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Veröffentlicht: 27.12.2012, 11:33 Uhr

Transportmittel Die Karriere der Karre

Am Anfang war der Sack. Dann wurde alles Mögliche damit transportiert. Und der Rollkoffer ist die moderne Variante. Dürfen wir vorstellen: die Karre.

© Wresch, Jonas Oh Tannenbaum, wie schwer bist du zu tragen: Mit einer Sackkarre geht das einfach, wie sich mit ihrer Hilfe auch Wasserkästen und winterempfindliche Topfpflanzen bequem transportieren lassen

Einfach trivial. Man hätte selbst drauf kommen können. Denn schon lange gab es die Sackkarre, ein Ding ohne Seltenheitswert, praktisch, seit Jahrzehnten bekannt, gern genutzt zum Beispiel auch von Getränkelieferanten in Flughäfen. Aber der Geistesblitz ließ auf sich warten, und die Reisenden schleppten weiter schwere Koffer durch die Flure der Airports.

Georg Küffner Folgen:

Erst 1987 war es so weit. Robert Plath, früher Pilot bei Northwest Airlines und heute Multimillionär, war es leid, seinen Koffer durch weitläufige Flughafengebäude zu tragen. Er schraubte ihm zwei Räder unter, versah ihn mit einem Teleskopgriff und startete aus seiner Garage heraus eine Kleinproduktion. Schon im ersten Jahr brachte sie ihm einen Umsatz von 1,5 Millionen Dollar ein.

Dabei war Koffermillionär Plath gar nicht der Erfinder des Rollkoffers. Wem diese Ehre gebührt, ist heute nicht mehr zweifelsfrei festzustellen. Im 19. Jahrhundert gab es bereits truhenartige Koffer mit Rollen, mit denen Handelsvertreter ihre Ware zum Kunden schoben. Einen richtigen Rollkoffer hatte dann 1970 der leitende Mitarbeiter eines großen Kofferherstellers aus Massachusetts entwickelt und zum Patent angemeldet. Nur schaffte das Vierrad-Modell den Durchbruch nicht, weil man es wie einen Hund an einem Band hinter sich herzuziehen hatte - was niemand wollte.

Unentbehrlich in Lagern

Auch im Fall der Sackkarre liegen die Anfänge im Dunkeln. Fest steht lediglich, dass die anfangs mit massiven Holzrädern und später mit Eisenrädern bestückten Karren den Scheuerleuten in den Häfen rund um den Globus gute Dienste leisteten. Die einstmals meistverbreitete Gebindeform, der Sack, gefüllt mit Schüttgütern wie Kaffee oder Salz, musste nicht mehr auf der Schulter geschleppt werden, wobei die kleinen Röllchen der zu Beginn komplett aus Holz gefertigten Sackkarren nur mit ebenem und festem Geläuf zurechtkamen. Speziell in den Lagerschuppen der Handelshäuser waren sie unentbehrlich - und belastbar, wie historische Aufnahmen zeigen. Bis zu zehn Säcke Zement, rund eine halbe Tonne, nahmen die auf.

Dennoch hat die Bedeutung der Sackkarre mit ihrem leicht nach hinten geschwungenen Holm schwer nachgelassen. Der Grund: Nur noch Kartoffeln, Walnüsse und Zwiebeln werden in größeren Mengen in Säcken abgepackt, während das Gros der Waren in einfach zu stapelnden Behältnissen (Faltschachteln und Plastik-Getränkekisten) unterwegs ist. Daher gibt es heute fast nur noch Stapelkarren. Deren Holm steht senkrecht, und die Schaufel, auf die man die Last aufsetzt oder die man darunter schiebt, ragt ebenerdig im rechten Winkel nach vorne.

Zwischen mehreren Schaufelformen und -größen - je nach Einsatzgebiet - kann man beim Kasseler Hersteller Expresso wählen, der für den modularen Aufbau seiner Karren bekannt ist. Zugunsten eines geringen Gewichts begnügen sich Paketdienste mit Rohrschaufeln, die aus parallel geführten Stäben bestehen und Gitterrosten ähneln. Wer dagegen Schweres zu transportieren hat, entscheidet sich tunlichst für eine Spatenschaufel. Die gibt es in Klein bis Groß. Stets ist die Oberfläche der aus Aluminium gefertigten Massivschaufel sorgfältig profiliert, so dass die Ladung kaum zur Seite abrutschen kann.

22606927 Treppensteiger: Venedig-Karre mit zwei kleinen Stützrädern © Georg Küffner Bilderstrecke 

Ein Stapelkarren-Führerschein wird nicht verlangt. Doch diese Fahrzeuge richtig zu handhaben, sollte man üben wie Rückwärtseinparken. Vor allem das „Ankippen des Stapels“ ist nicht ohne, ist dazu bei einer schwer beladenen Karre doch einiger Kraftaufwand erforderlich. Man darf aber auch nicht zu stark zerren, weil dann der Stapel samt Karre zu kippen droht. Im schlimmsten Fall kommt die gesamte Last in Bewegung und stürzt auf den Karrenlenker zu.

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