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Die passende Leiter Hoch hinaus

 ·  Mit dem Tritt lässt sich bis zu einem Meter Höhe gewinnen. Wer mehr braucht, muss zu einer richtigen Leiter greifen. Hinweise zur Auswahl des passenden Geräts - und zum sicheren Umgang damit.

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© Wiseman Damit nichts schief geht: Die Leiter sollte in einem Winkel zwischen 65 und 75 Grad angelegt werden

Wenn Thomas Kuhn hoch hinaus will, ist etwas nicht in Ordnung. Denn ohne Grund betritt der freiwillige Feuerwehrmann nicht die 30-Meter-Drehleiter, die bei jedem Tritt schwingt, während er mit zwanzig Kilo Ausrüstung 23 Meter Steighöhe erklimmt. Dass er unter solchen Bedingungen bei jedem Tritt Vorsicht walten lässt, versteht sich von selbst.

Vorsicht sollten auch Nutzer normaler Leitern walten lassen, auch wenn sie nicht ganz so hoch hinaus wollen. Die Anlegeleiter, Urbild aller Leitern, ist gleichzeitig ihre unfallträchtigste Variante. So simpel die Konstruktion - zwei Holme, durch Sprossen verbunden - so häufig auch die Fehler, die beim Einsatz gemacht werden. Rutschiger Untergrund, nachgebende Anlagefläche oder ein falscher Aufstellwinkel: schon siegt die Schwerkraft.

Dabei lässt sich die Standfestigkeit einer Leiter leicht sicherstellen, und auch die richtige Neigung kann rasch überprüft werden: Hierfür stellt sich der Nutzer seitlich direkt vor die Leiter, wobei seine Füße am unteren Holmende stehen. Dann hebt er den Oberarm horizontal in Schulterhöhe und winkelt den Unterarm im Winkel von neunzig Grad ab. Wenn der Ellbogen die angelehnte Leiter nun gerade noch berührt, hat die Leiter zum Boden einen Winkel zwischen 65 und 75 Grad. Das passt.

Die Höhe des Aufstiegs ist kein Sicherheitskriterium

Doch auch mit der richtigen Neigung eignen sich Anlegeleitern nur für leichte Arbeiten, wobei stets eine Hand die Leiter greifen sollte und der Mensch auf der Leiter sich nie seitlich über die Leiter hinauslehnen sollte, dann nämlich ist die Gefahr des Kippens gegeben. Dabei ist die aktuelle Höhe des Aufstiegs kein Sicherheitskriterium. Immerhin ereignen sich mehr als dreiviertel aller Unfälle im Bereich unter 2 Metern Absturzhöhe. Um höher hinaus zu kommen, bieten sich Anlegeleitern in zwei- oder dreiteiliger Ausführung an, deren Segmente sich per Hand oder mit einem Seilzug herausschieben lassen.

Da sich mit einem Seilzug bereits stehende Leitern aus- und einfahren lassen, ermöglicht diese Technik jederzeit die Anpassung der Arbeitslänge und erspart den Balanceakt, eine ausgezogene und arretierte Leiter in voller Höhe aufzurichten und anzulehnen. Und das ist praktisch, denn mitunter erweist sich erst bei der Arbeit, wie hoch hinaus man muss. Wenn eine Anlegeleiter genutzt wird, um auf ein Dach oder eine höhere Arbeitsebene zu steigen, muss sie übrigens für den sicheren Umstieg die obere Plattform um mindestens einen Meter überragen, damit sie nicht abrutscht und beim Wechsel die Hand an der Leiter Halt finden kann.

Eine Bogentraverse, ein gebogenes Fußende, auf dem die Leiter verschoben und arretiert werden kann, gleicht Bodenunebenheiten aus und sorgt dafür, dass die Leiter auch auf unebenem Boden senkrecht steht. Während auf hartem Boden Gummifüße die Leitern rutschfest stehen lassen, sollten in unbefestigtem Untergrund - beispielsweise im Garten - Metalldorne für den sicheren Stand sorgen. Dabei ist - nicht nur bei Anlegeleitern - darauf zu achten, dass nicht ein Leiterfuß im weichen Boden versinkt und die Leiter seitlich wegkippt.

Im oberen Bereich verhindern das Einhaken mit einem Leiterhaken oder das Anbinden mit einem Haltegurt das Wegrutschen. Kurz: die Standfestigkeit der Leiter ist die erste Unfallversicherung des Nutzers. Im Aufbau gleichen sich die Leitern: Sprossen oder Stufen folgen aufeinander im stets gleichem Abstand - zwischen 23 und 30 Zentimeter - trittsicher und dauerhaft mit den Holmen verbunden. Dass diese Verbindungen zuverlässig halten ist einer der Grundpfeiler der Sicherheit. Metallsprossen werden meist gebördelt, Stufen genietet und Holzleitern beispielsweise formschlüssig verzapft und verleimt.

Genagelte und geschraubte Verbindungen ohne zusätzliche Sicherung gegen selbsttätiges Lösen sind nicht zuverlässig. Und was die Trittsicherheit betrifft, so müssen die Sprossen dem Gewicht des Benutzers samt mitgeführtem Material standhalten - die maximale Belastung wird meist seitlich mit einem Piktogramm auf der Leiter genannt - und genügend Auftrittstiefe geben. Wichtig ist, dass der Fuß genügend Halt hat, was bei Metall oder Kunststoff durch eine Riffelung, Profilierung oder einen rutschhemmenden Überzug erreicht wird.

Wer Aufgaben erledigen will, bei denen sich keine Leiter anlegen lässt, wie bei vielen Maler- und Reparaturarbeiten oder beim Lampenwechsel, greift meist zur Stehleiter. Sie besteht aus zwei Holmpaaren, die oben mit Scharnieren und mittig mit Spreizsicherungen - beispielsweise Bändern oder Ketten - verbunden sind, um das Auseinandergleiten der Schenkel zu verhindern. Als klassische Bockleiter lässt sie sich meist beidseitig besteigen, während die domestizierte Haushaltsleiter nur einseitig begehbar ist, über Stufen verfügt und oben mit einer klappbaren Plattform und einem Sicherheitsbügel aufwartet.

Stehleitern nie als Anlegeleitern verwenden

So bietet sie bis oben leichten Aufstieg und relativ sicheren Halt. Bei Bockleitern hingegen ist das Übergrätschen beliebt, wobei die Füße hüben wie drüben auf der dritten Sprosse stehen können, die obersten beiden Sprossenpaare aber frei bleiben müssen. Höher hinauf soll es aber auf keinen Fall gehen: Auch wenn manche Stehleiter an eine Treppe erinnert, so sind sie nicht standfest genug für einen Überstieg, beispielsweise auf den Dachboden.

Stehleitern dürfen übrigens nie zusammengeklappt als Anlegeleitern verwendet werden, da ihre Konstruktion auf diese Belastung nicht ausgerichtet ist. Wer solche Universalität wünscht, muss schon zur Mehrzweckleiter greifen, die aus mehreren Leitersegmenten besteht, die sich ineinander verschieben und gegeneinander winkeln lassen. So wandelt sich die dreiteilige Kombileiter mit wenigen Handgriffen von der mehrteiligen Anlegeleiter zur Bockleiter und sogar zur verlängerten Stehleiter. Wichtig ist bei der Handhabung, dass je nach Verwendung Spreiz-, Druck- und Rastsicherungen korrekt eingelegt werden.

Andere Varianten der Mehrzweckleiter verzichten auf die Schiebefunktion und arbeiten stattdessen mit mehreren Gelenkpaaren, so dass sie sich von der Anlege- zur Bockleiter und weiter zur Arbeitsbühne winkeln lassen. In letzterem Fall ist allerdings zwingend notwendig, dass die Lauffläche trittsicher ausgelegt wird und die für diesen Zweck angegebene Maximalbelastung nicht überschritten wird. Beim Teleskopprinzip lassen sich die Holme zudem einzeln in der Länge verstellen.

Des Teleskopprinzips bedienen sich die längenverstellbaren Stützen der leichten Obstbaumleitern, um genau die 75-Grad-Neigung zu erreichen, die für die Standfestigkeit dieser Leitervariante erforderlich ist. Obstleitern gibt es bis zu einer Länge von 15 Sprossen mit einer mittigen Stütze, darüber hinaus mit zwei Stützen und Spreizsicherung, aber auch ganz ohne Stütze als Anlegeleiter, wobei alle Obstbaumleitern am Fußende über Metallspitzen verfügen und nicht zweckentfremdet auf befestigten Böden eingesetzt werden dürfen.

Für den Aufstieg am Baum sind Einholmleitern wie die Tiroler Steigtanne konzipiert, bei der die Sprossen links und rechts vom mittigen Holm abgehen. Der bewegliche Fuß, den es mit Gumminoppen, Metallspitzen oder Messerschneiden gibt, schafft auch auf unebenem Boden Standsicherheit, während das sprossenlose Oberteil in einer stabilen Astgabel oder mit der Aufsteckgabel am Stamm fixiert wird. Da sich der Nutzer mit den Beinen dank der seitlich offenen Sprossen festklammern kann, lässt sich von der standfesten Einholmleiter aus bis in Höhen von über 5 Metern mit beiden Händen arbeiten.

Belastungsübungen auf der Endlosleiter

Und wer in der Natur größere Höhen erreichen muss, kann Steckleitern wie die Samenernteleiter auf über 20 Meter verlängern. Bei der Vielfalt der Leitern hat dann auch so manches Gewerk sein eigenes Modell, beispielsweise die Dachdecker, bei deren Leitern die Holme flach auf dem Dach aufliegen und die Sprossen sich nach oben wölben und die zum sicheren Einhängen der zweiten Sprosse je nach Dachkonstruktion spezielle vormontierte Dachhaken brauchen.

Und während all diese Leitern sich nach oben neigen, ermöglichen die fest montierten Steigleitern den senkrechten Auf- oder Abstieg bei Bauten und Schächten. Sie sind bei Höhen über fünf Meter mit Absturzsicherungen wie dem halbrunden Rückenschutz oder einem mitlaufenden Auffanggerät ausgestattet. Das kann sich sparen, wer auf die Endlosleiter geht. Denn bei ihr laufen die Sprossen wie bei einem Paternoster durch, während der Nutzer steigt und steigt. Und so weist auch Thomas Kuhn Jahr für Jahr in der Belastungsübung für Atemschutzgeräteträger nach, dass er im Fall der Fälle mit Schutzkleidung und Atemschutzgerät fit für die Leiter ist.

Welche Leiter ist die beste?

Prinzipiell sollten nur Leitern erworben werden, die das GS-Zeichen für „Geprüfte Sicherheit“ tragen. Es belegt, dass eine Baumusterprüfung von Sachverständigen durchgeführt wurde und die Produktion der Leiter regelmäßig durch die GS-Stelle kontrolliert wird. Außerdem gibt es für Leitern selbstverständlich DIN-Normen, die sich je nach Bauart und Material unterscheiden. Die wichtigste Kennzeichnung ist DIN EN 131 für tragbare Leitern. Tritte und spezielle Leitern für den professionellen Einsatz haben eigene Regelwerke.

Universalleitern für alle Zwecke gibt es nicht. Dies gilt auch fürs Material. Aluminiumleitern sind leicht, unkompliziert in der Lagerung und witterungsbeständig. Stahlleitern sind zwar stabiler, doch schwerer und nicht so korrosionsbeständig und werden daher eher stationär in geschlossenen Räumen wie Lagerhallen eingesetzt. Gerade bei kalten Temperaturen bewähren sich Holzleitern, da sie wesentlich angenehmer und wärmer als Metall zu greifen sind. Als schlag- und stoßfester Aufstieg werden sie gern auf dem Bau eingesetzt, von Malern überdies, da keine chemischen Reaktionen mit Säuren und Laugen zu Farbproblemen führen.

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