05.01.2009 · Der Blick junger Industrie-Designer auf Haushaltsgeräte offenbart ganz neue Einsichten. Hersteller Electrolux förderte das bereits zum sechsten Mal mit einem Wettbewerb: 600 Studenten aus 49 Ländern haben sich daran beteiligt.
Von Monika SchrammDie endlosen Diskussionen darüber und der Ärger sind allen bekannt, die einmal in einer Wohngemeinschaft mit gemeinsamer Küchenbenutzung gelebt haben: Wer hat mir den Käse geklaut, wer macht den Kühlschrank sauber und wem gehört das schimmelige Zeug darin? Schließlich passen selten vier Geräte in die Küche, damit jeder sein eigenes hat. Aber warum eigentlich nicht?
Es muss ja nicht Familienformat haben und kann anders aussehen. Zum Beispiel wie der Sieger-Entwurf beim Electrolux Design Lab 2008, der zum sechsten Mal stattfand und angehenden Industrie-Designern eine Plattform für ihre Ideen bot. 600 Studenten aus 49 Ländern haben sich daran beteiligt.
Ein stapelbarer Kühlschrank
Sie sollten Geräte entwerfen, die zwei bis drei Jahre in die Zukunft reichen, also keine unrealistischen Fingerübungen abliefern, und zwar zu den Themen Lebensmittelaufbewahrung, Kochen und Waschen. Dabei sollten die Lebensformen der flexiblen sogenannten Internet-Generation berücksichtigt werden, sowie deren Bedürfnisse nach Mobilität, Unterhaltung und Technik. Der Österreicher Stefan Buchberger hat seine leidvollen Erfahrungen in einer gemeinsamen Küche in Form des „Flatshare“ verarbeitet.
Sein Kühlschrank besteht aus einer Basisstation und maximal vier Modulen, die man darüber stapelt. Jedes gehört einem Mitbewohner, ist verschließbar und mit Hilfe von Griffen auf jeder Seite schnell abtransportiert. Wer umzieht, nimmt es mit und schließt es in der nächsten Wohnung wieder an eine Basisstation an. Diese Lösung ist so praxisgerecht und sinnvoll, dass man sich fragt, warum nicht längst jemand auf diese Idee gekommen ist.
Eine Kombination von Wäschekorb und Waschmaschine mit PC-Anschluss
Auf den zweiten Platz setzten die Juroren den iBasket, eine Kombination von Wäschekorb und Waschmaschine mit PC-Anschluss. Statt Schmutzwäsche zu sammeln und dann irgendwo in einer Maschine zu waschen wirft der iBasket-Besitzer alles in den durchsichtigen Korb, der automatisch zu waschen anfängt, wenn er voll ist. Das drahtlos ferngesteuerte Multifunktionsmaschinchen lässt sich vom PC aus überwachen, und dort verbringt der moderne Mensch ohnehin die meiste Zeit des Tages.
Die Idee stammt von einem chinesischen Studenten, der das Lebensgefühl seiner Generation so beschreibt: „Wir arbeiten für unsere Träume und haben weder Zeit noch Lust, uns um unsere Wäsche zu kümmern.“ Dem könnten sich wahrscheinlich auch hierzulande viele „Haushaltsarbeiter“ anschließen.
Ein Kochtisch auf Rädern
Dass das Thema Kochen in Frankreich einen hohen Stellenwert hat, ist nichts Neues, aber ein Student aus Nantes hat es mit dem Bedürfnis nach Mobilität kombiniert. Mit seinem „Coox“, einem variablen Kochtisch, kann der Besitzer an jeder Stelle des Hauses, auf der Terrasse oder dem Balkon kochen und essen. Je nach Raum sei er als Erweiterung von Ess-, Kaffee- oder Schreibtisch gedacht. Der Ansatz des jungen Manns war, die Nutzungsmöglichkeiten eines Tischs zu vergrößern.
Coox kann je nach Aufstellort in der Höhe angepasst werden, er lässt sich überall hinrollen und an die nächste Steckdose anschließen. Gekocht wird mit Induktion, es gibt immerhin drei Kochplatten im Keramikfeld, eine Ecke zum Warmhalten ist ebenfalls vorhanden.
Haushaltlich hantieren, ohne sich vom PC zu entfernen
Wie sehr die Realität die gedankliche Richtung beeinflusst, zeigt eine weitere prämierte Idee, die ein junger Koreaner angesichts der Wohnsituation in Tokio entwickelte: Wer in einem winzigen Appartment lebt und meist vor dem Computer sitzt, wird außer einfachen Gerichten kaum etwas kochen.
Das kann er mit der „Drawer Kitchen“, eine Kombination aus Kochfeld, Schublade für Geschirr, Kühlfach und Essplatz, auf der Grundfläche eines Aktenschranks. Hier kann er hantieren, ohne sich weit von seinem PC zu entfernen. Leider ist weder die Minispülmaschine noch ein Müllschlucker eingebaut.
billige Einkaufsstrategie fürs Design
Ronald Glas (soondecember)
- 05.01.2009, 16:01 Uhr