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Veröffentlicht: 09.03.2016, 16:09 Uhr

Breitling B55 Exospace Für Flieger und Überflieger

Die Breitling B55 Exospace ist Chronograph und Flugcomputer in einem. Und damit ist sie sicher mehr als nur eine einfache Smartwatch.

von Martin Häußermann
© Häußermann B55 Exospace: Wer’s dezenter mag, bekommt sie auch mit grauem Band.

Noch eine Smartwatch? Könnte man meinen, zumal Breitling das Uhrenprojekt und den dazugehörigen Prototypen auf der Baselworld 2015 unter dem Namen B55 Connected vorstellte. Doch Breitling-Geschäftsführer Jean-Paul Girardin widerspricht bei der Präsentation der Uhr, die nun B55 Exospace heißt, ganz vehement: „Wir wollten keinesfalls ein weiteres Terminal eines Smartphones fürs Handgelenk bauen.“

Der neue Zeitmesser sei ein Chronograph, und zwar ein sehr präziser. Angetrieben wird er von dem hauseigenen, batteriebetriebenen Uhrwerk B55, dessen Grundlage das Kaliber B50 aus der Pilotenuhr Cockpit B50 bildet, die vor zwei Jahren auf den Markt kam.

Zehn Mal genauer als Standard-Quarzwerke

Die beiden Kaliber B50 und B55 versieht Breitling mit der Zusatzbezeichnung Super-Quartz, schließlich sind sie thermokompensiert, lassen sich also von Temperaturschwankungen nicht aus dem Takt bringen und laufen zehn Mal genauer als Standard-Quarzwerke. Das behauptet Breitling. Bestätigt wird die Präzision durch ein Zertifikat der Schweizer Chronometerprüfstelle COSC. Gemeinsam ist beiden Uhrwerken die Möglichkeit, sich zwei Zonenzeiten anzeigen zu lassen, sowie eine Chronographenfunktion, die Kurzzeitmessung mit einer Genauigkeit von einer hundertstel Sekunde ermöglicht, 50 Zwischenzeiten speichern und für Countdowns und Countups genutzt werden kann.

Des weiteren lässt sich die Uhr als Flugzeitmesser, elektronischer Tachometer und Wecker nutzen. Funktionell erscheint uns der eingebaute Neigungsmesser. Erst wenn das Handgelenk um mehr als 35 Grad geneigt wird, wie man es zum Ablesen einer Uhr üblicherweise tut, werden die beiden LC-Displays beleuchtet. Sonst stören sie die Piloten nicht – etwa bei Nachtflügen.

38992364 © Häußermann Vergrößern Smartphone als Transmitter von Flugdaten. Mit ihm können aber auch Funktionen der Uhr eingestellt werden.

Die kennt Mark Kelly. Schließlich war der Amerikaner im Laufe seiner Pilotenkarriere oft im Dunkeln unterwegs – in amerikanischen Kampfjets ebenso wie an Bord von Raumfähren: „Im Space Shuttle bewegt man sich in einem Umfeld, das keinen Fehler zulässt.“ Die einzige Zeiteinheit, die hier zähle, sei die Mission Elapsed Time, also die Zeit, die seit dem Start abgelaufen ist. Die müsse er als Pilot und Kommandant der Fähre immer im Auge haben, eine fest installierte Uhr gebe es aber nur im Cockpit des Shuttles. Daher habe er im Weltraum einen Chronographen getragen, auf den letzten drei Missionen einen von Breitling, weshalb er dem Unternehmen eng verbunden sei.

Ein bisschen Smartwatch ist sie aber auch

Was die Exospace B55 von der B50 Cockpit unterscheidet, ist die Möglichkeit, die auf der Uhr festgehaltenen Daten über Bluetooth an ein Smartphone zu übertragen, dort zu speichern oder an einen Computer weiterzuleiten. So kann ein Pilot sein persönliches Logbuch führen oder die Betriebsstunden des Flugzeugs festhalten. Das mache ihm das Leben im Cockpit leichter, sagt uns Girardin, der selbst aktiver Helikopterpilot ist. Hinterm Steuerknüppel brauche er nur die Uhr, das Smartphone allenfalls vor und nach der Landung. „Der Vorteil eines Smartphones oder eines Tablets im Vergleich zur Uhr ist das größere Display.“ Ebenso lasse sich eine Zeitzonenänderung bequemer übers Smartphone steuern.

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Auch wenn Jean-Paul Girardin gesteigerten Wert auf die Feststellung legt, die neue B55 sei ein Profi-Instrument für Piloten, ein bisschen Smartwatch ist sie aber auch noch. Über die bereits erwähnten digitalen LC-Displays kann die Uhr wie viele andere Smartwatches auch auf dem Smartphone eingegangene Mails, Nachrichten, Anrufe und persönliche Terminerinnerungen anzeigen. So bekommt die Uhr auch für Nichtpiloten einen zusätzlichen Alltagsnutzen. Die Software hat Breitling übrigens in Kooperation mit der Technischen Hochschule in Sion entwickelt. Die Energie stellt ein ebenfalls für Breitling speziell entwickelter Akku bereit, der über eine mitgelieferte Dockingstation an einem USB-Port wieder aufgeladen werden kann.

Verpackt ist die Elektronik in ein schwarz PVD-beschichtetes Titangehäuse. Das Multifunktionsdisplay mit analoger Zeitanzeige und den beiden LCD wird durch ein beidseitig entspiegeltes Saphirglas geschützt. Die Wasserdichtheit gibt Breitling mit 100 Meter an. Damit gibt sich die maskulin erscheinende Uhr nicht nur flug-, sondern auch alltagstauglich. Wenn da der Preis nicht wäre. 8210 Euro für einen Flugcomputer am Handgelenk, das ist schon ein Wort – und könnte die potentielle Kundschaft auf Menschen wie Mark Kelly reduzieren. Andererseits werden heute ja auch die meisten saharatauglichen Geländewagen dazu genutzt, die Kinder zur Schule zu fahren.

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