Um möglichst wenig der teuer erkauften Raumwärme nach außen entweichen zu lassen, werden Häuser immer stärker gedämmt. Dazu werden vor die Außenwände Steinwollematten oder Kunststoffplatten geklebt, ein Verfahren, das für die Fenster nicht taugt, denn durch die will man ja weiterhin sehen können. Daher sind die Fenster die energetischen Schwachpunkte eines Hauses, mit denen man leben muß Minimieren lassen sich die negative Auswirkungen auf das Familienbudget durch eine Vielfachverglasung oder durch Auftragen von metallischen Wärmeschutzschichten auf das Glas.
Doch es gibt noch einen anderen Weg, wie die Kirrlacher Glasmanufaktur Andreas Herzog GmbH aus Waghäusel (www.glas-herzog.de) demonstriert: die Glasscheiben-Fensterheizung Glastherm. In ihre Doppelverglasung ist eine Heizung integriert, und es ist nicht nur möglich, (sehr angenehm empfundene) Strahlungswärme in den Raum zu leiten, sondern mit den nur innen warmen Scheiben erzielt man auch eine Dämmwirkung, die den Wärmeverlust nach außen reduzieren hilft. Wie Filip Roosemont, bei Glas-Herzog für dieses "Spezialprodukt" zuständig, sagt, liegen dank dieses Doppeleffekts die Betriebskosten der Fensterheizung um fünf bis zehn Prozent unter denen einer konventionellen Gas- oder Ölheizung. Wobei er nicht verschweigt, daß die Investitionskosten der Glasheizung über denen einer herkömmlichen Konvektionsheizung liegen. Für einen Quadratmeter Fensterheizung muß man nach den Angaben von Roosemont rund 460 Euro rechnen. Um einen 25 Quadratmeter großen Raum über die Scheiben zu beheizen, benötige man sieben Quadratmeter Fensterfläche.
Im sonnigen Südeuropa beliebt
Trotz des vergleichsweise hohen Anschaffungspreises werden in Ländern wie Portugal und Spanien Fensterheizungen recht häufig eingebaut. Denn in wärmeren Regionen sei es, erläutert der Herzog-Mitarbeiter, nicht wie hierzulande erforderlich, für sehr kalte Winterwochen eine Zusatzheizung vorzuhalten. Wo man im Zuge eines Neubaus an die Installation einer Glasheizung denke, sei es empfehlenswert, die Grundlast einer eher schwach dimensionierten Fußbodenheizung zu überlassen und die Heizspitzen den Fenstern zu übertragen. Für diese Lösung spreche auch die schnelle Regelbarkeit der Glasheizung, sie sei innerhalb weniger Minuten auf Betriebstemperatur. Die Scheiben sind dann 40 Grad "handwarm"; verbrennen kann man sich nicht.
Bei der Herzog-Glasheizung handelt es sich um eine elektrische (und wegen des schlechten Wirkungsgrads der Stromerzeugung wenig geliebte) Widerstandsheizung. Ihr technischer Clou liegt in einer speziellen, aus mehreren Lagen bestehenden Metallschicht, die im Vakuum auf das Glas aufgetragen wird. Die Rezeptur sei "Firmengeheimnis", sagt Roosemont, und sie ermögliche, daß genau der elektrische Widerstand aufgebaut werde, der die gewünschte Heizleistung von 250 Watt je Quadratmeter ergebe und zudem die Dimensionierung der Anschlußkabel im normalen Maßstab halte.
Individuelles Maß
Die Glastherm-Scheiben können in unterschiedlichen Größen von bis zu zehn Quadratmeter nach den Vorgaben der Architekten und Hausherren gefertigt werden. In Abhängigkeit von ihrer Größe wird jeder Scheibe eine "individuelle" Spannung zugeordnet, die über einen Transformator aus der Netzspannung erzeugt wird. Bei großen Scheiben liegen 230 Volt an, bei kleinen weniger. Das Regeln der Raumtemperatur ist recht simpel gelöst: Je nach Wärmebedarf werden die Scheiben durch Ein- und Ausschalten des Stroms unterschiedlich lange mit Strom versorgt.
Mit einem Wärmedurchgangskoeffizienten von 1,2 (Watt je Quadratmeter und Grad Kelvin) erreichen die Herzog-Heizscheiben Dämmwerte der heute üblichen Wärmeschutzverglasungen. Sollen sie zudem einen Beitrag zum Abhalten von Sonnenwärme leisten, können sie mit einer filigranen Jalousie ausgerüstet werden, die zwischen den beiden Glasscheiben eingebaut und von einem 24-Volt-Gleichstrommotor auf- und abbewegt wird, außerdem können die Lamellen gekippt werden. Da die Jalousie von beiden Seiten durch Glas geschützt ist, kann sie nicht verschmutzen, auch starker Wind kann ihr nichts anhaben.
Daß es künftig Sonnenschutzsysteme geben wird, die ohne Fremdenergie auskommen, zeigen Versuche, die zur Zeit am Freiburger Materialforschungszentrum (FMF) und im Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) unternommen werden. Man arbeitet dabei mit einem sogenannten photochromen System, bei dem eine Verdunkelung durch eine Erhöhung der Teilchendichte in einer auf das Glas aufgebrachten Wolframoxydschicht erreicht wird. Das Neue daran ist, daß die Energie für Elektronenwanderung, welche die Teilchendichte ändert, durch in das System integrierte Solarzellen geliefert wird. Der Grad der Verdunkelung kann gesteuert werden, so daß, wenn zur Mittagszeit besonders viel Wärme abgehalten werden soll, die Räume nicht völlig dunkel werden.
