http://www.faz.net/-gy9-6ynxb
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 26.03.2012, 10:00 Uhr

Technikgeschichte Im Strom der Dinge

Sonderausstellungen im Deutschen Museum beleuchten, wie die elektrische Energie den Alltag verändert hat. Eine Zeitreise zwischen Stromräuber und Energiesparlampe.

von Peter Thomas
© Peter Thomas Barockes Gehäuse für Schlagermusik: Radiotechnik der 1950er Jahre im Deutschen Museum

Mit dem Stromnetz kam Ende des 19. Jahrhunderts eine neue Quelle für Licht und Wärme, für Kraft und Kälte ins Haus. Diese elektrische Energie für den Eigenbedarf war zu Beginn noch ein absolutes Luxusgut und wurde in den ersten Jahrzehnten entsprechend zelebriert. Doch der Anschluss privater Haushalte an das Netz setzte sich - insbesondere nach dem Ersten Weltkrieg - immer mehr durch. Die Elektrifizierung revolutionierte somit das private Leben auf breiter Basis.

Das Kabel zwischen Steckdose und Endverbraucher wurde dabei zur Nabelschnur einer neuen technischen Kultur. Elektrische Energie versprach einen bis dahin nicht gekannten Komfort: zunächst durch die Ablösung von scheinbar überholten Arbeiten und Geräten, vor allem aber durch die Erfindung ganz neuer Anwendungen. Das Deutsche Museum in München betrachtet in der Sonderausstellung „Kabelsalat - Energiekonsum im Haushalt“ (noch bis zum 15. April 2012 im Foyer der Bibliothek) diesen Aspekt der Technikgeschichte.

Eine nicht gekannte Helligkeit im Haushalt

Immer wieder dreht sich die recht kompakte Schau dabei um Fragen technischer, ökonomischer und psychologischer Schnittstellen. Dazu zählt natürlich die Steckdose als Vermittler zwischen Netz und Verbraucher. An ihren frühen Formen wie dem sogenannten „Stromräuber“ lässt sich der Ursprung des häuslichen Stromanschlusses für die Lieferung von Lichtenergie erkennen. Denn der Räuber war eine Vorrichtung, die mittels Schraubgewinde zwischen Lampenfassung und Leuchtmittel geschaltet wurde und so die Stromentnahme an der Deckenleuchte erlaubte.

19073099 Schnittstelle der Elektrifizierung: Steckdose mit Schutzkontakt © Peter Thomas Bilderstrecke 

Was da in den ersten Jahren über bunte Kabel mit Textilisolierung angeschlossen wurde, spricht von dem noch etwas tastenden Willen, das Medium Elektrizität über die Beleuchtung hinaus in den Haushalt zu integrieren: War der Zigarrenanzünder (1890) noch eher Statussymbol und technisches Spielzeug, sollte die elektrische Bratpfanne (1887) bereits den Küchenbetrieb erleichtern. Einen ganzen Herd unter Strom zu setzen schien den Erfindern dieses Werkzeugs zum Brutzeln und Braten vor 125 Jahren aber wohl noch zu ambitioniert.

Mehr zum Thema

Elektrisches Licht jedenfalls versprach eine bis dahin nicht gekannte Helligkeit im Haushalt. Damit nahmen die ersten privaten Stromkunden der Energieversorger einen Takt auf, den Fabriken mit illuminierten Werkshallen und der öffentliche Raum mit Theaterlicht und Straßenlaternen vorgaben. Neu war allerdings für die kleine Schicht der Stromkunden (in Berlin waren 1910 erst 3,5 Prozent aller Haushalte an das Netz angeschlossen) die individuelle Verfügbarkeit der Kraftquelle Elektrizität für verschiedene Endgeräte. Insbesondere die Einführung normierter Steckverbindungen stellte eine Grundlage dar für die freie Erweiterung des häuslichen Maschinenparks durch eine Vielzahl von Anwendungen und Maschinen.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Toyota RAV4 im Test Im Reich der Sensoren und Schaltkreise

Größer, stärker und intensiver. Der neue Toyota RAV4 setzt auf Hochtechnologie. Der Hersteller hat einen großen Aufwand für die Verjüngungskur betrieben. Doch kann der Wagen wirklich überzeugen? Mehr Von Wolfgang Peters

17.08.2016, 10:17 Uhr | Technik-Motor
Auf 2300 Meter Höhe Reinhold Messners Mountain Museum

Ein Museum auf 2.300 Meter Höhe? Auf dem Kronplatz in den Südtiroler Alpen steht das Mountain Museum der Bergsteigerlegende Reinhold Messner. Entworfen wurde es von der 2016 verstorbenen Stararchitektin Zaha Hadid. Mehr

15.08.2016, 15:03 Uhr | Stil
Mini-Tornados Die kleinen Staubteufel

Sie kommen aus den Wüstengebieten der Erde und sind für mineralischen Staub in der Atmosphäre verantwortlich: Staubstürme. Italienische Forscher gingen nun der Frage nach, wie diese entstehen. Mehr Von Horst Rademacher

16.08.2016, 00:14 Uhr | Wissen
Ausstellung in London Königlicher Einblick in den Kleiderschrank der Queen

Während Queen Elisabeth im Sommerurlaub weilt, ist im Buckingham Palace eine Ausstellung mit einer Auswahl ihrer Roben und Kostüme zu sehen. Auch Uniformen der Königin und das Krönungskleid Elisabeths sind Teil der Schau. Mehr

25.07.2016, 02:00 Uhr | Stil
Frankfurter Zeitung 12.08.1916 Versuche mit radioaktiven Leuchtfarben

Leuchtende Uhren oder Kompasse erfreuen sich bei Soldaten wachsender Beliebtheit. Aber es gibt noch Verbesserungsbedarf, berichtet die Frankfurter Zeitung vom 12. August 1916. Mehr

12.08.2016, 00:00 Uhr | Politik

Gar nicht so scharf

Von Hans-Heinrich Pardey

Eine Untersuchung der Fachzeitschrift „Colorfoto“ mit verschiedenen Kameras und zahlreichen Objektiven zeigt: Kameras erlauben sich durchaus Patzer, manche so viele, dass das korrekte Funktionieren eher als Ausnahme erscheint. Mehr 1