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Arbeitshandschuhe Stabile Dinger für heile Finger

 ·  Wer meint, auf gute Schutzhandschuhe verzichten zu können, unterschätzt, wie verletzlich 27 Knochen, 30 Gelenke und 55 Muskeln sind. Selbst Produkte renommierter Hersteller kosten dabei weniger, als ein Taxi zum Arzt.

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© Raymond Wiseman Fröhliche Runde nach getaner Arbeit: Alle Finger sind noch dran, was die unversehrten Handschuhe bezeugen

Fest ballte sich einst die Eisenfaust um die Waffe. Im 13. Jahrhundert gehörten Schutzhandschuhe aus Leder und Metall zum Kriegshandwerk. Doch Arbeitshandschuhe sind wesentlich älter, werden schon vor Christi Geburt für ihren Einsatz bei der Olivenernte von Marcus Terentius Varro in seinem Werk „De re rustica“ kritisiert, da der grobe Zugriff nicht nur die Beeren, sondern auch die Rinde der Äste beschädige. Und als Schutz vor Kälte reicht die Geschichte des fellbehandschuhten Menschen bis in die Urzeit zurück.

Trotz aller Tradition, weitgehend unbeliebt sind Schutzhandschuhe noch immer. Doch wenn die Säge abrutscht oder die Flamme des Gasbrenners zurückschlägt, ist es zu spät, sich Gedanken über den richtigen Schutz der Hände zu machen. Im besten Fall bleibt eine Narbe zurück, im schlechtesten Fall fehlt ein Finger oder mehr. Über ein Drittel aller Arbeitsunfälle betrifft die Hand, und bei mehr als der Hälfte hätte der richtige Handschuh vor schwerwiegenden Verletzungen geschützt. Mehr noch als der Profi, der über Übung im Umgang mit seinen Arbeitsmitteln verfügt und für dessen Gefährdungsschutz es Gesetze und Richtlinien gibt, sollte der Heimwerker seine Hände in Sicherheit bringen. Die Preisspanne professioneller Arbeitshandschuhe wie dem Hase Ulm-Super (Schweinnarbenleder gefüttert), dem KCL Sahara 100 (Baumwolltrikot mit Nitrilbeschichtung) oder dem Ansell Hyflex 11-618 (Nylon mit Polyurethan) beginnt bereits bei rund fünf Euro. Selbst Produkte renommierter Hersteller kosten weniger, als das Taxi zum Arzt, von all den Folgekosten, die fehlender Schutz nach sich zieht, ganz zu schweigen.

Textiles Gewebe mit Spezialbeschichtung

Gerade beim Heimwerken ist die Gefahr eines Fehlgriffs groß, verbunden mit Wunden, Zerreißungen oder Quetschungen. Dabei kennt jeder die etwas ungestalten Handschuhe, die traditionell lederbesetzt vor dem Gröbsten schützen. Lederhandschuhe sind weich und atmungsaktiv und auch bei Kälte bequem und griffig. Mit ihrer guten Beständigkeit gegen Abrieb, ihrem Schutz vor Hitze und Funkenflug sind sie auch heute noch als Allzweckhandschuh beliebt, wo immer etwas zu räumen, bauen oder schweißen ist. Zudem lässt sich Leder hydrophobieren, womit es wasserabweisend und auch resistent gegen Öl ist.

Meist kommt Rindleder zum Einsatz, entweder das feste Narbenleder - also die obere Fläche der Tierhaut - oder die darunterliegenden Spaltleder. Diese Attribute erfüllen auch Handschuhe aus Schafs- oder Ziegenleder, wobei letztere sämisch gegerbt auch für Allergiker geeignet sind. Diese Eigenschaft kann aber auch eine spezielle Fütterung erfüllen, wie beispielsweise beim Bremerhaven Seacell von Hase (www.hase-safety.com), einem robusten lederbesetzten Handschuh, der für rund 15 Euro vor allem bei groben Arbeiten Schnittschutz bietet.

Als Ersatz für den Lederschutz haben inzwischen Handschuhe aus textilem Gewebe mit Spezialbeschichtung Einzug gehalten. Oft bietet die Grundlage ein Baumwollhandschuh, aber auch Trikots aus Polyamidfasern, Kunstleder, Metall oder technischen Fasern wie Kevlar und Kombinationen. Außerdem werden die Handschuhe meist noch beschichtet, um Widerstandsfähigkeit, Schutzwirkung und Griffigkeit zu erhöhen.

Die meisten der Bildchen sind leicht zu interpretieren

Latex erweist sich zwar als flexibel, temperaturbeständig und relativ widerstandsfähig gegen Abrieb und Schnitte, doch nicht gegen Öle und Fette. Außerdem kann es allergische Reaktionen verursachen. Daher wird stattdessen oft Nitril verwendet, das allerdings weniger elastisch und bei Minusgraden nicht so beständig ist. Nitril schützt zwar gegen Öle und Fette, nicht aber gegen Aceton und andere Ketone. Das kann im Zweifelsfall zu einem angenehm kühlen Tragegefühl führen, das aber bedeutet, dass sich der Handschuh bereits in Auflösung befindet. Gleiches gilt auch für PVC-Handschuhe, während sich Neopren und Chloropren, Butyl und Viton verschiedensten Chemikalien gewachsen zeigen. Welcher Handschuh sich für welche Substanzen eignet, füllt Datenbanken. Entscheidend für die Sicherheit sind der Widerstand gegen molekulare und makroskopische Durchdringung (Permeation und Penetration) und die Quellung des Materials. Kein Material eignet sich für alle Chemikalien. Wer also zu scharfen Laugen oder Säuren greift, tut gut daran, sich zu orientieren.

Was ein Schutzhandschuh kann und welche Eigenschaften er hat, das lässt sich an seinen Kennzeichnungen ablesen. Die Produktinformation umfasst CE-Zeichen, Herstelleranschrift, Name und Nummer des Artikels. Bei Handschuhen der Kategorie II für mittlere Risiken, dies sind ernstzunehmende Verletzungsgefahren, kommen Piktogramme hinzu, die angeben, nach welchen Normen der Handschuh geprüft wurde. Die meisten der Bildchen sind leicht zu interpretieren: Hammer, Messer, Kettensäge für mechanische Risiken, Flamme oder Eiskristalle für thermische Gefährdungen und für chemischen Einsatz Becherglas oder Erlenmeyerkolben. Außerdem gibt es Symbole für bakteriologische Risiken, elektrische Spannung und atomare Strahlung.

Schwierig ist für Laien die Interpretation der Leistungslevel, die unter den Piktogrammen in Ziffern für mechanische und thermische Belastungen oder Buchstabencodes für Chemikalien angegeben werden. So setzt sich die vierstellige Zahl unter dem Hammer-Symbol für mechanische Risiken (EN 388) aus vier Einzelziffern zusammen, die den Level für Abrieb-, Schnitt-, Weiterreiß- und Stichfestigkeit angeben. Die Werteskala erstreckt sich von 1 bis 4, nur die Schnittfestigkeit geht bis Level 5, und ein X heißt, dass der Leistungslevel ungeprüft (weil teilweise auch nicht prüfbar - z.B. Durchstich bei Strickhandschuhen) ist. Je höher in dieser Reihenfolge die einzelne Ziffer ist, desto besser ist der Leistungslevel. So zeigt der KCL RewoSpec 646 (www.kcl.de) mit der Ziffernfolge 2244 an letzter Stelle den Bestwert für Stichfestigkeit, mit dem er sich bestens auch für die Pflege üppiger Rosenhecken eignet. Das Stichschutzgewebe - eine Materialkombination aus Kunstleder mit den Chemiefasern Elastan und Para-Aramid - gibt es auch schon ab Größe 7, also passend für Frauenhände. Den Rindspaltlederhandschuh Hase Verden, der mit gleichen Durchstichwerten Widerstand gegen Dornen bietet, gibt es zu einem Bruchteil des Preises, allerdings nur in Größe 10.

Den Piktogrammen und Codes kommt zentrale Bedeutung zu

Beim Schutz gegen mechanische Verletzungen beginnt die Palette oft erst mit den Handschuhgrößen 8 oder 9. Wer hierbei männliche Pranken vor Augen hat, übersieht, dass viele handwerkliche Aufgaben im Haushalt von Frauen erledigt werden. Während für die Hausaufgaben wie Putzen, Scheuern und Schrubben in Drogerie- und Supermärkten Päckchen mit Latex- oder Nitril-Handschuhen feilgeboten werden, sind derbere Varianten in Größe 6 Mangelware. Da dies nicht sein muss, hat Ansell (www.ansell.de) mit seinem Projex Series Inspire ein Produkt für den mechanischen Schutz von Damenhänden entwickelt.

Lange suchen muss Frau allerdings, um sich bei der Reinigung des Kaminofens oder der Pelletsheizung nicht zu verbrennen. Auskunft über den Hitzeschutz bietet unter dem Flammensymbol der Norm EN 407 die sechsstellige Ziffernfolge, bei der die zweite Ziffer für den Schutz gegen Kontaktwärme entscheidend ist. Bei der Einstufung wird von einer Schwellenwertzeit von 15 Sekunden ausgegangen. Für eine Kontakttemperatur von 100 Grad Celsius genügt Level 1, während Level 2 schon bis 250 Grad schützt, kaum aber in Damengröße. Zumindest der Hase Resisto-Heat aus Basofil-Gestrick schützt in Level 2 ab Größe 7,5.

Den Piktogrammen und ihren Codes kommt beim Kauf zentrale Bedeutung zu, da längst nicht jeder Handschuh bei jedem Händler erhältlich ist und viele fremdproduzierten Eigenmarken im Markt vertreten sind. Schutzhandschuhe der Top-Kategorie III zur Abwehr tödlicher Gefahren tragen zusätzlich die Kennnummer des Prüf- und Überwachungsinstituts. Schutzhandschuhe aller drei Kategorien müssen aber grundsätzlich der Norm EN 420 entsprechen. Sie legt unter anderem die Obergrenzen für den Chrom-VI-Gehalt (durch den Gerbeprozess) bei 3 Milligramm je Kilo Leder fest. Indiz für die Normerfüllung ist das i-Piktogramm, das auf die Gebrauchsanleitung verweist. Gerade bei Sonderangeboten sollte der Käufer daher auf dieses Symbol achten, damit abgewehrte Gefahren nicht durch neue ersetzt werden, wenn im Billigsegment der Grabbeltische sich Handschuhe finden, deren dünnes Spaltleder den Ausdruck „Schutz“ nicht verdient, dafür aber mit Schadstoffen aufwartet. Fehlt also das i-Piktogramm, wurde der Handschuh nicht zertifiziert, und der simple Rat lautet: Hände weg.

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