http://www.faz.net/-gy9-73ezb
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 08.10.2012, 16:00 Uhr

Titanic in 3D auf Bluray 14 Millionen Euro für die dritte Dimension

15 Jahre sind vergangen, seitdem die Titanic von James Cameron ihre Celluloid-Premiere feierte. Nun ist die 3D-Fassung in hochaufgelöster Optik als Bluray zu haben.

von Marion Kamp
© dpa Bleibt auch in 3D der König der Welt: Leonardo DiCaprio mit seiner Königin Kate Winslet in „Titanic“

Nur vier Prozent der deutschen Haushalte wagten im vergangenen Jahr den Schritt in eine neue TV-Ära und legten sich einen 3D-Fernseher zu. Von einem Massenmarkt kann keine Rede sein. Zudem nutzt längst nicht jeder, der ein solches Gerät besitzt, die 3D-Funktion. Schließlich ist die Zahl entsprechender Ausstrahlungen über Fernsehkanäle verschwindend gering. Auch das Angebot an 3D-Videos blieb bislang überschaubar. Doch zumindest Letzteres soll sich ändern - glaubt man Twentieth Century Fox: Rund ein Drittel aller verkauften Bluray-Discs, die der Anbieter bis zum Jahresende verkaufen will, sollen 3D-Filme sein. Dabei setzt Fox vor allem auf Zugpferde wie „Titanic“.

Die dreidimensionale Fassung eines der erfolgreichsten Filme kam Ende September für 30 Euro in den Handel. Seine Bearbeitung verschlang rund 14 Millionen Euro und basiert auf einem digitalen Master des originalen 35-Millimeter-Films. Dieses Master wurde in vierfacher, horizontaler Full-HD-Auflösung (4K) erstellt und über ein Jahr lang von rund 300 Computerspezialisten in mühsamer Kleinarbeit um eine dritte Dimension bereichert. „Wir hatten rund 295 000 Frames zu bearbeiten, und jedes einzelne musste mit exakt derselben Komplexität und Tiefe versehen werden“, sagt Regisseur James Cameron, der eng in den Konvertierungsprozess eingebunden war. Sein Perfektionismus hat sich gelohnt. Allein der Maschinenraum des Kreuzfahrtschiffs ist in 3D atemraubend. Auch detailreiche Aufnahmen an Deck oder im Speisesaal beeindrucken, denn die Macher haben wirklich jedes Glas nachpoliert - wenn auch virtuell. Am meisten jedoch faszinierten uns die Nahaufnahmen: So meint man, Kate Winslet oder Leonardo DiCaprio die Hand reichen zu können.

Mehr zum Thema

Frei von Makel ist die Konvertierung jedoch nicht. Immer wieder hat es den Anschein, als sei das Bild in verschiedenen Ebenen aufgebaut. Vor allem unscharf aufgenommene Objekte oder Personen wirken oft schablonenhaft. Ferner kommt die 3D-Variante im Seitenverhältnis 1,78:1 daher, während ihr zweidimensionales Pendant mehr Bildinformationen in der Breite zeigt (Seitenverhältnis 2,35:1). Das mögen einige passend, andere schade finden. Der Sound hinterlässt in den meisten Momenten einen harmonischen Eindruck. Nur mit zunehmender Dramatik - von der das Movie ja mehr als reichlich offeriert - empfanden wir den Ton etwas übertrieben: Zum Filmende fühlten wir uns akustisch gar an Feuer statt Wasser erinnert. Aber wer weiß schon, wie es wirklich klingt, wenn ein 46 000 Tonnen schwerer, schwimmender Palast geflutet wird?

Dennoch: Alles in allem hinterlässt der 3D-Streifen einen positiven Eindruck - dominiert von einer tollen Brillanz, kontrastreichen Bildern mit feiner Farbabstimmung und hoher Plastizität. So bleibt’s dabei: Titanic war und ist großes Kino. Zudem bietet die Bluray zwei neue Dokumentationen. Mit dabei ein 90-minütiger Beitrag von National Geographic, in dem Cameron sowie acht Experten Antworten auf spannende Fragen suchen: Wieso zerbrach das Schiff? Weshalb erstreckt sich das Trümmermaterial des Wracks über ein Gebiet von 1,5 Kilometer? Und warum kippte der Gigant kaum zur Seite, als er sank? Der Regisseur und Tiefseeforscher, der das Wrack bereits 33 Mal aufsuchte, gibt sich überzeugt, dass dies dem persönlichen Einsatz einiger Besatzungsmitglieder zu verdanken sei, die ihr Leben für andere opferten. So ist zu vermuten, dass ein Teil der Crew durch gezieltes Umpumpen des Wassers sowie das Füllen von Ausgleichstanks die Schlagseite der Titanic minimierte: um das Abseilen von Rettungsbooten auf beiden Schiffsseiten zu ermöglichen. Von diesen „unbesungenen Helden“, wie Cameron sie nennt, erfährt man im Film weiterhin nichts. Das nachträgliche Hinzufügen mag der gebürtige Kanadier nämlich nicht. Es sei denn, es handelt sich um eine dritte Dimension.

Quelle: F.A.S.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Golfer DeChambeau Der Praktikant mit der Schiebermütze

Bryson DeChambeau versucht, sich in der Welt des Profi-Golfs zu etablieren. Dabei fällt er allerdings mit so ziemlich allem aus der Norm – und ist auch vor Rückschlägen nicht gefeit. Mehr Von Wolfgang Scheffler

25.04.2016, 15:01 Uhr | Sport
Video Titanic-Chef: Merkel nähert sich Erdogan und anderen Despoten an

Titanic-Chef Tim Wolff hat sich zur Entscheidung Angela Merkels zur Causa Böhmermann geäußert. Außerdem wolle das Satire-Magazin Erdogan nicht weiter beleidigen, sagte Wolff. Stattdessen wolle man sämtliche Staatspräsidenten der ganzen Welt in der nächsten Ausgabe beleidigen. Mehr

15.04.2016, 20:11 Uhr | Politik
Obama in Town Hall Meeting Ihr seid die Generation, die Einwanderung als Chance begreift

Ortstermin mit Amerikas Präsidenten in der Halle der Londoner Royal Horticultural Society. Eine offene Bühne, ein Obama ohne Jackett mit hochgekrempelten Ärmeln. So stellt er sich den Fragen junger Briten. Mehr

23.04.2016, 13:50 Uhr | Politik
Video William und Kate in Indien

Prinz William und seine Gattin, Herzogin Kate, trafen am Sonntag während ihres Besuch in Indien wichtige Vertreter der Kino-Prominenz von Bollywood. Zuvor waren die beiden Royals ebenfalls in Mumbai bedürftigen Kindern begegnet. Angesetzt war ein Wohltätigkeitsmatch im Cricket für unterprivilegierte Mädchen und Jungen. Mehr

11.04.2016, 14:07 Uhr | Gesellschaft
London Zehntausende demonstrieren gegen Camerons Sparpolitik

Kurz nachdem Cameron eine Beteiligung an der Briefkastenfirma seines Vaters eingestehen musste, demonstrierten Zehntausende in London gegen die Sparpolitik des Premierministers. Mehr

16.04.2016, 20:03 Uhr | Politik

No Stops

Von Boris Schmidt

Einen Motor, der ausgeht, mögen die Amerikaner offenbar nicht. In Europa ist das längst Usus. Fast alle Neuwagen haben diese Technik. Mehr 1 0