18.06.2010 · Bässe wuchtet er souverän, lässig, trocken und präzise ans Ohr, Höhen glitzern und funkeln förmlich wie blank poliert. Und durch seine Qualitäten auch in den leisen Tönen zählt die Edition8 zweifellos zur Champions League der Hörgeräte.
Von Wolfgang TunzeIm Glas ein teures Destillat schottischer Provenienz, im CD-Spieler Symphonisches von Gustav Mahler, auf den Ohren ein Kopfhörer aus dem Hochadel der Elektronik: Was können einem da Wirtschaftskrise, Hochwasser und Koalitionsgenörgel noch anhaben? Geeignete Utensilien, was den Kopfhörer-Part betrifft, fanden wir in den vergangenen Monaten vor allem bei Sennheiser und Beyerdynamic, deren Konstrukte HD800 und T1 uns nachhaltig begeisterten. Jetzt will ein weiterer deutscher Hersteller, der bayerische Kopfhörer-Spezialist Ultrasone, in dieser Liga mitspielen. Mit seinem jüngsten Spitzenmodell, Edition8 genannt, liegt er preislich sogar oberhalb unserer bisherigen Favoriten: Rund 1200 Euro.
Was bekommt der Musikgenießer dafür? Ein handgefertigtes Hörgerät, das seine Klasse schon mit seiner prominent angebrachten Seriennummer andeuten möchte. Das gesamte Äußere des Hörers setzt eindeutige Signale: Ungewöhnlich weiche, feine Lederpolster von Tragebügel und Hörkapseln fühlen sich großartig an, Bügel- und Verstellelemente aus matt gebürstetem Aluminium strahlen Solidität aus. Der ins Bräunliche tendierende metallische Glanz der Hörkapseln gehen auf das Konto einer kostspieligen Beschichtung: Ultrasone lässt hier eine dünne Schicht des seltenen Metalls Ruthenium aufbringen, ein dem Platin verwandtes Material.
Der Klang soll wirken, als käme er von vorn
Perforationen zeigen die glänzenden Flächen nicht; das bedeutet: Die Edition8 zählt zur Gattung der geschlossenen Kopfhörer, die ihre Träger vollständig von der Außenwelt abschirmen und so grundsätzlich ein noch etwas intimeres Hörerlebnis vermitteln als die weit verbreiteten halboffenen Exemplare, zu denen auch die Modelle von Sennheiser und Beyerdynamic zählen. Die Wandlerelemente im Inneren der Hörkapseln sitzen nicht in der Mitte, sondern nach unten und nach vorn versetzt. Ultrasone nennt diesen Kunstgriff S-Logic; er ist allerdings nicht wirklich originell: Auch andere Hersteller plazieren die Wandler-Einheiten exzentrisch, um damit, so gut es geht, die berüchtigte kopfhörertypische „In-Kopf“-Lokalisation zu vermeiden und das Klangbild eher wirken zu lassen, als käme der Schall von vorn. Ein anderes Konstruktionsdetail aber darf Ultrasone als exklusives Merkmal auflisten: Der Hersteller schirmt den Magnetantrieb mit Mu-Metall (Nickel-Eisen-Legierung) ab, um die niederfrequenten magnetischen Wechselfelder von den Ohren fernzuhalten. Ob das zu Gesundheit und Wohlbefinden von Dauer-Lauschern beiträgt, können wir empirisch nicht eruieren; aber es schadet nicht.
Am Anschlusskabel des Hörers sitzt ein vergoldeter, 3,5 Millimeter kleiner Klinkenstecker, der auch in mobile Geräte passt. Ein mitgelieferter 6,3-Millimeter-Adapter stellt den Kontakt zu den größeren Buchsen von HiFi-Komponenten her. Und wer viel Bewegungfreiheit braucht, profitiert vom ebenfalls mitgelieferten Verlängerungskabel. Die Entscheidung für den kleineren Stecker hat durchaus einen tieferen Sinn: Das Modell Edition8 hat einen enormen Wirkungsgrad. So bringt es selbst am kleinsten iPod eindrucksvolle Lautstärken zustande - eine interessante Eigenschaft für alle, die sich auch auf Reisen gern einen Hauch Luxus gönnen.
Bei geringen Pegeln nimmt die Empfindlichkeit ab
Dass der Ultrasone subjektiv laut wirkt, hat nicht nur mit seinen elektrischen Werten zu tun, sondern hängt auch mit seiner besonderen akustischen Abstimmung zusammen. Denn der Hörer tendiert dazu, Höhen und Bässe besonders plakativ herauszuarbeiten. Das macht er auf ungemein saubere Art: Bässe wuchtet er souverän, lässig, trocken und präzise ans Ohr, Höhen glitzern und funkeln förmlich wie blank poliert. So taugt der Hörer ganz besonders für leises Hören, denn bei geringen Pegeln nimmt die Empfindlichkeit unseres Gehörs für die extremen Frequenzen ab.
Mit dem Edition8 aber bleiben Fülle und Glanz des Klangbilds eindrucksvoll erhalten. Gestrenge HiFi-Punktrichter würden den beiden Modellen von Beyerdynamic und Sennheiser vielleicht bessere Noten in der Disziplin Neutralität verpassen, weil diese Hörer Bässe und Höhen insgesamt dezenter dosieren. So bleibt die Kaufentscheidung am Ende auch eine Frage des Geschmacks. Wir jedenfalls konnten uns speziell mit den Leise-Qualitäten des Ultrasone anfreunden: Die Edition8 zählt zweifellos zur Champions League der Hörgeräte.