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Uhren aus unedlem Metall : Bronzezeit

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Mühle Glashütte S.A.R. Rescue Timer Bild: Hersteller

Diese Uhren dürfen altern, zumindest äußerlich: Immer mehr Zeitmesser ticken in einem Gehäuse aus dem unedlen Metall.

          Edelstahl, Gold, Platin, Aluminium, Keramik, Titan, Kautschuk, Glas, Textil, Silikon und Plastik haben eines gemeinsam: Sie alle dienen als Gehäusematerial für Uhren, was die Auswahl schier grenzenlos macht. Seit einiger Zeit zählt auch Bronze dazu, die erste von Menschen geschaffene Legierung, nach der ein ganzes Entwicklungszeitalter benannt wurde. Damals hatte der Mensch erkannt, dass eine bestimmte Mischung des weichen Kupfers mit Zinn ein schönes, robustes und gut zu verarbeitendes Metall ergibt.

          Es spielte in der Uhrenbranche kaum eine Rolle, denn seine äußerlich hervorstechendste Eigenschaft, Patina anzusetzen, war nicht gefragt. Im Gegenteil. Besitzer von in Edelmetall gekleideten Uhren tun alles, um jegliche äußerliche Veränderung zu verhindern, kein Kratzer soll die polierten Flächen stören, geschweige denn eine Verfärbung. Andererseits hat die Bronze Qualitäten, die seit Jahrhunderten für viele andere Produkte geschätzt werden: Die herausragendste ist ihre Seewasserfestigkeit.

          Sie ist und war das wichtigste Material für Schiffsschrauben und sonstige Ausrüstungsteile, die mit dem aggressiven Seewasser in Berührung kommen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass gerade Uhrenhersteller, die für die Marine arbeiten oder historisch mit der Seefahrt verbunden sind, doch irgendwann einmal mit Bronze für ein Gehäuse experimentierten. Etwa Mühle Glashütte, die „nautische Instrumente“ sogar im Namen führen – oder traditionelle Ausrüster wie Wempe mit seinen Schiffs-Chronometern. Und naheliegenderweise hat man Taucheruhren in Bronze gekleidet.

          Tudor Heritage Black Bay Bronze Bilderstrecke

          Allen voran die italienische Marke Panerai, die seit langen Jahren die nationale Marine mit robusten Zeitmessern ausstattet. In deren Historie ist gespeichert, dass der legendäre Uhrendesigner Gerald Gentá schon 1988 ein Bronzegehäuse kreiert hat – ohne Folgen. Erst als Panerai 2011 eine Luminor Submersible in ein solches Gehäuse gesteckt und als Bronzo mit einer Auflage von 1000 Stück präsentiert hatte, begann die Bronzezeit in der Uhrengeschichte. Denn die Bronzos gingen weg wie warme Semmeln, trotz des Preises von 7400 Euro. Auf einmal war das unedle Metall etwas Besonderes. Heute ist das Angebot gerade noch überschaubar, meist sind es Taucheruhren.

          An Land reagiert die Bronze unter dem Einfluss von Sauerstoff und Feuchtigkeit mit einer Patina aus oxidiertem Kupfer, die sich auf das Material legt und dieses schützt. Aus einer fast roségoldfarbenen Oberfläche wird so eine graue, die unter besonderen Umständen sogar grün anlaufen kann. Den Marketingstrategen gelang es, diesen Prozess der äußerlichen Veränderung der Uhr als deren individuelle Einzigartigkeit zu verkaufen, denn es hängt ganz vom Träger ab, wie er abläuft. Das macht die Uhr zudem unverwechselbar.

          Der Käufer einer Bronzeuhr kann seinem guten Stück sozusagen beim Altern zuschauen, und das ist gewollt. Er bekommt es nämlich meistens vakuumverpackt, damit er die Veränderung am eigenen Leib mitbekommt. Im Übrigen ist Bronze antimagnetisch, was Uhren in anderen Metallen erst mühsam angezüchtet werden muss. Sie verschleißt wenig und ist für ein Metall relativ elastisch, weil ziemlich weich, daher firmiert sie auch als unedles Metall, auf dessen Oberfläche kleine Kratzer kaum zu vermeiden sind. Heute gibt es diverse Legierungen mit anderen Beimischungen wie Phosphor und Zink, man kann maßgeschneiderte Werkstoffe legieren. Auch mit Aluminium kann man das Kupfer mischen, um spezielle Eigenschaften der Bronze zu erreichen. Damit empfindliche Menschen nicht allergisch reagieren, haben die meisten Marken ihre Uhren mit einem unproblematischen Boden ausgestattet: Titan, Glas oder Edelstahl.

          Bronze reflektiert das Sonnenlicht nicht

          Es gibt mittlerweile Hersteller, denen es nicht so sehr auf die Seewasserfestigkeit ankommt, sondern eher auf die Eigenschaft, dass die Bronze das Sonnenlicht nicht reflektiert. Daher haben bereits einige Manufakturen, darunter die deutschen Marken Archimede und Laco aus Pforzheim, Fliegeruhren in das neue alte Material eingeschalt.

          Lästerer halten Bronzeuhren ja für unansehnlich, aber die matte Oberfläche hat durchaus ihren Reiz. Es gibt zwar auch Legierungen, die nicht oxidieren, aber die sehen halt aus wie Roségold. Wer sich für eine Bronzeuhr entscheidet, will mit ihr zusammen altern – und der Uhr darf und wird man das auch ansehen.

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