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Elektrischer Cayenne E-Mobile als Stromspeicher

12.06.2010 ·  Weil Stromautos wegen ihrer begrenzten Reichweite vor allem in Städten und auf kürzeren Strecken eingesetzt werden, können sie zu einem temporären Stromspeicher werden. Davon profitieren Energieversorger mit Windkraft- oder Solaranlagen.

Von Gerd Gregor Feth
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Ein weißer SUV irritiert im Münchner Stadtteil Neuperlach, der regelmäßig das zentrale Forschungszentrum von Siemens verlässt und täglich wieder heimkehrt - ganz ohne Emissionen und völlig lautlos. Er trägt die Gestalt eines Porsche Cayenne, wird intern "Stormster" genannt, und als Markenemblem steht seitlich "Siemens Ruf - electric car".

Alois Ruf aus Pfaffenhausen bei Mindelheim ist dafür bekannt, einen schnellen Porsche noch schneller zu machen; neuerdings elektrifiziert er das eine oder andere Modell mit der Technik von Siemens. Außen wie innen ist es ein Porsche Cayenne, und er fährt sich auch so. Das Zündschloss sitzt natürlich links, doch mit dem Schlüssel wird nichts gezündet: Vielmehr startet er einen Elektromotor, der mit einer Leistung von 270 kW (367 PS) und einem maximalen Drehmoment von sage und schreibe 920 Newtonmeter schon vom Stand weg aufwarten kann. Besonders bei niedrigem Tempo geht der Antrieb souverän mit dem leer immerhin 2680 Kilogramm schweren Wagen um. Das hohe Gewicht rührt von den vier Batteriekästen her, die zusammen 370 Kilogramm wiegen und unter der Kofferraumabdeckung eingebaut sind, üblicherweise der Platz fürs Reserverad.

Diese Lithium-Ionen-Akkumulatoren können 52 Kilowattstunden (kWh) speichern, womit dieses Demonstrationsfahrzeug - erklärt man jedenfalls bei Siemens - "eine durchschnittliche Reichweite von rund 180 Kilometer" habe. Nach welcher Norm sie gemessen wird, ist nicht kommuniziert. Es gilt aber: Stadtfahrten mit Bremsphasen, wo rekuperiert (nachgeladen) werden kann, verlängern die Reichweite; schnelle Autobahnfahrten - bei der für den Cayenne eher gemächlichen Höchstgeschwindigkeit von 150 km/h - ziehen viel Strom aus der Batterie. Flotte Bergfahrten mit eingeschalteter Klimaanlage oder Heizung kosten ebenfalls viel zusätzliche Energie und dürften ein früheres Nachladen nötig machen. Nach erfolgten Messfahrten werden die Energiespeicher in der Neuperlacher Siemens-Garage mit 400 Volt/16 Ampère (11 kW) nachgeladen. Siemens ist klar, dass die Batterien kaum die Energiedichte von einem Tank voll fossilem Kraftstoff erreichen werden, wohl aber soll sich ihr Preis einmal auf ein Viertel reduzieren und die Ladezeiten spürbar kürzer werden. Bei neuen Synchronmaschinen seien bestenfalls evolutionäre Entwicklungsschritte zu erwarten, erklärt Tilo Moser vom Siemens-Entwicklungsteam. Wohl aber seien die "intelligenten Netze" zum schnellen Nachladen von Elektromobilen ein Forschungsschwerpunkt des Hauses. Man sucht vor allem Antworten auf die Frage, wie sich Elektroautos mit ihren Energiespeichern optimal in Stromnetze einbinden lassen.

Weil Stromautos wegen ihrer begrenzten Reichweite vor allem in Städten und auf kürzeren Strecken eingesetzt würden, sollten sie, sobald sie parken, quasi zu einem temporären Stromspeicher werden, aus dem dann Energie für stationäre Anwendungen gezogen werden könne. Beispiel: Wenn im Parkhaus eines Unternehmens tagsüber einige hundert E-Fahrzeuge am Netz hängen, können ihre Batterien in dieser Zeit als Zwischenspeicher gut genutzt werden. Man weiß, dass etwa 90 Prozent aller dieser Autos erst wieder gegen Abend bewegt werden.

Davon profitieren vor allem die Energieversorger, die beispielsweise über Windkraft- oder Solaranlagen nicht permanent mit der gleichen ökologisch erzeugten Strommenge versorgt werden; der Stromverbrauch ist auch nicht kontinuierlich über den Tag verteilt. Also könnten Angebot und Abnahme von elektrischer Energie mittels parkender Elektromobile ausgeglichen werden. Der Autofahrer kann über "intelligente" Abrechnungssysteme stets den günstigsten Strom "zapfen".

Einen Nachfolger für die elektrische "Victoria" aus dem Jahr 1906 wird es von Siemens freilich nicht geben (von einem musealen Nachbau abgesehen). Das Unternehmen wird elektrische Antriebe anbieten, die dann Autohersteller einbauen.

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