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Veröffentlicht: 30.12.2015, 17:51 Uhr

Kaffeemaschine Bonaverde Alles in einer

Von der grünen Bohne bis zum duftenden Schwarzgetränk: Die Kaffeemaschine von Bonaverde verspricht viel, hat aber noch nicht alle technischen Hürden genommen.

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© Hersteller Alleskönner? Sieht fast wie eine gewöhnliche Kaffeemaschine aus, die Bonaverde.

Im Januar ist Premiere. Dann soll die erste Maschine, die in einem Rutsch frische grüne Kaffeebohnen rösten, mahlen und brühen kann, auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas gezeigt werden. Kaufen wird man das Gerät dann wohl noch nicht können. Das kann noch eine Weile dauern, denn wie von dem hinter diesem Multifunktions-Apparat steckenden Berliner Start-up-Unternehmens Bonaverde zu hören ist, laufen momentan noch einige der für Elektrogeräte obligatorischen Funktionstests und Sicherheitsprüfungen. Erste Testgeräte will man Ende Februar ausliefern. Man sei jedoch auf gutem Weg. Rund 95 Prozent der Arbeit sei geleistet.

Georg Küffner Folgen:

Ob die Maschine die in sie gesteckten hohen Erwartungen erfüllen kann, darauf sind alle Kaffee-Fans gespannt. Seit mittlerweile mehr als drei Jahren wird in Fachmagazinen über diesen „revolutionären Ansatz“ des Kaffeekochens berichtet und diskutiert. Das große Interesse an der Maschine mit dem völlig neuen Funktionskonzept hat jedoch noch weitere Gründe: So hat der Bonaverde-Vormann Hans Stier nach einem ersten und in der Insolvenz endenden Versuch, einen solchen Alleskönner auf den Markt zu bringen, den neuen Start-up Bonaverde über Crowdfunding finanziert - und ein durchaus beachtliches Startkapital zusammengetragen. Auf Indiegogo und Kickstarter gaben Unterstützer 850 000 Dollar, und auf Seedmatch sammelte das Unternehmen noch einmal 1,5 Millionen Dollar ein. Mehrere hundert Vorbestellungen lägen vor.

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Doch nicht nur das üppig bemessene Startbudget, über dessen Verwendung das Berliner Jungunternehmen über Social-Media-Kanäle und mittels auf der Bonaverde-Homepage verlinkter Videobotschaften informiert, steigert die Neugierde der Kaffee-Community am Gedeihen der angekündigten Kaffeerevolution. Heftig diskutiert wird das von Bonaverde unter den Schlagworten „Fairness“ und „Nachhaltigkeit“ propagierte Kaffeebohnen-Beschaffungskonzept: Denn wer eine dieser Maschinen einmal betreibt, kauft den Rohkaffee direkt bei einem bei Bonaverde gelisteten Farmer. Das hat Vorteile, so wird der den Kaffeegenuss verteuernde Zwischenhandel umgangen, (Groß-)Röstereien werden nicht mehr benötigt, und den Plantagebetreibern können faire Preise bezahlt werden - heißt es.

Hinter dem Direktbezug des Rohkaffees erkennt man unschwer Parallelen zum sogenannten Rockefellerprinzip: Günstig verkaufte Öllampen sichern treue Brennstoffkunden. Bei Bonaverde hat der Direktkauf jedoch zudem eine technische Komponente. Damit der oben in der Maschine steckende Röster zufriedenstellend funktioniert, muss er genau wissen, mit welchem Bohnentyp er es zu tun hat. Frische Kaffeebohnen unterscheiden sich nicht nur in Größe und Feuchteanteil. Jede Bohne verlangt ihr ganz eigenes Röstprofil, worunter man die Korrelation aus Temperatur und Röstzeit versteht. Hier die perfekte Abfolge von Temperatursprüngen - innerhalb eines Temperaturfensters von 180 bis 230 Grad - und unterschiedlich langen Haltezonen zu finden, ist alles andere als trivial. Selbst modernste Analyse- und Steuersysteme arbeiten nicht zufriedenstellend, so dass professionelle Kaffeeröster während des 10 bis 15 Minuten dauernden Röstprozesses ständig Proben ziehen, um an den heißen Bohnen zu schnüffeln und so den Vorgang zu steuern.

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Am Bonaverde-Gerät wird man nicht schnüffeln müssen. Denn mit jedem Säckchen Rohkaffee wird ein bespielter RFID-Chip (Radiofrequenz-Identifikation) mitgeliefert, der, an das Gerät gehalten, der Maschinensteuerung die passende Röstkurve vermittelt. Mitgeschickt wird jeweils auch ein Geruchtsfilter, den man regelmäßig tauschen soll. Denn Kaffeerösten stinkt. Während des Röstens riecht es säuerlich, dumpf erdig und einfach nur verbrannt. Das ist auch der Grund, warum größere Anlagen an einen Abluftkamin angeschlossen werden müssen. Will man darauf verzichten, muss eine aufwendige Filtertechnik her, das auch, da ja nicht nur die unterschiedlichsten organischen Verbindungen in den Rauchgasen enthalten sind, sondern auch Wasserdampf mittransportiert wird, der konventionelle Filter rasch versagen lässt.

Kaffee muss reif und nicht frisch sein

Keinerlei Bedenken haben die Erfinder des All-in-one-Konzepts damit, dass die von einem (offensichtlich recht lautstarken) Ventilator nach dem Rösten auf Zimmertemperatur abgekühlten Kaffeebohnen unmittelbar danach gleich gemahlen und anschließend in einen Brühfilter geschickt werden, wo das Kaffeemehl mit heißem Wasser übergossen wird.

Gerade dieses hurtige Verarbeiten der noch handwarmen Bohnen geht dem Gros der befragten beziehungsweise in der Fachliteratur ihre Meinung kundtuenden Kaffeeexperten deutlich zu schnell - und melden entsprechend durch die Bank grundsätzliche Bedenken am Konzept der Röst-Mahl-Brüh-Maschine an: Die Röstreaktion höre nach dem Abkühlen nicht auf. Die Bohne arbeite weiter. Zwei bis drei Tage brauche sie, um ihre volles Aromaprofil aufbauen zu können. Der promovierte Mediziner und seit mehreren Jahren als Kaffeeconsultant weltweit tätige Steffen Schwarz aus Mannheim geht sogar noch einen Schritt weiter, wenn er sagt, Kaffee muss reif und nicht frisch sein. Je nach Kaffeesorte und -art kann es vier bis sechs Wochen dauern, bis sich die optimale Reife entwickelt hat.

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