12.06.2004 · Die Siemens-Anlage Gigaset SX550i bietet drahtloses Internetsurfen und schnurloses Telefonvergnügen
Von Dietmar Spehr"Vernetzung" heißt das Zauberwort, das den Herstellern elektronischer Geräte große Einnahmen und den Konsumenten viel Komfort bringen soll. Künftig ist jedes Gerät im Haushalt mit dem Computer verbunden. Es überrascht nicht, daß Siemens jetzt ein Gerät ins Rennen schickt, das schnurloses Internetsurfen und kabelloses Telefonieren vereint. Im Gehäuse der Telefonanlage Gigaset SX550i steckt nämlich nicht nur eine Lade- und Sendestation für das Schnurlostelefon Gigaset S1, sondern auch ein Sender, der mit dem Wireless-Lan-Standard arbeitet. So lassen sich kabellos mehrere Computer untereinander und mit dem Internet vernetzen. Eine tolle Idee, denn der Benutzer spart ein zusätzliches Kästchen und ein weiteres Netzteil in der bei Computerbesitzern meist gut gefüllten Steckerleiste.
Man erhält zwei sehr gute, in ein Gehäuse gepackte Komponenten: Das Telefon S1 ist derzeit das zweitbeste Schnurlostelefon im Siemens-Programm und überzeugte uns im Test auf ganzer Linie. Es arbeitet mit dem üblichen Dect-Standard und bietet alle Funktionen, die man von einem Oberklasse-Gerät derzeit erwarten darf. Der Telefonspeicher mit 200 Einträgen reicht auch für Personen mit ausgedehnten privaten Beziehungen, und an der Sprachqualität gibt es nichts auszusetzen. SMS und sogar EMS lassen sich verschicken. Momentan funktioniert das allerdings nur in die Netze von Vodafone und Telekom. Bestnoten gibt es auch für die Bereitschaftszeit von etwa 100 Stunden. So kommt das Gerät auch mal eine Weile ohne die Ladestation aus. Wer den täglichen Umgang mit seinem bunten Multimediahandy gewohnt ist und es mit dem an Funktionen nicht viel ärmeren S1 vergleicht, blickt allerdings mit ein wenig Mißfallen auf das trostlos zweifarbige Menü des Geräts.
Die Abteilung für Wireless Lan überzeugte. Das Gerät arbeitet mit dem 802.11g-Standard, der schnelle Übertragungsraten von 54 Megabit in der Sekunde bietet. Auch ältere und preiswerte Einsteckkarten für den Laptop, die mit 11 Megabits je Sekunde und dem 802.11b-Verfahren funken, vertragen sich damit bestens. Für das Surfen im Internet reicht die langsamere Geschwindigkeit allemal. Wenn die Funkverbindung zwischen dem Computer und der Gigaset-Station automatisch aufgebaut ist, läuft alles wie am Schnürchen. Zur Konfiguration des Geräts reicht der Windows-eigene Internet-Explorer. Nach Eingabe eines Kennworts erscheint ein sehr gut strukturiertes, deutschsprachiges Menü. Damit hebt sich das Modell angenehm von der Konkurrenz ab, deren Technik bisweilen nur diplomierte Informatiker entzückt. Ganz ohne die Eingabe von Parametern wie beispielsweise IP-Adressen, DHCP-Funktion und Zugangsdaten läuft allerdings in den meisten Fällen auch bei Siemens nichts. Wer in Netzwerkeinstellungen recht unbedarft ist, tut also gut daran, einen in Computerangelegenheiten bewanderten Freund hinzuzuziehen. Hilfe bietet ferner das Handbuch der Anlage. Obwohl es unmöglich ist, alle nur denkbaren Konfigurationen darzustellen, überzeugt die Anleitung mit schierer Fülle: allein 130 Seiten widmen sich Wireless Lan.
Damit sich beim Surfen nicht auch der Nachbar freut, der mit seinem Rechner die drahtlosen Datenströme abfängt, läßt sich das Gerät gegen heimliche Lauscher absichern. Sofern man die Kennwörter nicht bei der Voreinstellung beläßt und einige andere im Handbuch ausführlich beschriebene Hinweise beachtet, ist das schnurlose Surfen mit dem Gigaset SX550i eine sichere Sache. Die in den Medien gern zitierten Horrorfälle von allgemein zugänglichen Patientendaten, Steuerakten und privaten Bildern sind fast ausschließlich die Folge von Unachtsamkeit bei den Sicherheitseinstellungen.
Die Gigaset-Anlage hat uns über einige Wochen hinweg ohne Zicken und flott ins Internet gebracht. Auch am Telefon gibt es nichts auszusetzen. Eine solche Zwei-in-eins-Lösung für 250 Euro könnte künftig beide Module stärker miteinander verbinden. Wenn der PC Zugriff auf den Telefonteil hätte, wären eine Reihe schöner neuer Anwendungen denkbar. Indes muß ja noch ein bißchen Potential für die Zukunft übrigbleiben.