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Veröffentlicht: 26.03.2012, 10:00 Uhr

Technikgeschichte Im Strom der Dinge

Sonderausstellungen im Deutschen Museum beleuchten, wie die elektrische Energie den Alltag verändert hat. Eine Zeitreise zwischen Stromräuber und Energiesparlampe.

von Peter Thomas
© Peter Thomas Barockes Gehäuse für Schlagermusik: Radiotechnik der 1950er Jahre im Deutschen Museum

Mit dem Stromnetz kam Ende des 19. Jahrhunderts eine neue Quelle für Licht und Wärme, für Kraft und Kälte ins Haus. Diese elektrische Energie für den Eigenbedarf war zu Beginn noch ein absolutes Luxusgut und wurde in den ersten Jahrzehnten entsprechend zelebriert. Doch der Anschluss privater Haushalte an das Netz setzte sich - insbesondere nach dem Ersten Weltkrieg - immer mehr durch. Die Elektrifizierung revolutionierte somit das private Leben auf breiter Basis.

Das Kabel zwischen Steckdose und Endverbraucher wurde dabei zur Nabelschnur einer neuen technischen Kultur. Elektrische Energie versprach einen bis dahin nicht gekannten Komfort: zunächst durch die Ablösung von scheinbar überholten Arbeiten und Geräten, vor allem aber durch die Erfindung ganz neuer Anwendungen. Das Deutsche Museum in München betrachtet in der Sonderausstellung „Kabelsalat - Energiekonsum im Haushalt“ (noch bis zum 15. April 2012 im Foyer der Bibliothek) diesen Aspekt der Technikgeschichte.

Eine nicht gekannte Helligkeit im Haushalt

Immer wieder dreht sich die recht kompakte Schau dabei um Fragen technischer, ökonomischer und psychologischer Schnittstellen. Dazu zählt natürlich die Steckdose als Vermittler zwischen Netz und Verbraucher. An ihren frühen Formen wie dem sogenannten „Stromräuber“ lässt sich der Ursprung des häuslichen Stromanschlusses für die Lieferung von Lichtenergie erkennen. Denn der Räuber war eine Vorrichtung, die mittels Schraubgewinde zwischen Lampenfassung und Leuchtmittel geschaltet wurde und so die Stromentnahme an der Deckenleuchte erlaubte.

19073099 Schnittstelle der Elektrifizierung: Steckdose mit Schutzkontakt © Peter Thomas Bilderstrecke 

Was da in den ersten Jahren über bunte Kabel mit Textilisolierung angeschlossen wurde, spricht von dem noch etwas tastenden Willen, das Medium Elektrizität über die Beleuchtung hinaus in den Haushalt zu integrieren: War der Zigarrenanzünder (1890) noch eher Statussymbol und technisches Spielzeug, sollte die elektrische Bratpfanne (1887) bereits den Küchenbetrieb erleichtern. Einen ganzen Herd unter Strom zu setzen schien den Erfindern dieses Werkzeugs zum Brutzeln und Braten vor 125 Jahren aber wohl noch zu ambitioniert.

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Elektrisches Licht jedenfalls versprach eine bis dahin nicht gekannte Helligkeit im Haushalt. Damit nahmen die ersten privaten Stromkunden der Energieversorger einen Takt auf, den Fabriken mit illuminierten Werkshallen und der öffentliche Raum mit Theaterlicht und Straßenlaternen vorgaben. Neu war allerdings für die kleine Schicht der Stromkunden (in Berlin waren 1910 erst 3,5 Prozent aller Haushalte an das Netz angeschlossen) die individuelle Verfügbarkeit der Kraftquelle Elektrizität für verschiedene Endgeräte. Insbesondere die Einführung normierter Steckverbindungen stellte eine Grundlage dar für die freie Erweiterung des häuslichen Maschinenparks durch eine Vielzahl von Anwendungen und Maschinen.

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