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Trinkwasserfilter : Alle Wasser gewaschen

Manche sparen Energie, indem sie den Druck zurückgewinnen, sie sind aber im Aufbau komplizierter; mit etwa 4 bis 9 kWh je Kubikmeter sollte man rechnen. Die Membrane besteht meist aus Polyamid, Öl und Chlor verträgt sie nicht. Geräte für etwa 100 Euro, die im Haushalt verwendet werden, kommen mit 3 bar aus, da sie nur für die Teetrinker die Minerale aus dem Leitungswasser holen sollen. Die Umkehrosmose liefert reines Wasser, das fast ohne gelöste Stoffe ist. Es muss vorab konventionell gefiltert werden, weil sonst die Membrane verschmutzt, und dass Krankheitserreger durch feinste Risse passieren, ist nicht auszuschließen. Der Genuss von destilliertem oder entmineralisiertem Wasser ist übrigens nur dann gesundheitsschädlich, wenn über einen längeren Zeitraum nicht ausreichend Minerale über die Nahrung zugeführt werden.

Mobile Anlage des THW für den Katastrophenfall

Was im Kleinen funktioniert, geht auch im Großen. Das Technische Hilfswerk hat für die Katastrophenhilfe zusammen mit dem Hersteller Berkefeld eine mobile Anlage entwickelt, die 15 Kubikmeter Wasser in der Stunde aufbereiten kann, und inzwischen zwölf davon zu Kosten von jeweils rund 850 000 Euro angeschafft. Die Aufbereitung erfolgt in mehreren Stufen: Zuerst werden mit Chemikalien, meist Eisen-III-Chlorid, Schwebstoffe ausgeflockt. Dann durchläuft das Wasser rückspülbare Scheibenfilter mit einer Feinheit von 100, 50 und 20 Mikron.

In der zweiten Stufe wird eine Keramikmembran eingesetzt, die eine Porengröße von 0,1 Mikron hat. „Das THW benutzt eigens entwickelte keramische Monolithblöcke, dabei ist nicht die Keramik der Filter, sondern eine Kunststoffbeschichtung“, erklärt Basil al Naqib, der im THW für die Wasseraufbereitung zuständig ist. Das Hilfswerk sei weltweit die einzige Organisation, die dieses Verfahren mobil anwendet. Herkömmliche Filter hält er für nicht robust genug wegen der Stöße beim Transport auf Lastwagen. Die nächste Stufe ist ein Aktivkohlefilter. Dann wird das Wasser mit UV-Licht desinfiziert und nach Bedarf chloriert. Alle Komponenten sind in Rahmengestellen montiert und passen auf Europaletten. Das THW habe sich bewusst gegen Umkehrosmose entschieden, sagt al Naqib. Die Anlagen seien für den Katastropheneinsatz zu empfindlich, aber für die Meerwasserentsalzung geeignet.

Und unser heimisches Leitungswasser? Es stammt aus Quellen, Brunnen oder Oberflächengewässern und muss je nach Herkunft ebenfalls mit solchen Methoden und einigen anderen wie Ozon gereinigt werden. Die Kontrollen sind streng, die Grenzwerte niedrig. Bedenkliche Verkeimung kann dennoch vorkommen, wie kürzlich in einigen hessischen Gemeinden.

Meist liegt das Problem aber nicht am Wasser, sondern an der Leitung des Endverbrauchers. Durch zu langen Stillstand können sich Legionellen vermehren oder schädliche Bestandteile wie Blei aus der Leitung lösen. Deshalb unser Rat: einfach eine Weile laufen lassen. Denn Trinkwasser ist hierzulande nicht knapp. Sonst würden die Versorger nicht damit ihre Abwasserkanäle spülen.

Quelle: F.A.Z.

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