Hier einen Strich schärfer gezogen, dort etwas die Falten gestrafft, der Toyota Avensis hat dank einer formalen Überarbeitung im vergangenen Winter an Jugendlichkeit gewonnen und an Attraktivität zugelegt. 25 950 Euro kostet der günstigste Diesel in der Kombiversion, die den Löwenanteil der Baureihe in Deutschland ausmacht, fast 80 Prozent der Kunden entscheiden sich dafür. Die gut ausgestattete Life-Variante will mit 27 800 Euro bezahlt werden. Dafür gibt es unter anderem eine Klimaautomatik statt der im Grundmodell gebotenen manuellen Innenraum-Kühlung, einen Geschwindigkeitsregler und das Multimedia-System „Touch and go“ samt Rückfahrkamera.
Der neue Auftritt des 4,80 Meter langen Kombi wurde im südfranzösischen Designzentrum des Herstellers bei Cannes vorbereitet. Motto: In Europa für Europa. Vor allem in der Alten Welt spielt der Wagen eine tragende Rolle für Toyota. Schicke LED-Leuchten am Heck, ein fein eingerichteter Innenraum und vor allem neue Sitze (die wesentlich besseren Seitenhalt als bisher bieten) gehören zu den markanten Veränderungen. An Raum mangelt es nicht, Ablagen finden sich in ausreichender Zahl, sie sind funktional und praktisch gestaltet und verteilt. Der Kofferraum fasst rechnerisch 543 bis 1690 Liter Gepäck, die Vergrößerung durch Umklappen der Rücksitzlehnen gelingt leicht und schnell. Die Bedienung des Avensis ist ohnehin keine Herausforderung, Knöpfe und Schalter finden sich an gewohnten Plätzen, der berührungssensitive Bildschirm des Multimedia-Systems funktioniert tadellos, wichtige Funktionen lassen sich über ihn regeln. Für günstige 550 Euro kann man die Anlage um eine Wegweisung erweitern, ein empfehlenswertes Extra, das die Reisetauglichkeit des Toyota unterstreicht.
Der Zweiliter-Dieselmotor unter der Haube ist nicht neu, aber kräftig überarbeitet worden. Die Modellbezeichnung 2.0D-4D weist auf die Direkteinspritzung mit Common-Rail-Technik hin, ein Turbolader haucht dem Selbstzünder zusätzliche Kraft ein. Eine Winzigkeit schwächer als die Maschine im Vorgänger ist der Einstiegsdiesel mit nun 91 kW (124 PS). Der Verlust von zwei Pferdestärken fällt allenfalls beim Studium der technischen Daten auf, spürbar ist dagegen die im Drehzahlband nach unten verschobene Drehmomentspitze. 310 Newtonmeter liegen bei 1600 Umdrehungen in der Minute an, satte 300 Nm stehen jetzt schon bei 1400/min bereit. Der Griff zum Schalthebel des manuellen Sechsganggetriebes wird bei langen Fahrten zur Seltenheit, der Avensis lässt sich entspannt und komfortabel allein mit dem Druck auf das Gaspedal durch nahezu alle Situationen unterwegs steuern.
Die Gelassenheit wirkt sich auf den Treibstoffverbrauch aus. Mit kaum mehr als fünf Liter Diesel ist der Avensis im Alltag unterwegs, wer zurückhaltend fährt, erreicht den angegebenen Normverbrauch von 4,6 Liter auf 100 Kilometer mühelos. Selbst zügige Reisen absolviert der Toyota mit verhaltenem Konsum, mehr als sieben Liter verlangte der Selbstzünder auch bei Expressfahrten auf der Autobahn nicht. Der Mittelwert von 5,7 Liter auf 100 Kilometer ist anständig, 60 Liter Tankvolumen verhindern, bei der Suche nach den günstigsten Kraftstoffpreisen in Zugzwang zu geraten.
Der Avensis ist ein Leisetreter im positiven Sinn. Die Geräuschentwicklung der Maschine ist gering, das Abrollen der Reifen bleibt ebenso unauffällig wie das Rauschen des Fahrtwinds. Dabei sind die Fahrleistungen des rund 1650 Kilogramm schweren Kombis (Zuladung nur 480 Kilo) vorzeigbar. 202 km/h ergibt die Messung der Höchstgeschwindigkeit, zehn Sekunden vergehen beim Sprint von 0 auf 100 km/h.
Der Avensis Combi zeigt sich als Meister der Distanz. Vier Reisende sind bestens untergebracht und können ihr Gepäck mühelos verstauen. Außerdem kommen sie in den Genuss einer vorzüglichen Federung, die weder kurze Stöße noch längere Wellen aus der Ruhe bringen. Das wird jedoch mit spürbarer Seitenneigung der Karosserie in Kurven erkauft, was für einen Reise-Kombi aber kein wirkliches Manko ist. Die Lenkung ist dynamischer geworden, sie gibt gute Rückmeldung von den angetriebenen Vorderrädern. Kaum weniger feinfühlig lassen sich die Bremsen dosieren, neben vielen Annehmlichkeiten gehört auf diese Weise entspanntes Ankommen zur Serienausstattung des Avensis.
Ein kleines Ärgernis zum Schluss: 200 Euro Aufpreis für Leichtmetallräder mögen noch angemessen sein, dass jedoch ausschließlich weiße Lackierung Serienstandard ist, will dem Betrachter nicht recht einleuchten. Für jedweden anderen Farbwunsch wird der Kunde mit 550 Euro zur Kasse gebeten.
Geräuschentwicklung
Michael Seip (Mike63)
- 04.06.2012, 13:15 Uhr
Es geht doch
Marvin Parsons (mapar)
- 04.06.2012, 00:34 Uhr
4,8 Meter Kombie für 4 Personen?
klaus keller (klkeller)
- 03.06.2012, 13:43 Uhr
