08.07.2007 · Das Museum für Kommunikation in Berlin zeigt die Geschichte und Zukunft der Robotik. Die künstlichen Gesellen zeigen sich als mechanische Arbeiter, mythische Figuren, Helfer in der Forschung, Spielzeug und Abbild des Menschen.
Von Peter ThomasQuietschbunte Maschinenmenschen marschieren in Bataillonsstärke auf. Kantige Roboterköpfe ragen neben futuristischen Androidengesichtern aus der Menge. Lackiertes Metall glänzt zwischen stumpfem Kunststoff und glitzernden Plastikperlenaugen. Die Liliputarmee aus Blech und Plastik begrüßt Besucher der Ausstellung „Die Roboter kommen. Mensch - Maschine - Kommunikation“ im Berliner Kommunikationsmuseum. Die Schau thematisiert die Annäherung von Mensch und Maschine in Kunst, Industrie und Alltag. Entstanden ist „Die Roboter kommen“ in Zusammenarbeit zwischen dem Museum und dem Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung in Stuttgart (IPA).
Ob Roboter, Androide oder Automat - mechanische Wesen an der Grenze zwischen Mensch und Maschine stehen für Zukunft, Fortschritt und Sciencefiction. Dabei ist der Roboter sowohl als technisches Wunderwerk wie als literarisches Motiv viel älter als sein aus dem Tschechischen stammender Name: Den tragen die Automaten erst seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Geschichte der animierten Figuren hingegen lässt sich bis in die Antike zurückverfolgen.
Leuchtfeuerstrahl der Robotik
Eine Blütezeit erlebten solchen Apparate vom 16. bis zum 19. Jahrhundert. Ein um 1816 gebauter Musikautomat vertritt diese Tradition in der Ausstellung. Die Melodien, die der lebensgroße Trompeter spielt, sind als Code auf einer Stiftwalze gespeichert. Parallel zur Geschichte solcher Automaten entwickelten sich Roboter als Motiv zunächst in der Literatur, später in Film und Comic. Neue Formen der populären Kunst wie die Sciencefiction brachten veränderte Darstellungsformen des Roboters mit sich: Glichen Automaten beispielsweise bei E. T. A. Hoffmann noch lebendigen Menschen, stellten die Blechmänner und Metallfrauen Anfang des 20. Jahrhunderts ihre Herkunft aus dem Maschinenreich auch äußerlich zur Schau. Das galt insbesondere für Filmauftritte.
Solchen Vorbildern folgten auch öffentlich präsentierte Roboter: Mechanische Giganten wie Eric (1928), Willie Vocalite (1930) und Sabor IV (1939) wurden zu Medienstars. Sie beeindruckten durch die Nachahmung menschlicher Bewegungen und konnten mit ihrem Publikum in Dialog treten. Möglich wurde die Interaktion durch Fernsteuerung über Funk. Als Arbeitsmaschinen taugten diese Roboter nicht, sie waren allein Objekte der technischen Faszination. Diese Aura lässt sich auch heute noch erahnen, wenn im Museum der über zwei Meter große Sabor plötzlich seine Augen aufschlägt und unter den metallenen Lidern das gelbe Licht hervorbricht: Wie ein Leuchtfeuerstrahl der Robotik durchdringt der Schein das kalte, blaue Licht, das sonst die Ausstellung dominiert.
Akustische Kunststückchen
Im Kleinen spiegelte sich diese Entwicklung Mitte des 20. Jahrhunderts durch das Aufkommen von Kleinrobotern für Kinder. Die Androiden entstanden zunächst in klassischer Blechspielzeugmanier, dann löste Kunststoff das Metall als wichtigstes Baumaterial ab. Die Evolution dieser Spielzeuge lässt sich im dichten Getümmel der Miniaturen im Eingang zur Schau gut ablesen.
Die Brücke zu aktuellen Anwendungen in Industrie und Dienstleistung schlagen ein Montageroboter für Autos und ein Serviceroboter. Dieser freundliche Knirps mit Namen Oskar rollt zwischen den Besuchern der Ausstellung umher, spricht die Gäste an, führt ihnen akustische Kunststückchen vor und bietet seinen Touchscreen als Informationsfläche an. Enge Verwandte von Oskar sind die drei Serviceroboter, die seit sieben Jahren im Eingangsbereich des Kommunikationsmuseums ihren Dienst tun. Sie spielen Ball, rollen umher und begrüßen die Besucher. Hoch über ihren Köpfen schwenkt während der Ausstellung ein orange lackierter Industrieroboter das Armaturenbrett einer S-Klasse durch die Luft.
Der Ausstellung gelingt es, die verschiedenen Aspekte rund um Roboter und Robotik klar zu umreißen: Sie sind eben nicht nur mechanische Arbeiter, sondern auch mythische Figuren, Helfer in der Forschung, Spielzeug, Sportler und Abbild des Menschen. Dokumente und Filmmaterial unterstreichen neben historischen und zeitgenössischen Exponaten diese Vielfalt.
Roboter am Krankenbett unerwünscht
Gerhard Dünnhaupt (dunnhaupt)
- 09.07.2007, 15:02 Uhr