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Adidas-Schuhe Boost Mit der Kraft der Energiekapseln

Adidas hat neue Laufschuhe mit dem Dämpfungsmaterial Boost ausgestattet. Wir haben Erfahrungen mit dem Neutralschuh Energy Boost und einem Schuh für überpronierende Läufer gesammelt.

© Hersteller Vergrößern Adizero Adios

Mit dem gerade herausgekommenen Adizero Adios hat Adidas die Laufschuh-Serie, deren Zwischensohle aus dem im Frühjahr eingeführten Dämpfungsmaterial Boost besteht, durch einen leichten Wettbewerbsschuh (210 Gramm in Größe 42) komplettiert. Es gibt nun vier unterschiedliche Schuhe, an denen sich erkennen lässt, dass und wie mit dem gleichen Material Schuhe für unterschiedliche Läufer und Zwecke realisiert werden können. Genauere praktische Erfahrungen wurden mit dem Neutralschuh Energy Boost und dem für überpronierende Läufer konzipierten Adistar Boost gesammelt. Außerdem gibt es als einfacher ausgestattetes und mit einem Preis von rund 130 Euro günstigeres Modell den Sonic Boost. Die anderen Modelle kosten rund 150 (Energy Boost und Adizero Adios) und 170 Euro (Adistar Boost).

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Die Zwischensohle, um die seit Februar viel Aufhebens gemacht wird, ist eine material- wie produktionstechnische Neuheit: Es kommt bei ihr nicht EVA-Schaum (Ethylenvinylacetat) zum Einsatz, sondern thermoplastisches Polyurethan (TPU). Eine Ausnahme bildet der Sonic Boost, bei dem in eine Zwischensohle aus EVA Elemente aus TPU eingelassen werden. Das Material für die Boost-Zwischensohle besteht zunächst aus festem TPU-Granulat, das zu weichen Kapseln aufgeschlossen wird, von denen dann mehrere tausend verbacken werden. Das ganze Verfahren, entwickelt von Adidas und der BASF, klingt so, als ob man aus Maiskörnern zunächst Popcorn mache, um das anschließend zu einem Dämmmaterial zu verdichten.

Die so entstandene Zwischensohle sieht in den Schuhen ähnlich weiß und weich wie Styropor aus; sie lässt die Konturen der Kapseln noch erkennen. Sorgen, mit der in Aussparungen der Außensohle offen zutage tretenden Zwischensohle in Glasscherben oder etwa einen Nagel zu treten, muss man sich nicht machen: Auch mit einem spitzen scharfen Messer war ein tieferes Eindringen in das Sohlenmaterial nicht möglich. Die Eigenschaften, die Boost im Vergleich zu EVA nachgerühmt werden, sind neben seiner Leichtigkeit, der besseren Haltbarkeit und Unempfindlichkeit gegen Temperaturschwankungen vor allem die größeren Rückstellkräfte. Von Energie-Rückgewinn ist die Rede, was paradox klingt, denn das Wesen eines dämpfenden Materials ist es ja eigentlich, Aufprallenergie zu verzehren.

Laufschuh Energy Boost © Hersteller Bilderstrecke 

Die Erfahrungen klären diesen Widerspruch insoweit, als sowohl der Energy wie der Adistar sich beim Gehen und langsamen Traben wie ausgesprochene Dämpfungsschuhe anfühlen. Bei schnellerem Tempo und festeren Tritten scheint die Härte der Schuhe zuzunehmen. Man hat nicht mehr das Gefühl eines weichen Cushion-Schuhs, sondern spürt ein klar definiertes Abdrücken. Das ist natürlich nicht so, als habe man Sprungfedern unter den Sohlen.

Ausgesprochen gelungen ist die Passform, wobei der Energy deutlich kleiner ausfällt. Alle Boost-Schuhe haben sozusagen ein Exo-Skelett: Zehen- und Fersenkappe sind wie die Schnürung von außen auf den nahtlosen textilen Schaft geklebt. Der legt sich tatsächlich einer Socke nicht unähnlich um den Fuß. Zusammen mit der Vorfuß und Ferse voneinander abkoppelnden Sohlenkonstruktion - Adidas nennt diese Stütze des Fußgewölbes Torsion System - ergibt das Schuhe, die dem Fuß viel aktive Bewegungsfreiheit einräumen. Für einen Schuh, der dem Einknicken nach innen im Fußgelenk (Überpronieren) gegenhalten soll, verhält sich der Adistar sehr dezent.

In einem Punkt sind die eigenen Erfahrungen entschieden anders als die mancher anderen Läufer: Häufig wird auf den guten Grip der Schuhe verwiesen, nicht selten unter Hinweis auf das „Continental-Gummi“ der Außensohle. An deren Rutschfestigkeit ist auf trockenem Asphalt auch nichts auszusetzen; auf nassem hat der Grip jedoch nicht überzeugt. Der Adistar war einen Tick besser als der Energy Boost, aber weit davon entfernt, dass er für einen Straßenlauf - womöglich gar über nasses Kopfsteinpflaster - im Nieselregen in die engere Wahl käme.

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Quelle: F.A.Z.

 
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