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Veröffentlicht: 27.02.2017, 12:24 Uhr

Analoges Kinderspielzeug Spielen ohne Bits und Bytes

Die Digitalisierung macht auch vor Kinderzimmern keinen Halt. Doch einige Hersteller zeigen, dass analoges Spielzeug bis heute faszinieren kann.

von Peter Thomas
© Peter Thomas Big Bagger: Siku sorgt für Betrieb im Sandkasten und abseits vom PC Monitor.

Das voll digitalisierte und vernetzte Kinderzimmer 4.0 steht direkt vor uns. Diesen Eindruck bekommt, wer die Prognosen der Branche verfolgt. Was dabei als Digitalisierung bezeichnet wird, ist nicht etwa Einsatz von digitaler Technik, um die Funktion traditioneller Spielwaren zu erweitern. Das ist nämlich ein vergleichsweise alter Hut, die Entwicklung beispielsweise bei der Modellbahn hat schon vor mehreren Jahrzehnten begonnen. Auch die virtuellen Welten klassischer Computer- und Videospiele sind hier nicht gemeint.

Digitalisierung, das bezieht sich im derzeitigen Sprachgebrauch vielmehr einerseits auf die Kopplung von Spielzeugen an smarte Endgeräte sowie andererseits auf die Verbindung virtueller Inhalte und realer Objekte zu neuen Spielwelten. Diese Entwicklung zeigte Ende Januar die internationale Spielwarenmesse 2017 in Nürnberg. Und erst in der vergangenen Woche hat Fischertechnik bekanntgegeben, dass die Kugelbahnen des traditionsreichen Spielzeugs künftig in der virtuellen Umgebung des Computerspiels „Crazy Machines 3“ gebaut werden können.

Spielerischer Umgang mit Gegenständen

Doch die Konjunktur smarter Spielwaren ist keine Einbahnstraße. Denn analoges Spielzeug aller Art fasziniert Kinder (und Erwachsene) nach wie vor. Gerade bei Kindern ist das immens wichtig. Fähigkeiten wie Feinmotorik und räumliches Denken entwickeln sich am besten spielerisch im Umgang mit realen Gegenständen. Und Kreativität sowie soziale Interaktion profitieren vom klassischen Rollenspiel mit Figuren mindestens genauso wie vom Eintauchen in den virtuellen Spielekosmos. Dass auch Spaß macht, was sinnvoll ist, dafür sprechen die Erfolge von Playmobil-Männchen und Bruder-Lastwagen, von Gesellschaftsspielen und Kuscheltieren.

44985123 © Peter Thomas Vergrößern Stein auf Stein: Ankersteine gelten als eines der ersten Systemspielzeuge überhaupt.

Und wie hält es das technische Spielzeug mit dem Analogen? Blick zurück auf die Lego-Pressekonferenz in Nürnberg: Gleich mehrere Baukästen der dänischen Marke sind im Jahr 2016 unter den besonders ertragreichen Produkten im deutschen Markt gewesen. In der Liste finden sich vor allem die großen (und teuren) Sets der Technic-Reihe. Und viel analoger als diese komplexen Zahnradskulpturen wird es nicht mehr. Das gilt für den Mercedes-Benz Baustellen-Lastwagen (F.A.Z. vom 3. Januar 2016) und den Porsche 911 GT3 RS (F.A.Z. vom 18. Dezember 2016) genauso wie für das neue Motorradmodell einer BMW R 1200 GS Adventure. Der Bausatz ist in enger Zusammenarbeit mit BMW Motorrad entstanden und kostet 50 Euro. Schon für 30 bis 35 Euro ist der Meccano-Bausatz einer Ducati Monster 1200 S zu bekommen (Bild). Die Linienführung der von Schrauben zusammengehaltenen Miniatur ist gelungen, uns gefällt auch die gefederte Hinterradschwinge. In dem Metallbaukasten-System werden mittlerweile sehr viele Kunststoffteile eingesetzt. Das ist auch am Motorrad zu sehen.

Komplexe Bausätze sind immer noch beliebt

Wer stattdessen die ganz klassische Form des Baukastens schätzt, wird beispielsweise bei Modellen des Eiffelturms fündig. Den hatte Meccano jüngst als filigrane Miniatur mit 62 Zentimeter Höhe im Angebot. Der deutsche Metallbaukasten-Hersteller Eitech lässt die französische Ikone des Ingenieurbaus mit dem Kasten C33 (120 Euro) auf 1,25 Meter Höhe wachsen. Noch einige Zentimeter mehr erreicht das Modell der indischen Marke Mechanix (für knapp 160 Euro in Online-Shops zu finden). Deren Bauteile sind zu Halbzoll-Bausystemen wie Meccano, Märklin und Stokys kompatibel.

Klassisches Konstruktionsspielzeug ist also nach wie vor beliebt. Nur bei welcher Zielgruppe eigentlich? Gewiss kaufen viele Erwachsene solche komplexen Bausätze und Baukästen zum Montieren, Stecken und Schrauben. Sie gehören zur selben Altersgruppe wie jene Kunden, die sich filigran gearbeitete Modelle von Rennwagen und Lastautomobilen aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts in die Vitrine stellen – und jene, die für eine realitätstreu konstruierte H-0-Elektrolokomotive mit amüsanter Spielerei mehrere hundert Euro auszugeben bereit sind.

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