren Dinger einbauen zu müssen. Denn wie die Erfahrungen gezeigt haben, erfüllen diese Automatikentlüfter nicht immer (auf Dauer) zuverlässig ihre Aufgabe. Sie werden mitunter undicht, Heizungswasser tritt aus, oder Luft wird in das Heizungssystem gezogen. Passiert das innerhalb der Gewährleistungsfrist, muss der Installateur nachbessern, ohne dafür Geld nehmen zu können.

Drei Anbieter von Automatikentlüftern gibt es momentan. Alle drei nutzen das gleiche Prinzip: Herzstück ist stets eine aus Zellulose bestehende Quellscheibe, die, wenn sie nass wird, ihr Volumen in wenigen Sekunden deutlich vergrößert. Sie ist dafür zuständig, dass kein Wasser aus dem Heizkörper austritt. Sammelt sich jedoch Luft vor der Scheibe, trocknet und schrumpft diese, und die Luft kann entweichen. So weit das Prinzip. Doch es empfiehlt sich das Lesen des Kleingedruckten: So findet sich bei dem von uns näher betrachteten Entlüftungsventil des Armaturenherstellers Caleffi der Hinweis, dass die Scheibe einmal je Heizperiode gewechselt werden sollte, da ihre Quelleigenschaften sich verschlechtern. Dazu muss lediglich eine aufschraubbare Kartusche gewechselt werden. Eine Kugel, die von einer Feder gegen die Auslassöffnung gedrückt wird, schließt das Ventil während des Wechselvorgangs ab.

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Jahrgang 1947, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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