Home
http://www.faz.net/-gy9-6ynxb
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Technikgeschichte Im Strom der Dinge

Sonderausstellungen im Deutschen Museum beleuchten, wie die elektrische Energie den Alltag verändert hat. Eine Zeitreise zwischen Stromräuber und Energiesparlampe.

© Peter Thomas Vergrößern Barockes Gehäuse für Schlagermusik: Radiotechnik der 1950er Jahre im Deutschen Museum

Mit dem Stromnetz kam Ende des 19. Jahrhunderts eine neue Quelle für Licht und Wärme, für Kraft und Kälte ins Haus. Diese elektrische Energie für den Eigenbedarf war zu Beginn noch ein absolutes Luxusgut und wurde in den ersten Jahrzehnten entsprechend zelebriert. Doch der Anschluss privater Haushalte an das Netz setzte sich - insbesondere nach dem Ersten Weltkrieg - immer mehr durch. Die Elektrifizierung revolutionierte somit das private Leben auf breiter Basis.

Das Kabel zwischen Steckdose und Endverbraucher wurde dabei zur Nabelschnur einer neuen technischen Kultur. Elektrische Energie versprach einen bis dahin nicht gekannten Komfort: zunächst durch die Ablösung von scheinbar überholten Arbeiten und Geräten, vor allem aber durch die Erfindung ganz neuer Anwendungen. Das Deutsche Museum in München betrachtet in der Sonderausstellung „Kabelsalat - Energiekonsum im Haushalt“ (noch bis zum 15. April 2012 im Foyer der Bibliothek) diesen Aspekt der Technikgeschichte.

Eine nicht gekannte Helligkeit im Haushalt

Immer wieder dreht sich die recht kompakte Schau dabei um Fragen technischer, ökonomischer und psychologischer Schnittstellen. Dazu zählt natürlich die Steckdose als Vermittler zwischen Netz und Verbraucher. An ihren frühen Formen wie dem sogenannten „Stromräuber“ lässt sich der Ursprung des häuslichen Stromanschlusses für die Lieferung von Lichtenergie erkennen. Denn der Räuber war eine Vorrichtung, die mittels Schraubgewinde zwischen Lampenfassung und Leuchtmittel geschaltet wurde und so die Stromentnahme an der Deckenleuchte erlaubte.

19073099 Schnittstelle der Elektrifizierung: Steckdose mit Schutzkontakt © Peter Thomas Bilderstrecke 

Was da in den ersten Jahren über bunte Kabel mit Textilisolierung angeschlossen wurde, spricht von dem noch etwas tastenden Willen, das Medium Elektrizität über die Beleuchtung hinaus in den Haushalt zu integrieren: War der Zigarrenanzünder (1890) noch eher Statussymbol und technisches Spielzeug, sollte die elektrische Bratpfanne (1887) bereits den Küchenbetrieb erleichtern. Einen ganzen Herd unter Strom zu setzen schien den Erfindern dieses Werkzeugs zum Brutzeln und Braten vor 125 Jahren aber wohl noch zu ambitioniert.

Mehr zum Thema

Elektrisches Licht jedenfalls versprach eine bis dahin nicht gekannte Helligkeit im Haushalt. Damit nahmen die ersten privaten Stromkunden der Energieversorger einen Takt auf, den Fabriken mit illuminierten Werkshallen und der öffentliche Raum mit Theaterlicht und Straßenlaternen vorgaben. Neu war allerdings für die kleine Schicht der Stromkunden (in Berlin waren 1910 erst 3,5 Prozent aller Haushalte an das Netz angeschlossen) die individuelle Verfügbarkeit der Kraftquelle Elektrizität für verschiedene Endgeräte. Insbesondere die Einführung normierter Steckverbindungen stellte eine Grundlage dar für die freie Erweiterung des häuslichen Maschinenparks durch eine Vielzahl von Anwendungen und Maschinen.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Fahrbericht Audi A3 Sportback Ahnungslos hechelt der Benziner im Hintergrund

Mit Audis Plug-in A3 ist Hybridfahren alltäglich. Fast perfekt die Technik. Aber sie ist teuer und vom Schummeln mit dem Verbrauch belastet. Ehrlichkeit tut not. Mehr Von Wolfgang Peters

16.01.2015, 15:04 Uhr | Technik-Motor
Ausstellung für Schuhliebhaber High Heels im Museum

Das Brooklyn Museum in New York widmet eine ganze Ausstellung dem liebsten Accessoire der Frau: Den High Heels. Über 400 Jahre alte Schuhe, aber auch High Heels von Lady Gaga und Marilyn Monroe gibt es zu sehen. Mehr

14.12.2014, 13:07 Uhr | Feuilleton
Formel E Stadtrundfahrten mit nur 80 Dezibel

Nicht nur bei der Lärmbelästigung liegt die Formel E deutlich hinter den Werten der Formel 1 zurück. Der Motorsport aus der Steckdose ist anders. Kurioses tut sich in der Boxengasse: Denn beim Stopp müssen die Piloten nicht nur die Reifen wechseln. Mehr Von Michael Wittershagen

27.01.2015, 15:34 Uhr | Sport
Luxusgut aus Vietnam Kaviar ist nicht nur für die Elite

Der vietnamesische Geschäftsmann Le Anh Duc produziert Kaviar von Albino-Stören. Er verkauft seine Ware mit großem Erfolg ins Mutterland des Kaviars, nach Russland. Bis 2017 will Le Anh Duc seine Produktion verdreifachen und zum Kaviar-König von Vietnam aufsteigen. Mehr

02.01.2015, 12:03 Uhr | Stil
Soziale Netzwerke offline Facebook und Instagram für 45 Minuten ausgefallen

Entschuldigung, da ist was schiefgelaufen: Wer sich an diesem Dienstagmorgen bei Facebook einloggen wollte, fand statt der gewohnten Timeline die lapidare Entschuldigung für einen Netzwerkausfall in vielen Weltregionen. Mehr

27.01.2015, 09:35 Uhr | Feuilleton
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 26.03.2012, 10:00 Uhr

Rat lohnt

Von Boris Schmidt

Ohne Navigationssystem trauen wir uns doch gar nicht mehr auf große (und kleine) Fahrt. Bedingungslos wird den Gerätschaften vertraut, die ihr Wissen aus Software und Satelliten beziehen. Mehr 2