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Veröffentlicht: 28.01.2015, 10:00 Uhr

Beheizte Skihandschuhe Frostschutzmittel für die Finger

Schon einige Jahre gibt es beheizbare Skischuhe. Bei Handschuhen gestaltete sich die Technik schwieriger. Doch dank kleinerer Lithium-Ionen-Speicher werden nun beheizte Skihandschuhe alltagstauglich.

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© Hersteller Den Zanier Hot.GTX gibt es auch als Fingerhandschuh

Skifahren ist großartig, doch die Kälte setzt manchem zu. Vor allem mancher. Mit Gel gefüllte Pads, die nach Gebrauch in heißem Wasser reaktiviert werden müssen, waren schon immer eine Notlösung. Sie sind zwar günstig, drücken aber oder schlackern herum und sind zu Beginn heiß, verlieren rasch an Temperatur und machen dann erst recht kalte Finger, jedenfalls empfindet man es so. Besser sind echte technische Lösungen.

Holger  Appel Folgen:

Schon einige Jahre gibt es beheizbare Skischuhe, an denen sich die erforderlichen, meist recht großen Akkus halbwegs erträglich anbringen lassen. Für Handschuhe galt das bislang nicht. Doch nun schrumpfen die Lithium-Ionen-Speicher derart zusammen, dass sie, ohne übermäßig aufzutragen, untergebracht werden können.

Der österreichische Hersteller Zanier hat gleich drei beheizbare Modelle im Angebot, einen Fäustling und zwei Fingerhandschuhe. Wir trugen die auf den Namen „Hot.GTX“ getauften Fäustlinge auf den Pisten im Südtiroler Obereggen, wo beste Prüfbedingungen herrschten: minus 12 Grad und steifer Wind.

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Erste Überraschung: Die Fäustlinge sind innen als Fingerhandschuhe ausgelegt. Das ist notwendig, um die Heizelemente zu fixieren. Ohne Innenhandschuh wären die Finger meist nicht unter den Heizdrähten und ein Großteil der Wärme ginge verloren. In jedem stecken am Bund unter einem Reißverschluss zwei 60 Gramm schwere Lithium-Ionen-Akkus im rechteckigen Format von 5,2 mal 3,6 mal 0,8 Zentimetern mit den Leistungsdaten 3,7 V, 2600 mAh, 9,62 Wh. Sie stören dort kaum, allerdings wiegt jeder Handschuh vergleichsweise üppige 200 Gramm. Eine Ladung soll auf der niedrigsten von drei Wärmestufen bis zu zehn Stunden halten. Wir hatten sie zwei Skitage lang ohne Zwischenladung angeschaltet, auf der letzten Abfahrt um 16.30 Uhr meldete sich die Heizfunktion ab. Das nennt man wohl perfektes Timing.

Über Nacht waren die Akkus wieder voll, das Ladegerät versorgt smarterweise alle vier gleichzeitig. Wer nur ein bisschen friert, kommt auch bei strammen Minusgraden mit der ersten Stufe zurecht, andere wählen über eine Drucktaste (darauf achten: das neueste Modell hat nur eine Taste) auf der Oberseite eine höhere. Welche Heizstufe aktiv ist, zeigt die Taste durch LED-Beleuchtung in Gelb, Orange oder Rot an. In der höchsten ist der Vorrat spätestens nach einem halben Skitag verbraucht – besser, man denkt daran, die Heizung in der Hütte abzuschalten.

Zanier setzt textile Heizelemente ein. Die Drähte sind über den Fingern plaziert und heizen punktuell in allen Fingerspitzen, auch im Daumen. Zeige-, Mittel-, Ring- und kleiner Finger werden in der Tat wohlig warm. Der Daumen kommt indes zu kurz, auch den Handrücken empfindet mancher als unterversorgt. Wir baten mehrere Probanden um ihre Einschätzung, alle monierten einen relativ unterkühlten Daumen. Im Lift trafen wir eine Italienerin, die ein ebenso dreistufig beheiztes Modell von Snowlife trug, und auch sie beklagte einen kühlen Daumen. Hier scheint es mithin grundsätzliches Verbesserungspotential zu geben. Zanier fertigt den Handschuh an sich in Ziegenleder und integriert ein Stretchmaterial, das für sanfte Geschmeidigkeit sorgen soll. Gleichwohl erschien uns der Handschuh steifer als gewöhnlich.

Unsere verfrorenen Versuchskaninchen zogen am Ende einer Woche eine Bilanz, anhand deren jeder seine eigene Entscheidung treffen möge. Die beheizten Handschuhe von Zanier halten, was der Hersteller zusagt. Dagegen sprechen der hohe Anschaffungspreis von rund 300 Euro, das Gewicht und die „Arbeit“ des Ladevorgangs. „Wir gehen lieber einmal mehr auf die Hütte“, sprachen die Skihasen und bestellten eine Runde Glühwein.

Zu wenig

Von Wolfgang Peters

Autofahren ist nicht schwer und vor allem eine Routinesache. Gelegenheitsfahrer sind keine schlechten Menschen, aber schlechte Autofahrer. Mehr 1 7

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