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Verstellbare Schlüssel im Test : Der große Dreh

  • -Aktualisiert am

Der Knipex Zangenschlüssel klemmt die Schrauben fest. Bild: Wiseman

Heute schon geschraubt? Mit diesen verstellbaren Schraubenschlüsseln eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten.

          Wer ein großes Ding drehen will, braucht mächtiges Werkzeug. Für Verschraubungen im gebräuchlichen Sechskantformat von meist 6 bis 22 Millimeter sind Maul- und Ringschlüssel in vielen Sets zu finden. Für größere Schraubenköpfe aber fehlt oft die passende Weite. Noch schwieriger wird´s, wenn Schraubenköpfe oder Muttern zöllig durchs metrische Raster fallen oder ihr Maß durch Abnutzung und Alter verlieren. In vielen solchen Fällen erweist sich ein verstellbarer Schraubenschlüssel als passgenaue Lösung. Sein einstellbares Maul greift verschiedenste Größen und Schraubverbindungen wie die flachen Endungen von Schäkelbolzen oder die Achtkantmuttern der Zentralverschlüsse, die an Speichenfelgen zu Einsatz kommen. Die verstellbare Weite kann den Kauf kompletter Schlüsselsätze ersparen, eine Alternative, die sich gerade für sehr große Formate rentiert, die teuer im Einkauf sind.

          Herkömmliche Werkzeuge dieser Art teilen freilich das Manko mit allen Maulschlüsseln, dass die Kraft nur über zwei Flächen des Sechskants übertragen wird – festsitzende Schrauben oder Muttern werden so leichter rund gedreht als mit einer Stecknuss. Aber es gibt Zangenschlüssel, die sie fester packen. Mit zwei vollkommen verschiedenen Konzepten bedienen die zwei deutschen Werkzeug-Marken Knipex und Kukko dieses Segment. Kukkos einstellbarer Schraubenschlüssel 1900-75 wird mit einer Spannweite von 75 Millimeter angegeben, der Knipex-Zangenschlüssel XL hat sogar 85 Millimeter Schlüsselweite. Gemeinsam ist beiden, dass sie mit ihren glatten Greifbacken die Verletzung der Schraubverbindung vermeiden. So eignen sie sich für Messing, Edelstahl oder verchromte Oberflächen ebenso wie für Kunststoffmuttern. Statt auf den Biss mit scharfen Zähnen, die unweigerlich die Oberflächen der Schraubverbindung verletzen, setzen beide auf spielfreie Flächenpressung.

          Der Hub zwischen den Greifbacken erlaubt leichtes Öffnen und Umsetzen bei gleichgroßen Muttern und Schraubköpfen. Bilderstrecke
          Der Hub zwischen den Greifbacken erlaubt leichtes Öffnen und Umsetzen bei gleichgroßen Muttern und Schraubköpfen. :

          Beim Zangenschlüssel XL von Knipex resultiert die hohe Presskraft aus der zehnfachen Handkraftverstärkung des Zangengelenks. Im Prinzip ähnelt er auf den ersten Blick dem traditionellen „Schweden“, denn er arbeitet ebenfalls mit einem Hebelgelenk, das den Andruck verstärkt, der vom oberen Hebelarm auf die untere Backe erfolgt. Doch während die Schwedenzange, so benannt nach dem Schweden Johan Petter Johansson, der sie 1888 patentieren ließ, das Werkstück mit starken Greifzähnen packt, verzichtet der Zangenschlüssel auf diese. Und im Unterschied zum Schweden bewegen sich die Greifbacken des Zangenschlüssel XL während des gesamten Schließprozesses parallel. Außerdem wird die Maulgröße nicht durch eine Rändelschraube am Hebelarm, sondern durch eine Druckknopf-Schnellverstellung auf einer Zahnleiste fixiert. Hierfür hat der XL-Zangenschlüssel 25 Positionen, mit denen das Maul direkt am Werkstück auf die benötigte Weite eingestellt wird, bevor sich dann die Backen durch Druck auf den Hebelarm schließen.

          In der Handhabung bewährt sich auch im XL-Format die erprobte Mechanik der Schlüsselverstellung, die 1992 von Knipex zum Patent angemeldet wurde. Die Zangenschlüssel werden in sechs Größen und verschiedenen Ausführungen produziert und etablierten sich vor allem in den mittleren Formaten (18 oder 25 cm lang mit Maulweiten bis 35 oder 46 mm) als universelle Schraubenschlüssel, soweit der Platz für die Anwendung reicht. Der Hub zwischen den Greifbacken erlaubt leichtes Öffnen und Umsetzen bei gleichgroßen Muttern und Schraubköpfen, ohne dass der Schlüssel neu eingestellt werden muss. Als wichtiger Nebeneffekt dieses Spiels, das sich einstellt, sobald man den Griff lockert, ergibt sich im Einsatz das Ratschenprinzip: Hierbei bleibt der Zangenschlüssel in Kontakt mit der Verschraubung, wird mit entspanntem Maul zurückbewegt und dann wieder unter Druck geschlossen.

          So erweist sich der Knipex als ein universelles Werkzeug

          Die hohe Übersetzung im Faktor 1:10 und die stets parallele Führung der Backen sorgen außerdem dafür, dass sich auf Werkstücke gezielt und ohne zu verkanten Druck ausüben lässt, beispielsweise um Schutzhülsen senkrecht einzudrücken, Klebestellen gleichmäßig zusammenzupressen oder Werkstücke für die Bearbeitung einfach festzuhalten. So erweist sich der Knipex als ein universelles Werkzeug, angefangen bei den Überwurfmuttern verchromter Armaturen und ihrer kratzerfreien Montage bis zu den strapazierten Schrauben des 60 Jahre alten Traktors im Besitz des Autors, bei denen er sich dank Farbe, Rost und Jahrgang nicht sicher sein kann, ob sie sich an das ursprüngliche Maß halten.

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