http://www.faz.net/-gy9-9090d
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F+ Icon
F.A.Z. PLUS
abonnieren

Veröffentlicht: 03.08.2017, 16:03 Uhr

Wie das Freibad sauber wird Total blau

Ein Besuch im Freibad ist selbst bei Hochbetrieb eine hygienisch einwandfreie Erfrischung. Dafür sorgt die Wasseraufbereitung. Die Badegäste können aber auch selbst viel zum sauberen Wasser beitragen.

von Peter Thomas
© Patricia Kühfuss Ein volles Schwimmbecken bedeutet für die Reinigungs- und Filterstufen auch viel Arbeit

Kühl und erfrischend: Ein Besuch im Freibad gehört für viele Menschen zum Hochsommer. Gerade in den Ferien herrscht deshalb bei schönem Wetter Hochbetrieb im Becken. Bis zu 18 000 Besucher täglich vermelden an Spitzentagen die Bäderbetriebe der Stadt Frankfurt am Main (BBF) allein im Brentanobad. Dann suchen in einem der größten Freibäder Europas mit 11 000 Quadratmeter Wasserfläche so viele Menschen Abkühlung, wie in einer ganzen Kleinstadt leben.

Die Dimensionen der 2319 öffentlichen Freibäder in Deutschland reichen von solchen Großanlagen bis zum schmalen 25-Meter-Becken in der ländlichen Gemeinde. Die technischen Anforderungen für den Betrieb sind jedoch immer gleich: Mit den Badenden kommen auch jede Menge Substanzen ins Wasser, die wieder entfernt werden müssen. Dazu zählen gröbere Schwimm- und Schwebstoffe (Haare und Textilfusseln), Trübstoffe (Hautschuppen und Erde), kolloidale Stoffe (Sonnencreme, Make-up und Speichel), aber auch Keime, Viren und im Wasser gelöste Substanzen wie Harnstoff.

47828367 Aluminiumsalze, die zur Flockung ins Wasser gegeben werden. Sie helfen bei der Filtration von Schwebstoffen. © Peter Thomas Bilderstrecke 

Dafür, dass es in öffentlichen Freibädern dennoch hygienisch zugeht, sorgt die Wasseraufbereitungstechnik. „Die Sicherheit und Sauberkeit der öffentlichen Bäder in Deutschland ist hoch“, fasst Michael Weilandt zusammen. Der Diplom-Sportwissenschaftler ist stellvertretender Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen, dem Dachverband der Branche mit zusammen rund 5400 öffentlichen Bädern.

Wasseraufbereitung in Schwimmbädern schon seit 100 Jahren

Weil es keine bundesweit geltende Schwimm- und Badewasserbeckenverordnung gibt, orientieren sich die Bäder an der Norm DIN 19643 „Aufbereitung von Schwimm- und Badebeckenwasser“. Aber was heißt eigentlich sauber, wenn es um das Wasser in Schwimmbecken öffentlicher Bäder geht? Nachgefragt beim Umweltbundesamt. Dort ist der promovierte Chemiker Alexander Kämpfe Fachgebietsleiter für Schwimm- und Badebeckenwasser und chemische Analytik. „Die Aufbereitung muss vor allem sicherstellen, dass keine Mikroorganismen im Wasser enthalten sind, die Krankheiten auslösen. Das bedeutet, dass Bakterien abgetötet und Viren inaktiviert werden“, sagt Kämpfe und verweist auf das deutsche Infektionsschutzgesetz.

Mehr zum Thema

Typischerweise setzen Bäder auf Flockung, Filtrierung und Desinfektion zur Wasseraufbereitung. Die ersten Schritte dazu wurden schon vor rund 100 Jahren gemacht, wie Frank Müller, Geschäftsführer der Bäderbetriebe Frankfurt, berichtet. Das Gartenbad Fechenheim war mit seinen Filteranlagen bei der Eröffnung in den zwanziger Jahren eines der modernsten Bäder Deutschlands.

Und wie plant man knapp 100 Jahre später die Wasseraufbereitung eines neuen Schwimmbads? Das auf Planung und Baubegleitung von Schwimmbadtechnik spezialisierte Unternehmens Fey und Partner in Wuppertal übernimmt diese Aufgabe für das neue Sportbad im hessischen Rüsselsheim. Die Wasseraufbereitung des Hallenbads wird künftig auch für das bestehende Freibad nebenan genutzt. Allerdings bekommt jedes Becken einen eigenen Kreislauf. Entsprechend viele Speicher, Filter und Dosieranlagen stehen im Keller des Neubaus.

Es gibt verschiedene Formen sogenannter Schüttbettfilter, bei denen verschiedene Filtermaterialien wie Kies, Sand und Aktivkohle in einen Kessel gefüllt werden. Der Zulauf befindet sich oben, der Ablauf unten. Eine Alternative sind Anschwemmfilter mit Platten, an denen sich das Filtrat absetzt. Sie bestehen unter anderem aus Kieselgur und Aktivkohle. Andere Bäder setzen auf Ultrafiltration mit Membranfiltern, wobei das Wasser mit Druck durch die Filter gepresst wird. Welche Technologie heute zum Einsatz kommt, entscheidet sich unter anderem nach der Art des Bads und dem zur Verfügung stehenden Platz.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite

Im Schneckengang

Von Lukas Weber

Über die Bürokraten in Europa zu schimpfen gehört zur Folklore. Aber manchmal wünscht man sich dann doch etwas mehr Vereinheitlichung in der Union. Mehr 1 1

Hinweis
Die Redaktion