Home
http://www.faz.net/-gy9-754sf
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Überwachungskameras Kontrolle mit vielen Hürden

 ·  Wer Haus und Hof mit IP-Kameras im Blick behalten will, muss mit komplizierter Technik kämpfen. Wichtige Fotos sollte man per E-Mail senden.

Artikel Bilder (3) Lesermeinungen (6)
© Michael Spehr Vergrößern Logilink: Kamera mit W-Lan

Überwachungskameras sind ein großes Thema, wenn es um den Schutz der Wohnung geht. Vielleicht lässt sich der Einbrecher auf frischer Tat ertappen. Praktisch sind diese Geräte, wenn man abends im Wohnzimmer schnell einen Blick ins Kinderzimmer werfen möchte. Oder von daheim aus ab und zu die Lage im Wochenendhaus im Auge behalten will.

Wer sich mit diesen Systemen beschäftigt, stößt schnell auf ein Dickicht unterschiedlicher Techniken. Kabelgebundene Kameras werden an den PC angeschlossen und dienen etwa dazu, die Hauseinfahrt zu kontrollieren, wenn man im Büro sitzt, also der PC ohnehin läuft. Die lästig lange Leitung wird bei modernen Geräten durch das eingebaute W-Lan-Modul ersetzt. Diese Apparate laufen also unabhängig vom PC und lassen sich via Internet steuern. Ein Bewegungsmelder löst Alarm aus, sobald sich im Beobachtungsfeld etwas tut. Meist über E-Mail, bei einigen wenigen Modellen mit Mobilfunkeinheit auch über SMS. Einige Geräte haben eine schwenkbare Optik, der Kamerakopf lässt sich also aus der Ferne bewegen. Und dann gibt es Apparate mit Nachtsichtmodus, die im Dunklen arbeiten sollen.

Bescheidene Auflösung

Vor dem Kauf sollte man also genau überlegen, was man für welchen Einsatz wirklich braucht. Geht es um die Sicherung von Haus und Hof, sind zunächst grundsätzliche Fragen aufgeworfen: Der Bewegungsmelder löst Alarm aus und verschickt eine E-Mail oder SMS. Wie kann man aus der Ferne erkennen, dass ein böser Bube und nicht der Postzusteller vor der Tür steht? Bekommt man ein Foto oder gar ein Video zugeschickt? Und was dann? Den Nachbarn anrufen oder die Polizei? Wird die Polizei tatsächlich anrücken oder heißt es, man hätte nur einen Streifenwagen, und der sei mit Wichtigerem befasst? Wo ist das Foto gespeichert? Nur in der Kamera, die der Einbrecher als erstes demoliert? Oder auf dem PC im Arbeitszimmer, der vermutlich ebenfalls zum Diebesgut wird?

Sinnvoll ist eigentlich nur ein System, das seine Alarmfotos über E-Mail verschickt oder auf einen außerhäusigen Server lädt. Die Beweisaufnahmen sind dann bereits auf den Weg gebracht, wenn die Infrastruktur im Haus sabotiert wurde. Damit stellt sich gleich die nächste Frage: Was sieht man vom Einbrecher? Die Auflösung vieler Überwachungskameras fällt mit 640 × 480 Pixel recht bescheiden aus. Man erkennt zwar, dass da jemand im Wohnzimmer herumläuft. Ihn aber mit einem unscharfen Foto aus ein paar Meter Entfernung klar zu identifizieren, kann schwer sein. Ein Weitwinkelobjektiv zum Erfassen von möglichst viel Fläche ist übrigens nicht selbstverständlich.

Viel Fummelei

Wir haben einige sogenannte IP-Kameras mit W-Lan ausprobiert. Man kann sich ganze Winterabende damit beschäftigen, denn die Technik ist kompliziert. Erprobt wurden mehrere Apparate von Pearl und Logilink in der Preisklasse zwischen 50 und 250 Euro. Die erste Hürde bei der Inbetriebnahme ist die Einbindung der Kamera in den Adressraum des vorhandenen W-Lan-Netzes. Dazu verbindet man die Kamera per Ethernet-Kabel mit seinem Router und weist ihr eine IP-Adresse zu. Das kann innerhalb von zehn Minuten erledigt sein - oder zur mehrstündigen Bastelei für Netzwerkexperten ausarten.

Anschließend lässt sich die Kamera wahlweise mit einer beiliegenden Software oder im Internet Explorer konfigurieren. Es muss der Microsoft-Browser sein, denn das Ganze funktioniert mit einem Active-X-Plugin. Damit der Zugriff auf die Kamera von anderen PCs jenseits des eigenen Haushalts gelingen soll, ist weitere Fummelei mit Dyn DNS angesagt. Dieser Dienst, der von vielen Routern unterstützt wird, erlaubt es, dass die Kamera mit einem gleichbleibenden Domain-Namen auch dann erreichbar ist, wenn sich die IP-Adresse des eigenen Routers ändert, wie das bei privaten DSL-Anschlüssen der Fall ist. Auch hier rechne man mit einem Zeitrahmen von wenigen Minuten bis zu mehreren Stunden. Allerdings ist der Fernzugriff auf den Notebook oder Windows-PC beschränkt, abermals nur mit dem Internet Explorer. Wer mit mobilen Geräten wie dem Smartphone oder Tablet PC einen Blick ins Heim erhaschen will, bleibt ausgesperrt.

Programmierte Rundfahrten

Hat man sich mit diesen Einschränkungen arrangiert, bieten IP-Kameras im lokalen Einsatz durchaus manchen Komfort. Bei den besseren Modellen kann man das Objektiv mit Mausklick am PC bewegen, Kamerapositionen speichern und sogar „Rundfahrten“ programmieren. Die Bewegungsmelder sind nach unseren Erfahrungen nicht einheitlich gut. Mal wird punktgenau ein Foto der durch die Tür eintretenden Person geschossen, mal löst die Kamera zu spät aus. Meist lässt sich die Empfindlichkeit des Algorithmus justieren, bei besseren Modellen gibt es sogar die Option, eigene Zonen für eine besonders empfindliche Bewegungsdetektion festzulegen. Hier kann man lange experimentieren. Dauerhaft festhalten lassen sich Fotos und Videos, letztere meist in einem AVI-Format, das sich auf Apple-Geräten nicht wiedergeben lässt.

Um die Aufzeichnungen sicher außerhäusig abzulegen, haben wir bei keinem Modell den elegantesten Weg der Foto- und Videospeicherung in der Cloud gefunden. Das wäre ja auch zu einfach. Aber man kann einen E-Mail-Versand oder das Hochladen auf einen FTP-Server programmieren. Wer nicht den Hinterhof, sondern den Hausflur überwachen lässt, freut sich über eine Zeitsteuerung, die verhindert, dass jede Aktivität der Hausbewohner zu einem E-Mail-Hinweis oder FTP-Upload führt. Kurzum: Je länger man sich mit solchen IP-Kameras beschäftigt, um so mehr wünscht man sich neben einer einfacheren Bedienung vor allem leistungsfähigere Software. Und schicke Apps fürs Smartphone und Tablet PC. Die nächste Generation steht in den Startlöchern und will vieles besser machen.

  Weitersagen Kommentieren (120) Merken Drucken
Weitere Empfehlungen
Diktiertechnik In die Cloud gesprochen

Was hat der Datenspeicher im Internet mit altbewährter Diktiertechnik zu tun? Was man ins iPhone spricht, kommt als Word-Datei zurück. Mehr

03.04.2014, 16:04 Uhr | Technik-Motor
Bundesamt warnt „Heartbleed“ ist noch nicht gestoppt

Die Sicherheitslücke „Heartbleed“ ermöglicht es, Passwörter und private Informationen auszuspähen. Jetzt warnt das Bundesamt: Einige Internetdienste haben die Lücke auch nach einer Woche noch nicht geschlossen. Mehr

16.04.2014, 15:50 Uhr | Wirtschaft
Fotografie Mach mal Foto

Der ambitionierte Fotoamateur scheint eine bedrohte Art zu werden: Man muss befürchten, dass die jungen Leute aus der Generation Handyfoto als Kunden ausbleiben. Mehr

17.04.2014, 10:45 Uhr | Technik-Motor

20.12.2012, 08:00 Uhr

Weitersagen
 

Mach mal Foto

Von Hans-Heinrich Pardey

Der ambitionierte Fotoamateur scheint eine bedrohte Art zu werden: Man muss befürchten, dass die jungen Leute aus der Generation Handyfoto als Kunden ausbleiben. Mehr 3